Mit “Wirtschaftskrise” getaggte Einträge

Die letzte Wirtschaftskrise hat die Kritik an unserem Wirtschaftssystem wieder lauter werden lassen. Der Neoliberalismus scheint an seinen Grenzen angekommen zu sein. Es erscheint auch immer offensichtlicher, dass gewisse Veränderungen notwendig sind und dass diese möglichst in nächster Zeit passieren sollten. Eine weitere Frage, die sich stellt, ist, ob leichte Korrekturen ausreichen oder ob ein radikaler Wechsel notwendig ist.

Die Idee von Silvio Gesell für die so genannte Freiwirtschaft, entwickelt in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, würde so einen einschneidenden Wechsel bedeuten. Ob dieses System umsetzbar ist, darüber gibt es allerdings auch jede Menge Zweifel. Auch die Ausgangslage ist heute eine wesentlich andere als noch vor hundert Jahren.

Mit der Idee der Freiwirtschaft hat sich Dieter näher befasst. Er hat die Grundzüge dieses Modells der Diskussionsrunde vorgestellt.

Das Hauptziel der Freiwirtschaft ist, eine stabile, freiheitliche und vor allem sozial gerechte Marktwirtschaft zu erreichen. Unser heutiges System, gekennzeichnet von Geldzins und so genannter Bodenrente, führt dazu, dass Vermögen und Reichtümer zunehmend von den Ärmeren zu den Reicheren wandern. Die Vermögenderen also bereichern sich zusehend auf Kosten der Ärmeren. Um diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, um das Auseinanderklaffen der so genannten sozialen Schere zu unterbinden, schlägt Silvio Gesell die Einführung des Freigeld- und Freilandsystems vor.

Freigeld bedeutet umlaufgesichertes Geld. D.h. das Geld erfährt eine automatische Abwertung; es ist somit günstiger das Geld freiwillig weiter zu verleihen und zwar zu null Zinsen, als es zu behalten. Dies bedeutet wiederum, dass der Wirtschaft günstiges Geld zufließt und derjenige, dem das Geld gehört, dadurch nicht reicher wird. Die Betriebe können so günstiger produzieren und die Produkte werden billiger. Auch in Wirtschaftskrisen könnten so die Investitionen und insgesamt die Wirtschaft angekurbelt werden.

Auch beim Freilandsystem geht es darum, leistungsloses Einkommen nicht dem Einzelnen, sondern der Allgemeinheit zukommen zu lassen. Die so genannte Bodenrente, die generell das Eigentum von Grund und Boden abwirft, soll vergesellschaftet werden. Gesell schlug die Auszahlung eines hohen Kindergeldes an Mütter vor, um diese wirtschaftlich unabhängig von Männern zu machen.

Heutige Verfechter des freiwirtschaftlichen System lehnen großteils die Konzepte des geistigen Eigentums ab, insbesondere das Patentrecht. Diese Konzepte ermöglichen ebenfalls Einkommen ohne Arbeitsleistung auf Kosten der Allgemeinheit.

Eine wichtige Frage, der wir uns irgendwann stellen müssen, ist, ob es immer Wirtschaftswachstum geben kann. Von vielen wird bereits seit einiger Zeit ein Wachstumsstopp gefordert und zwar nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern vor allem auch aus Gründen der Ressourcenverknappung. Für Politik und Wirtschaft jedoch gibt es nach wie vor kein wichtigeres Anliegen als die Förderung des Wirtschaftswachstums. Grenzen (wie sie der Club of Rome bereits vor 50 Jahren aufgezeigt hat) anzuerkennen und zu akzeptieren scheint für unser kapitalistisch-liberales Wirtschaftssystem fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Es geht die allgemeine Befürchtung um, dass, wenn es einmal kein Wachstum mehr gibt, alles zusammenbricht. Es ist deshalb vielleicht nicht falsch, nach Systemen Ausschau zu halten, die auch ohne dieses ständige Mehr an Produktions- und Wirtschaftsleistung noch funktionieren. Die Verfechter der Freiwirtschaftstheorie behaupten, dass in ihrem System auch in Zeiten der Krise und des Wachstumsrückgangs der Wirtschaft wegen der Umlaufsicherung des Geldes weiterhin das nötige Kapital zufließt und dass deshalb der Wirtschaftsprozess ungehindert weiter laufen kann.

Im Jahre 1916 hatte Silvio Gesell sein Hauptwerk über die Freiwirtschaft „Die natürliche Wirtschaftordnung durch Freiland und Freigeld“ herausgebracht, Daraufhin, vor allem in den Zeiten der großen Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre, gab es in Deutschland und Österreich einige praktische Versuche zu deren Umsetzung. Sie wurden leider nach kurzer Zeit von oben untersagt, obwohl sie z.T. große Erfolge verbuchten, wie im Falle des Modellversuches von Wörgl. Auch der Nationalsozialismus hatte ganz und gar keine Freude mit dem freiwirtschaftlichen Gedankengut, da Silvio Gesell betonte, dass die Zinsproblematik nicht den Juden angelastet werden kann, sondern ihre Ursachen im System hat. Die Gesellsche Lehre wurde deshalb von den Nationalsozialisten auf das Schärfste bekämpft.

Das Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell wird weiters auch von den beiden heute am weitesten verbreiteten Wirtschaftstheorien abgelehnt. Das liberale, kapitalistische Wirtschaftssystem verteidigt das Eigentumsrecht und auch das Zinswesen und steht somit im klaren Kontrast zur Gesellschen Freiwirtschaft. Für die Marxisten geht die Freiwirtschaftslehre in der Ablehnung des Kapitalismus viel zu wenig weit. Gesell richtet sich zwar gegen den Finanzkapitalismus, aber nicht gegen den Produktionskapitalismus und gegen die Marktwirtwirtschaft, die von den Marxisten nicht akzeptiert und als sozialdarwinistisch eingestuft wird. Darüber hinaus wird Silvio Gesell auch ein gewisser Antisemitismus zugeschrieben.

Obwohl von den beiden führenden Wirtschaftslehren zurückgewiesen, beschäftigen sich gerade heute wieder vermehrt Menschen mit den wirtschaftlichen Konzepten von Gesell. Und zwar nicht nur auf theoretischer Ebene. Es gibt wieder konkrete Umsetzungsversuche, wie verschiedene Regiogeld-Projekte (Beispiel Chiemgauer) und Tauschringe.

Dieter hält die Freiwirtschaftslehre für einen interessanten Ansatz, um die verschiedenen Probleme, die mit unserem heutigen gängigen kapitalistischen Wirtschaftssystem zusammenhängen und immer stärker zu Tage treten, einer Lösung zuführen zu können.

Gleichzeitig müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden, wie die Einführung der so genannten ökologischen Steuerreform (sehr stark vom Wirtschafts- und Umweltexperten Ulrich von Weizäcker propagiert). Dabei geht es um eine steuerliche Entlastung der Arbeit und eine stärkere Besteuerung der Ressourcen. Auch die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens gilt es anzustreben, worüber sich in der Runde eine interessante Diskussion entfachte. Schließlich würde gerade eine solche Maßnahme einschneidende Auswirkungen für uns alle mit sich bringen und ganz verschiedene Reaktionen bei den Einzelnen auslösen.

Dieter ist über die Lektüre der Werke von Erich Fromm und seiner Kapitalismuskritik zu den Theorien von Gesell gekommen. Für Fromm ist der Mensch im kapitalistischen System zu einem Werkzeug verkommen und sein Leben wurde dadurch völlig sinnentleert. Es müssen neue Wege gesucht werden, hin wieder zu einer gesunden Gesellschaft.

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Mal was wirtschaftswissenschaftliches:

Heidi besitzt eine kleine gemütliche Bar in der Münchner Innenstadt.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (1)

Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich Alkoholiker ohne Einkommen) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (2)

Das spricht sich in München schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Heidis Bar.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (3)

Da die Kunden sich um die Bezahlung vorerst keine Sorgen machen müssen, verteuert Heidi die Preise für Wein und Bier, die meistkonsumierten Getränke, und erhöht damit massiv ihren Umsatz.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (4)

Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Heidis Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (5)

Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND, ALKBOND und KOTZBOND.
Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert.
Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Heidis Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (6)

Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (7)

Eines Tages und obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk-Manager (inzwischen selbstverständlich entlassen – Begründung: er wahr zu negativ) der Bank fest, dass man die Schulden der Alkis von Heidis Bar langsam einfordern sollte.
Überraschenderweise können diese ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, nicht bezahlen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (8)

Heidi kann ihren Kreditverpflichtungen nicht nachkommen und macht Konkurs.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (9)

SUFFBOND und ALKBOND verlieren 95%, KOTZBOND hält sich besser und stabilisiert sich nach einem Verlust von 80%.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (10)

Die Lieferanten hatten Heidis Bar längere Zahlungsfristen gewährt und zudem in die Papiere investiert: Der Weinlieferant geht Konkurs, der Bierlieferant wird von einem Konkurrenten übernommen.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (11)

Die Bank wird durch Steuergelder gerettet.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (12)

Die hierfür notwendigen Summen werden in einer Umlage vom arbeitenden Volk eingezogen. Der Bankvorstand verzichtet großzügig auf den Bonus für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (13)

So in etwa hat sich die Wirtschaftskrise entwickelt. Wir hoffen, dass jetzt jeder verstanden hat warum wir uns in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage befinden!

Alle Bilder (und Texte?) (C) Manuel Rumpf.

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