Mal was wirtschaftswissenschaftliches:

Heidi besitzt eine kleine gemütliche Bar in der Münchner Innenstadt.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (1)

Um den Umsatz zu steigern, beschließt sie, die Getränke der Stammkundschaft (hauptsächlich Alkoholiker ohne Einkommen) auf den Deckel zu nehmen, ihnen also Kredit zu gewähren.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (2)

Das spricht sich in München schnell herum und immer mehr Kundschaft desselben Segments drängt sich in Heidis Bar.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (3)

Da die Kunden sich um die Bezahlung vorerst keine Sorgen machen müssen, verteuert Heidi die Preise für Wein und Bier, die meistkonsumierten Getränke, und erhöht damit massiv ihren Umsatz.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (4)

Der junge und dynamische Kundenberater der lokalen Bank bemerkt Heidis Erfolg und bietet ihr zur Liquiditätssicherung eine unbegrenzte Kreditlinie an. Um die Deckung macht er sich keinerlei Sorgen, er hat ja die Schulden der Trinker als Deckung.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (5)

Zur Refinanzierung transformieren top ausgebildete Investmentbanker die Bierdeckel in verbriefte Schuldverschreibungen mit den Bezeichnungen SUFFBOND, ALKBOND und KOTZBOND.
Diese Papiere laufen unter der modernen Bezeichnung SPA Super Prima Anleihen und werden bei einer usbekischen Online-Versicherung per Email abgesichert.
Daraufhin werden sie von mehreren Rating-Agenturen (gegen lebenslanges Freibier in Heidis Bar) mit ausgezeichneten Bewertungen versehen.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (6)

Niemand versteht zwar, was die Abkürzungen dieser Produkte bedeuten oder was genau diese Papiere beinhalten, aber dank steigender Kurse und hoher Renditen werden diese Konstrukte ein Renner für institutionelle Investoren. Vorstände und Investmentspezialisten der Bank erhalten Boni im dreistelligen Millionenbereich.

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Eines Tages und obwohl die Kurse immer noch steigen, stellt ein Risk-Manager (inzwischen selbstverständlich entlassen – Begründung: er wahr zu negativ) der Bank fest, dass man die Schulden der Alkis von Heidis Bar langsam einfordern sollte.
Überraschenderweise können diese ihre Schulden, von denen viele inzwischen ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens betragen, nicht bezahlen. Solange man auch nachforscht, es kommen so gut wie keine Tilgungen ins Haus.

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Heidi kann ihren Kreditverpflichtungen nicht nachkommen und macht Konkurs.

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SUFFBOND und ALKBOND verlieren 95%, KOTZBOND hält sich besser und stabilisiert sich nach einem Verlust von 80%.

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Die Lieferanten hatten Heidis Bar längere Zahlungsfristen gewährt und zudem in die Papiere investiert: Der Weinlieferant geht Konkurs, der Bierlieferant wird von einem Konkurrenten übernommen.

Die Wirtschaftskrise leicht verständlich (11)

Die Bank wird durch Steuergelder gerettet.

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Die hierfür notwendigen Summen werden in einer Umlage vom arbeitenden Volk eingezogen. Der Bankvorstand verzichtet großzügig auf den Bonus für das abgelaufene Geschäftsjahr.

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So in etwa hat sich die Wirtschaftskrise entwickelt. Wir hoffen, dass jetzt jeder verstanden hat warum wir uns in dieser wirtschaftlich schwierigen Lage befinden!

Alle Bilder (und Texte?) (C) Manuel Rumpf.

6 Kommentare

  1. Herbert am 08.06.2010 um 11:56 (Antworten)

    Treffend erklärt! Und die Geschichte ist (leider) noch lange nicht zu Ende erzählt …

    1. Endymion am 08.06.2010 um 12:14 (Antworten)

      …und wird als ewige Geschichte noch lange zukünftige Generationen plagen!

  2. [...] This post was mentioned on Twitter by Hans-Georg Woehrle and Holzmichl, BlogSchafftWissen. BlogSchafftWissen said: Neu im Blog: Die Wirtschaftskrise leicht verständlich: SUFFBOND, ALKBOND und KOTZBOND http://bit.ly/d4yRuF [...]

  3. regulus am 08.06.2010 um 23:40 (Antworten)

    …und irgendwo sind immer die Gewinner, die sogar aus dieser Krise Profit schlagen :(

    super erklärt, top. Mir ist und bleibt ein Rätsel, dass alle Staaten bei anderen Staaten Schulden haben. Auch dass die jährliche Neuverschuldung (!) nicht mehr als gewisse Prozent betragen dürfte. Es ist nie die Rede von Schuldenabbau, nö, immer nur von Neuverschuldung. Absurd.

  4. Wilbur Sweeney am 14.06.2010 um 18:06 (Antworten)

    If only more people could read this..

  5. [...] letzte Wirtschaftskrise hat die Kritik an unserem Wirtschaftssystem wieder lauter werden lassen. Der Neoliberalismus scheint an seinen Grenzen angekommen zu sein. Es [...]

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