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Chemie-Physik-LaborantInnen für Betrieb in Brixen/Südtirol/Italien gesucht!

Wie bereits im letzten Jahr erfolgt hier eine Mitteilung in eigener Sache:

Der innovativste Betrieb im schönen Alpenland Südtirol mit 300 Sonnentagen im Jahr, seines Zeichens einer der Weltmarktführer im industriellen Inkjet-Sektor, sucht wieder mal MitarbeiterInnen zum schnellstmöglichen Eintritt für sein chemisch/physikalisches Labor. Der abwechslungsreiche Aufgabenbereich umfasst die Durchführung verschiedener Versuchsreihen sowie Tests und Analysen von neuen Druckmaterialien und Tinten, deren Auswertung und Erstellung der entsprechenden Dokumentation.

Voraussetzungen: Abgeschlossene Ausbildung im naturwissenschaftlichen Bereich bzw. im Bereich Chemie (HTL, Gewerbeoberschule, wissenschaftliches Lyzeum), idealerweise sind schon erste Erfahrungen mit Labortätigkeiten vorhanden.

Kleines Spektrum der Labortätigkeiten

Wer sich eine solche Tätigkeit vorstellen könnte oder sucht, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen und ein entsprechendes Bewerbungsschreiben verfassen.

Freitagsalon Brixen August 2012: In welche Richtung soll sich Brixen entwickeln?

In der Einführungsrunde trat klar zu Tage, dass es sich eigentlich in Brixen relativ gut leben lässt. Verschiedene Vorzüge wurden genannt, u.a. die Überschaubarkeit, Familienfreundlichkeit, generell eine hohe Lebensqualität, tolle Einrichtungen (wobei allerdings auch darauf hingewiesen wurde, dass deren Instandhaltung immer mehr Spesen für die Stadt bedeuten, gleichzeitig aber die zur Verfügung stehenden Mittel ständig geringer werden, weshalb die Gefahr besteht, dass man sich vielleicht doch zu viele Belastungen für die Zukunft aufbürdet, wenn laufend weitere aufwendige Strukturen dazukommen). Lobend hervorgehoben wurde weiters die Tatsache, dass sich Brixen heute als eine sehr lebendige Stadt präsentiert. Durch das Eröffnen verschiedener Gastbetriebe ist Leben in die Stadt eingekehrt, auch noch nach Ladenschluss. Von mehreren Diskussionsteilnehmern wurde der Wunsch geäußert, die neue Bibliothek möglichst bald zu realisieren.

Bei diesen Vorschusslorbeeren hat der Bürgermeister dann angeknüpft. Er hat uns einen guten Überblick darüber gegeben, was alles in der Vergangenheit erreicht werden konnte, was man z.Z. dabei ist, umzusetzen und welche Vorhaben in Zukunft anzugehen sind.

Albert Pürgstaller hat zuallererst einmal darauf hingewiesen, dass man in den vergangenen Jahren viel in Konzept- und Planungsarbeit investiert hat. Zuerst wurde ein Leitbild für die Gemeinde Brixen erstellt, daraufhin hat man einen Masterplan ausarbeiten lassen unter großer Beteiligung der Bevölkerung, und z.Z. ist man dabei den Bauleitplan und den Landschaftsplan zu überarbeiten.

Ein wichtiges Anliegen von Anfang an war die Stärken-Schwächen-Analyse. Vier positive Eigenheiten der Stadt wurden dabei besonders hervorgehoben (z.T. wurden sie auch schon von den Diskussionsteilnehmern eingangs angesprochen):

  • Die Stadt ist gut überschaubar (auch aufgrund deren Größe).
  • Sie ist nach wie vor persönlich (man kennt sich in der Stadt und nimmt sich Zeit füreinander).
  • Es herrscht ein reges Leben und Treiben in der Stadt (diesbezüglich hat Brixen in den vergangenen Jahren viel aufgeholt).
  • Die Stadt ist reich an kultur-historischen Schätzen und Baulichkeiten.

In der Folge sind die wichtigsten Informationen, die uns der Bürgermeister über die verschiedenen Sachbereiche geliefert hat, aufgelistet.

Demographie: In der Gemeinde Brixen leben 20.857 Personen; 78 % in Brixen/Milland und 22 % in den Fraktionen. Jugend und alte Menschen sind im Gleichgewicht (Meran weist im Vergleich zu Brixen eine erblich ältere demographische Struktur auf). Um 170 bis 180 Personen pro Jahr nimmt die Bevölkerung in unserer Gemeinde zu. Brixen weist ein positives Wanderungssaldo auf, das wohl vor allem auf die gute Lebensqualität, eine günstige Mobilität, aber auch auf das Vorhandensein interessanter Arbeitsplätze zurückzuführen ist. Die Bevölkerung ist in jüngster Zeit bunter geworden: 70 Nationen sind hier zu Hause, womit gewisse Herausforderungen, aber auch Chancen verbunden sind.

Bauleitplan: Der heute gültige Plan ist mittlerweile 15 Jahre alt, weshalb es an der Zeit ist, ihn zu überarbeiten. Der neue Bauleitplan sieht ca. 400 neue Wohneinheiten vor. Gemäß zu erwartendem Bevölkerungszuwachs müssten es zwar mehr sein, aber man möchte aus politischer Sicht die Entwicklung in der Verbauung doch etwas einbremsen. All zu wenig Wohnungen dürfen es allerdings auch wieder nicht sein, ansonsten hat dies negative Auswirkungen auf die Preisentwicklung im Immobiliensektor. Die neue Wohnkubatur soll weiters nicht nur auf die Stadt beschränkt werden; es sind auch in den Fraktionen neue Wohnbauzonen vorgesehen. Neue Gewerbezonen sind nicht geplant, da relativ viele freistehende Hallen vorhanden sind.

Wirtschaftliche Entwicklung: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es eine ganze Reihe von gut aufgestellten Betrieben in Brixen gibt. Woran es aber fehlt, sind gut ausgebildete Fachkräfte. Auch die logistische Anbindung lässt zu wünschen übrig. Dem Handwerk gehen Aufträge verloren, weil die vielfach kleinen Betriebe viel zu wenig miteinander arbeiten. Im Handel gibt es eine große Anzahl an Betrieben, die einzelnen Sparten sind allerdings nicht ganz ausgewogen vertreten. Auch bei den Öffnungszeiten hapert es noch ein bisschen: in der Mittagszeit halten zu wenig offen.

Tourismus: Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Betrieben, die im Niedrigpreissegment arbeiten; Pensionen und Garnis mit Preisen von 50-60 € pro Übernachtung. Bei diesen Einkünften bleibt nicht viel Geld übrig für Investitionen. Umso wichtiger ist deshalb für Brixen die Ansiedelung einiger größerer Leitbetriebe. Geplant sind drei neue Hotels am St. Anderer-Berg (eins oberhalb Mellaun in den Kojawiesen, ein anderes bei der Talstation der Plose-Umlaufbahn und ein weiteres in deren Nähe). Auch ein Cityhotel soll entstehen, damit endlich bei größeren Kongressen in der Stadt die Nachfrage nach Unterkünften abgedeckt werden kann. Das Marketing für Stadt und Tourismus gilt es zu verbessern, ebenfalls die Infrastrukturen (Hotels, Seilbahn, Umfahrung, Südspange, Autobahnanschluss, Citybus, Zug/Bahnhof, Fahrradwegenetz, Wanderwegenetz, Hofburggarten). Beim Stadtmarketing ist leider das Interesse und die Beteiligung von Seiten der Wirtschaftstreibenden nicht zufrieden stellend, es fehlt z.T. die notwendige Vernetzung (z.B. wird die Veranstaltung IMS viel zu wenig von den Geschäften unterstützt). Bezüglich Hofburggarten läuft z.Z. ein Gestaltungswettbewerb: die Anlage soll nicht für große Events und Attraktionen ausgerichtet werden, Legenden, Mythen, Ruhe und Mystik sollen im Mittelpunkt stehen.

Energie: Der Ausbau der Fernwärme und auch der Einsatz von Biomasse sind ein wichtiges Ziel. Auch den Energiehaushalt der Häuser gilt es noch zu verbessern (Isolierung). Ein weiteres wichtiges Anliegen der Stadt ist es, eine Beteiligung bei der Stromproduktion zu erreichen (in diesem Zusammenhang läuft ein Rekurs gegen das Land). Die Verlegung der Hochspannungsleitungen aus den Siedlungsgebieten darf schließlich auch nicht aus den Augen verloren werden.

Hochwasserschutz: Der Eisack im Raum Brixen stellt im Falle von großen Niederschlagsereignissen eine erhebliche Gefahr dar. Das Schadenspotential ist heute wegen der zahlreich vorhandenen Infrastrukturen und den ausgedehnten urbanen Bereichen um ein Vielfaches größer. In einem breit angelegten Flussraummanagementprojekt sollen Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz erarbeitet und umgesetzt werden. Neben dem Hochwasserschutzziel soll aber auch die ökologische Seite und der Erholungsaspekt nicht zu kurz kommen.

Familie: Neue Kinderbetreuungsmodelle gilt es neben den bestehenden (Kinderhort Tagesmutter usw.) anzustreben.

Alte Menschen: Die Zunahme der Menschen mit höherem Alter erfordert neue Betreuungsangebote. Gedacht wird neben Altersheimen auch an Wohngemeinschaften für alte Menschen.

Kultur: Nachholbedarf gibt es in der Jugendkultur. Dabei ist ein für alle Sprachgruppen zugängliches Kulturprogramm zu entwickeln. Bezüglich Bibliothek kann nach den Standortdiskussionen und den zähen Verhandlungen zum neuen Standort im Herbst voraussichtlich mit der definitiven Planung gestartet werden (für das Projekt beim ehemaligen Gefängnis). Die Musikschule wollte man ursprünglich mit der Uni zusammenbringen. Dies hat nicht geklappt; nun soll sie im Prielgelände entstehen. Im Schulbereich wurde ganz allgemein darauf verwiesen, dass man in Sachen Investitionen einen guten Stand erreicht hat.

Sport: Das Sportzentrum Süd ist mittlerweile 30 Jahre alt und muss dringend überarbeitet werden.

Getrennte Sporteinrichtungen nach Sprachgruppen soll es in Zukunft nicht mehr geben, das können wir uns nicht leisten. Schlecht steht es auch um die Eishalle, die möglicherweise wohl den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen wird.

Quartiermanagement: In den Fraktionen funktioniert das soziale Netzwerk noch relativ gut, in der Stadt aber weniger. Deshalb ist dort eine gewisse Gefahr gegeben, dass Menschen nicht mehr aufgefangen werden und vereinsamen. Aus diesem Grund bzw. ganz generell um Gemeinschaftsinteressen gegenüber Einzelinteressen voranzustellen, soll ein Quartiermanagement eingeführt werden.

Nach dieser ausführlichen Einführung blieb doch noch einige Zeit für die Diskussion übrig. Es gab verschiedene Anregungen, Kritikpunkte und ganz allgemeine Stellungsnahmen, aber auch Lob für das Erreichte fehlte nicht. (In Klammern und kursiv sind die Antworten des Bürgermeisters zu finden.)

Verkehr: Verbesserungen beim Citybusnetz wurden angesprochen (Verbindungen mit den Fraktionen, Vahrner See, bessere Abstimmung mit Zug). Die geringe Auslastung der Westumfahrung wurde angeprangert, aber auch die Notwendigkeit des Mittelanschlusses angezweifelt genauso wie die Errichtung einer Seilbahn von Brixen nach St. Andrä (bei abnehmenden Skifahrerzahlen und immer unsicher werdenden Schneeverhältnissen). Auch andere Trassen für die Seilbahn wurden vorgeschlagen. Weiters wurde die Frage an den Bürgermeister gerichtet, warum es noch zu keinem Rückbau der Staatsstraße durch die Stadt gekommen ist. (Der Bürgermeister nahm viele Vorschläge positiv auf, gerade bezüglich Citybus sind gewisse Verbesserungen sicher noch möglich, er betonte auch, dass gerade in der Mobilität ein vernetztes Denken von großer Wichtigkeit ist. Die Westumfahrung wird scheinbar immer besser angenommen, nachdem sie mittlerweile im Navigator-Straßennetz aufscheint. Vom Mittelanschluss genauso wie von der Umfahrung in Vahrn erhofft man sich eine weitere spürbare Entlastung der Straße durch die Stadt. Die Seilbahn wird nicht nur für den Skibetrieb errichtet; allein dafür gäbe sie keinen Sinn. Es soll grundsätzlich eine bessere Verbindung der Stadt mit dem Berg geschaffen werden, vor allem auch für den Sommer. Deshalb gibt eine Talstation in Albeins oder in der Industriezone keinen Sinn. Der Bürgermeister verwies schließlich noch darauf, dass es auch in anderen und noch viel größeren Städten ähnliche Bahnen gibt; auch das Geräuschproblem ist zufrieden stellend gelöst: die Kabinen der Seilbahn werden gezogen und bewegen sich nicht auf Rollen.)

Sprachgruppen: Dass man nun gewillt ist, die Sprachgruppen besser zusammenzubringen, wurde positiv gesehen. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass dies in der Vergangenheit nicht so gut geklappt hat, wenn man daran denkt, dass immer wieder Parallelstrukturen für die jeweiligen Sprachgruppen geschaffen wurden (z.B. zwei Jugendzentren). Jetzt aber unter dem Druck des Sparens ist es plötzlich möglich solche Einrichtungen zusammenzuführen. (Für das neue sprachgruppenübergreifende Jugendzentrum wird als Standort das Astrakino angedacht.)

Quartiermanagement: Eine Initiative in diese Richtung wurde begrüßt, aber auch gleichzeitig nachgefragt, wie dies funktionieren soll. (Der Bürgermeister nannte das Beispiel Rosslauf, ein Viertel, das in kurzer Zeit sehr schnell und stark gewachsen ist. Die Menschen dort waren sich lange fremd und es gab wenig Gemeinsames. Mittlerweile hat sich die Situation etwas verbessert. Dazu braucht es gemeinsame Initiativen (z.B. Feste). Das kann aber nicht alles die öffentliche Hand in die Wege leiten, es braucht das Engagement vor Ort. Vereine können diesbezüglich sehr hilfreich sein. Er sprach auch das Wohnprojekt Schenoni an, wo insbesondere auf das Anliegen des Miteinanderwohnens mehrerer Generationen eingegangen werden soll.)

Bibliothek – Finanzierungen: Es zeigte sich, dass diese Einrichtung für viele ein besonderes Anliegen darstellt. Eine konkrete Frage lautete, ob das Gebäude der neuen Bibliothek letztlich der Gemeinde gehören wird oder angemietet werden muss. Wie steht es überhaupt mit der Finanzierung all der verschiedenen Vorhaben der Gemeinde? (Der Bürgermeister versicherte, dass die für die Bibliothek notwendigen Räumlichkeiten auf die Gemeinde übergehen: die Finanzkaserne, das Ex-Gefängnis und eine Kubatur der Diözese. Die Kosten für diese Einrichtung werden auf 5,5 Millionen € geschätzt. Möglicherweise ist dafür der Verkauf anderer gemeindeeigenen Immobilien notwendig. Die Musikschule wird zu 90 % vom Land finanziert. Das Projekt Stadt-Land-Fluss wird mit EU- und Landesgeldern bestritten. Bei der Erneuerung des Sportzentrums hingegen wird es wohl etwas langsam vorangehen, da dafür derzeit die Gelder fehlen. Es wurde auch noch das Priel-Gelände erwähnt, wo die Parkplätze wegkommen und stattdessen ein Stadthotel und die Musikschule geplant sind sowie ein Platz für die Märkte und für Konzerte)

Am längsten ging die Diskussion über die Seilbahn, aber auch zum Hofburggarten gab es konträre Meinungen (allerdings liegen diesbezüglich z.Z. keine konkreten Projekte noch vor). Grundsätzlich konnte angesichts der zahlreichen und teilweise auch groß dimensionierten Infrastrukturprojekte und Vorhaben bei einigen Diskussionsteilnehmern ein gewisses Unbehagen festgestellt werden. Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns mit all diesen Projekten letztlich übernehmen, noch dazu in Anbetracht der Tatsache, dass die Gelder immer weniger werden, jedenfalls im öffentlichen Sektor? Welche Belastungen bürden wir damit den zukünftigen Generationen auf? Wurde nicht immer wieder – und zwar vor allem auch von politischer Seite – betont, in Zukunft mehr in Köpfe anstatt in Beton zu investieren?

Ankündigung Freitagsalon August 2012: „In welche Richtung soll sich Brixen entwickeln?“

Der nächste Freitag-Salon findet am 31. August 2012, um 21.00 Uhr im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock) statt.

Das Thema lautet: „In welche Richtung soll sich Brixen entwickeln?“.

Mit wem kann man besser über dieses Thema diskutieren und vielleicht auch ein bisschen hackeln als mit dem Bürgermeister unserer Stadt. Albert Pürgstaller wird beim nächsten Freitagsalon unser Gast sein. Er wird uns nicht nur über den Stand gewisser Vorhaben berichten, sondern auch über Ziele und Projekte, die der Gemeindeverwaltung vorschweben bzw. erst noch richtig auszuformulieren sind. In den letzten Jahren wurde ein Leitbild für Brixen entwickelt, ein Masterplan ausgearbeitet und z.Z. ist man dabei den Bauleitplan und den Landschaftsplan zu überarbeiten. Die Entwicklungsziele für unsere Gemeinde konkretisieren sich somit zusehends. Der Zeitpunkt ist deshalb absolut günstig für dieses Thema.

Interessant ist auch, dass wir genau zum sechsten Geburtstag des Freitagsalons den Bürgermeister das erste Mal in unserer Runde haben.

Freitagsalon Brixen Juli 2012: Soziales Netz – quo vadis

Das Sozialwesen war noch nie Thema beim Freitagsalon, was nicht bedeutet, dass die sozialen Anliegen bis jetzt völlig untergegangen sind, aber als eigentliches Thema haben wir noch nie darüber gesprochen. Vielleicht war mit ein Grund die Tatsache, dass bis heute die sozialen Absicherungen nicht in Frage gestellt waren. Wir nahmen sie als selbstverständlich hin, und kamen gar nicht auf die Idee, dass es vielleicht morgen schon zu Einschnitten kommen könnte.

Seitdem nun immer klarer wird, dass Finanz- und Wirtschaftskrise unser gesamtes Gesellschaftssystem erreichen wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass auch der Sozialbereich nicht völlig ungeschoren davonkommen wird, nur weiß bis heute niemand, wie weit er davon betroffen sein wird.

Es darf deshalb auch nicht weiter verwundern, wenn gerade in solchen Zeiten jene Stimmen wieder lauter werden, die immer schon unser soziales Netz als zu aufwendig und engmaschig betrachteten. Über dessen Finanzierbarkeit flammen nun neue Diskussionen auf. Auch bei unserem Diskussionsabend sind bereits in der Einführungsrunde Zweifel darüber und ganz generell Kritikpunkte an unserem sozialen Netz angesprochen und eventuell mögliche Alternativen und Auswege angedeutet worden.

Bevor wir uns aber voll in die Diskussion stürzten, hat unser geladener Gast noch viele Inputs für den Diskussionsabend geliefert. Elisabeth Thaler ist seit Jahren im Sozialwesen tätig und zwar bei der Bezirksgemeinschaft Eisacktal. Sie hat aber auch in den USA Berufserfahrungen gesammelt, dort allerdings im Schulbereich, was nicht heißen soll, dass sie nicht auch gleichzeitig Einiges über die sozialen Verhältnisse in diesem Land erfahren hat.

Als wichtigste Trends hierzulande zählte Elisabeth vor allem zwei auf:

  • Einerseits muss bei weiten Teilen der Bevölkerung (Anteil steigend) eine zunehmende Verknappung bei den zur Verfügung stehenden Mitteln festgestellt werden. Arbeiter und Angestellte kommen immer schlechter mit ihrem Einkommen aus. Dies betrifft auch zusehends Familien mit zwei Einkommen. Dabei ist dieser Trend nicht nur bei uns spürbar, sondern auch im Ausland.
  • Andererseits werden die Mittel, die der öffentlichen Hand für Sozialleistungen zur Verfügung stehen, immer spärlicher und es fällt immer schwerer die bisherigen sozialen Absicherungen zu gewährleisten. Dass die öffentliche Verwaltung zusehends stärker in Bedrängnis gerät, zeigt sich darin, dass es nicht gelungen ist, den Landessozialplan zu erneuern (es gilt nach wie vor jener der Jahre 2007 – 2009) oder z.B. auch in der Tatsache, dass das Budget des Behindertenzentrums Seeburg nicht mehr aufgestockt wurde, was in Wirklichkeit eine Reduzierung der Mittel bedeutet. Ganz allgemein kann deshalb angenommen werden, dass es in Zukunft schwieriger sein wird, Menschen in schwierigen Lebenslagen auffangen zu können.

Ein Weg, den die öffentliche Hand zusehends beschreitet, um diesen Entwicklungen zu begegnen, ist der der Auslagerung sozialer Dienstleistungen, und zwar vor allem an Genossenschaften, an verstärktem Bürgerengagement und Ehrenamt. Ob damit aber auch dieselbe Qualität der Dienste gewährleistet werden kann steht in den Sternen.

Von einigen Diskussionsteilnehmern wurden Initiativen in diese Richtung sehr stark befürwortet. Für sie ist das heutige Sozialsystem schlicht und einfach nicht auf Dauer finanzierbar. Sie sehen in einem aufgebauschten Sozialsystem vor allem politischen Opportunismus (Politiker, die sich damit ihre Stimmen sichern wollen). Dadurch wurden leider früher funktionierende soziale Netzwerke, aufbauend auf Verwandte, Bekannte und Freunde, immer mehr vernachlässigt; aber genau diese sollten wieder mehr gefördert und genutzt werden. Es wurde auch grundsätzlich in Frage gestellt, ob der Mensch überhaupt ein Recht auf soziale Betreuung hat.

Nicht alle in der Diskussionsrunde waren mit diesen Überlegungen einverstanden. Es herrschte zwar grundsätzliche Übereinstimmung darüber, dass die Hilfe durch Verwandte und andere nahe stehenden Personen, wieder mehr in Betracht gezogen und das diesbezügliche Potenzial besser genutzt werden sollte. Nicht alle möchten sich aber allein darauf verlassen. Was passiert z.B. mit all den Menschen, die nicht über ein derartiges Netz verfügen. Zu bedenken ist auch die Tatsache, dass die Familien heute viel kleiner sind, die Kleinsthaushalte zunehmen und die Bevölkerung immer älter wird. Eine soziale Absicherung auf dieser Schiene wird deshalb schon allein aus diesem Grund ein immer schwierigeres Unterfangen.

Die Berufung auf die Selbsthilfe wird vor allem bei den Besitzenden und Wohlhabenden geortet, bei Menschen, für die Grundsätze gelten, wie „jeder ist seines Glückes Schmied“ oder „wer sich nicht rechzeitig absichert, ist selber Schuld, wenn es schief geht“.

Diskutiert wurde weiters über die Aushöhlung der Arbeiterrechte und die schwindenden Gehälter. Seit den 80iger Jahren werden Arbeiter und Angestellte in ihren Rechten beschnitten. Die Lohnnebenkosten sind viel zu hoch, Das was auf dem Lohnzettel des Arbeiters verbleibt, ist zu wenig. Die arbeitende Bevölkerung gerät dadurch immer stärker in finanzielle und wirtschaftliche Bedrängnis. Wenn jemand lediglich 1.000 € für eine Vollzeitarbeit verdient und 700 € Miete für die Wohnung zahlen muss, dann ist das (bei allem Verständnis für Eigenverantwortung) nicht tragbar.

Es wäre höchste Zeit, die Lohnnebenkosten zu reduzieren; stattdessen sollten Vermögen, Kapitalerträge, produktiver Mehrwert und Ressourcen stärker besteuert werden.

Als weiteren Lösungsansatz für das Problem wurde die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommen erwähnt, womit eine Grundabsicherung garantiert werden soll.

Besonders achtzugeben ist auch darauf, dass Parallelstrukturen bei den Sozialdiensten aufgedeckt und abgeschafft werden.

Elisabeth Thaler hat dann noch einen kurzen Ausflug mit uns in die Vereinigten Staaten gemacht und deren Sozialsystem beleuchtet. Ihren Ausführungen zufolge scheint es doch nicht so im Argen zu liegen, wie dies bei uns vielfach angenommen wird. Sozialhilfe, Mietbeihilfe, Arbeitslosengeld, Arbeitseingliederungsprogramme, sozialen Wohnbau, Minimalpensionen gibt es auch dort, wenn auch vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie bei uns. Besondere Absicherungen werden für Mütter mit Kindern und schwangeren Frauen gewährleitstet. Auch die öffentliche Schule muss nicht unbedingt schlechter abschneiden als die private (hängt ganz davon ab, wie reich der Bundesstaat ist). Dennoch muss festgestellt werden, dass Armut in den Vereinigten Staaten stärker spürbar ist, als etwa in Europa und die soziale Schere noch weiter auseinander klafft, als bei uns.

Stichwort sozialer Ausgleich: Ganz allgemein ist zu sagen, dass der große und noch immer weiter zunehmende Unterschied zwischen Arm und Reich wohl der Hauptgrund für die heute stärker zu Tage tretenden sozialen Problemen sein wird. Wenn es nicht gelingt, die Reichtümer dieser Welt besser zu verteilen, wenn nicht verhindert wird, dass eine immer dünnere Schicht über einen immer größeren Anteil dieser Reichtümer verfügt, dann wird auch kein soziales Netz (egal ob von öffentlicher oder privater Hand) die Verarmung immer breiterer Bevölkerungsschichten aufhalten können.

Freitagsalon Brixen April 2012: Wie funktioniert das Haus der Solidarität?

Es mag ein Zufall sein, dass wir genau in jenem Monat das Haus für Solidarität als Thema hatten, als es sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Dennoch sei gerade aus diesem Grund der Einrichtung schon einmal vorweg eine Würdigung ausgesprochen. Den Verantwortlichen gebührt viel Lob und Anerkennung, für die Ausdauer und Hartnäckigkeit, die es sicherlich braucht, um dieses Haus am Leben zu halten, das ständig ums Überleben kämpfen muss. Dies vor allem auch, weil seit einigen Jahren klar ist, dass die derzeitige Bleibe (ex-Comboni-Missionshaus) schon bald verlassen werden muss, und für die Zukunft noch kein neues Gebäude, das auch für diesen Zweck geeignet wäre, mit hundertprozentiger Sicherheit zur Verfügung steht.

In der Einführungsrunde wurden zahlreiche Fragen gestellt über die Entstehung, das Funktionieren und die Zukunft des Hauses der Solidarität. Ein zentrales Thema stellte dabei der Begriff Solidarität dar und was er konkret in dieser Einrichtung bedeutet.

Dieses wichtige Thema, wurde von den geladenen Gästen, Karl Leiter und Miriam Zenorini ganz klar in den Mittelpunkt gestellt. Sie erklärten uns ausführlich, wie in diesem Haus versucht wird, Solidarität zu leben.

Zuvor schilderten sie uns aber noch dessen Entstehungsgeschichte:

Vor mittlerweile gut zehn Jahren fand in Brixen eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich zum Ziel setzten, eine Solidaritätseinrichtung zu schaffen. Von Anfang an war die OEW (Organisation für eine solidarische Welt) sehr stark an diesem Entwicklungsprozess beteiligt. Es sollte eine Einrichtung geschaffen werden, die nicht nur Menschen in gewissen Notlagen aufnimmt, sie sollte auch gleichzeitig mit der ehrenamtlichen Tätigkeit verschiedener Vereine im Sozial- und Umweltbereich verbunden sein. Die Ideen waren anfangs relativ vage. Es dauerte einige Zeit bis sich die Vorstellungen konkretisieren und erste Schritte gesetzt werden konnten.

Man hatte sich also mit einigen weiteren Vereinen zusammengetan und begab sich auf die Suche nach einem Haus. Es wurden sogar Inserate in Zeitungen aufgegeben mit der Nachfrage, ob jemand oder eine Institution ein Gebäude für diese Initiative zur Verfügung stellen könnte. Man wurde glatt fündig und zwar bei den Comboni-Missionaren in Milland. Vor allem Pater Bruno Haspinger setzte sich sehr stark für das Vorhaben ein; sogar ein zinsloses Startkapital wurde von Seiten der Comboni zur Verfügung gestellt. Dies war die Geburtsstunde vom Haus der Solidarität, nunmehr vor genau zehn Jahren.

Es war jene Zeit, in der ein Großteil ähnlicher Einrichtungen, die in den Jahren davor entstanden sind, bereits schon wieder dicht gemacht hatten. Eine derartige Einrichtung dauerhaft zu führen, ist ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Viele ähnliche Projekte scheiterten leider, sicher auch wegen mangelnder Unterstützung. Heute gibt es derartige Einrichtungen nur mehr vereinzelt. In Innsbruck besteht nach wie vor ein Haus, das ebenfalls Menschen in Notlagen aufnimmt, in dem aber keine weiteren Vereine eingebunden sind.

Die Initiatoren des Hauses der Solidarität wussten von dem Scheitern zahlreicher anderer Solidaritätsbewegungen und –einrichtungen Bescheid. Dennoch machten sie sich an die Arbeit. Es hat sich gelohnt. Das Haus der Solidarität gibt es nach wie vor und es erfreut sich großer Lebendigkeit.

Nun aber zur Schlüsselfrage: Was ist mit Solidarität gemeint? Grundsätzlich geht es ganz einfach um das Ziel, eine bessere Welt zu schaffen und das Leid der Sozial-Schwachen, Unterdrückten und Ausgeschlossenen zu vermindern. Es gab immer Menschen, es gibt sie immer noch und es wird sie immer geben, die Hilfe benötigen und auf Solidarität angewiesen sind. Das Ziel des HdS war es und ist es nach wie vor für diese Menschen wenigstens temporär eine Bleibe zu bieten (in Form einer Wohngemeinschaft) sie in ihrem Werdegang zu unterstützen und ihnen dabei behilflich zu sein, in unserer Gesellschaft wieder besser Fuß zu fassen.

Wie funktioniert diese Wohngemeinschaft? 40 – 50 Personen kann das Haus der Solidarität aufnehmen. Derzeit leben dort gut 40 Leute, die aus sechzehn verschiedenen Länder stammen und zwar aller Altersklassen (von einem 2 Monate alten Baby bis zu einem 72 jährigen Mann). Es handelt sich um klassische Obdachlose, um Haftentlassene, um Migranten, um Menschen mit psychischen Problemen, mit Suchtproblemen, aber auch solche ohne irgendwelche besonderen Probleme werden zeitweise beherbergt.

Bei der Aufnahme wird darauf geachtet, dass es sich bei den neuen Bewohnern des Hauses um Menschen handelt, die sich in diese Gemeinschaft einbinden können. Mitunter werden auch Leute abgelehnt. Im Grunde handelt es sich aber um eine Bauchentscheidung, ob jemand aufgenommen oder abgelehnt wird, weil die zur Verfügung stehenden Informationen nur eine solche zulassen. Ein Kriterium ist jedenfalls auch, dass es nicht zu einen Überhang kommt: z.B. dass zu viele vom selben Land im Hause sind oder zu viele Alkoholabhängige aufgenommen werden. Es wurde die Erfahrung gemacht, dass dies sich nicht günstig auf die hausinterne Dynamik auswirkt. Die Aufgenommenen können maximal ein Jahr im Haus bleiben. Bereits nach einem Monat wird überprüft, wie weit sich die neu Aufgenommenen in die Gemeinschaft einleben konnten bzw. welche Schwierigkeiten sich ergaben. Illegale können nicht aufgenommen werden, denn es wird jeder bei der Quästur angemeldet. Nur im Winter oder bei äußerst schlechten Wetterverhältnissen kann schon einmal jemand Einlass finden, ohne dass nach den Papieren gefragt wird, aber dann höchsten für einen Tag oder für eine Nacht. Unter den Hausinsassen ist immer auch ein gewisser Anteil Einheimischer dabei; darauf wird sehr viel Wert gelegt. Auf diesem Weg können schließlich auch Verbindungen zwischen Südtirolern und Migranten hergestellt werden.

Das Leben im Haus ist ein gemeinschaftliches. Es muss von den Nutzern des Hauses selbst geputzt und gekocht werden und das bedarf einer guten Organisation. Einige übernehmen z.B. das Kochen, die dann in der Regel für 20, maximal 25 Personen das Essen zubereiten (die zum gemeinsamen Essen kommen, müssen sich natürlich rechtzeitig anmelden). Dem Haus der Solidarität gelingt es, wenigstens z.T. die Lebensmittel gratis zu beziehen: der Lüsner Bäcker gibt das jeweils am Abend übrig gebliebene Brot dem Haus und über den so genannten Banco alimentare erhält es Produkte, die kurz vor dem Ablaufen des Verfallsdatums stehen.

Die Leute im Haus der Solidarität bezahlen in der Regel eine Miete, die nicht sehr hoch ist. Sie verfügen ja auch nicht über größere Finanzmittel. Sie beziehen Sozialhilfe oder eine geringes Gehalt, wenn sie einer Arbeit nachgehen. Keine Miete bezahlen normalerweise jene, die im Notschlaflager kurzfristig aufgenommen werden. Diese beteiligen sich dafür mehr bei den Arbeiten, die im Hause anfallen. Die Mieten sind die Haupteinnahmequelle des Hauses aber es gibt auch immer wieder Spenden, die sehr gerne angenommen und dringend gebraucht werden. Das Haus kann sich so selbst finanzieren; es hat noch nie um einen Beitrag bei einer öffentlichen Struktur angesucht. Es ist den Betreibern sehr wichtig, dass sich das Haus selbst erhalten kann.

Es braucht eine gute Organisation für den Ablauf des Gemeinschaftslebens im Haus. Dafür sind auch die Hausinsassen selbst zu einem erheblichen Teil zuständig, denn nicht alles können die Fixangestellten übernehmen. Besonders an den Wochenenden trifft dies zu, wenn die Fixangestellten nicht im Hause sind. Für diese Aufgaben braucht es Menschen, die stabil und nicht von persönlichen Problemen all zu sehr belastet sind.

Wie bereits erwähnt sind die Menschen, die im Haus der Solidarität leben, unterschiedlicher Herkunft. Daraus ergibt sich ein völlig interkulturelles Leben. Es ist natürlich nicht immer leicht, die unterschiedlichen Vorstellungen, die damit einhergehen, unter einen Hut zu bringen. Beim Essen z.B. können die verschiedenen Vorlieben bei Afrikanern, Südamerikanern und Asiaten schon mal sehr weit auseinander liegen. Auch vom Putzdienst haben nicht alle dieselben Vorstellungen: was für den einen bereits als geputzt und aufgeräumt gilt, erscheint einem anderen überhaupt nicht so.

Im Haus der Solidarität werden verschiedene Hilfestellungen angeboten; z.B. für jene die auf Arbeitssuche sind oder Kurse besuchen möchten. Mit jenen die keiner Arbeit nachgehen, werden regelmäßig eigene Gespräche geführt, zusätzlich zu den normalen monatlichen Treffen. Mit Leuten aus der Wirtschaft, Vertretern der Sicherheitsorgane, der Quästur werden Kontakte geknüpft. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Hausinsassen langfristig wieder stabil in unser Gesellschaftssystem zu integrieren.

Eine besondere Kategorie stellen die Altenpflegerinnen dar, die vielfach aus dem Osten zu uns kommen. Wenn der Pflegefall stirbt stehen sie oft von einem Tag auf dem anderen vor dem Nichts da, ohne Arbeit, Essen und Unterkunft. Für diese Frauen stellt das Haus der Solidarität eine Übergangslösung dar, indem sie die Zeit bis sie einen nächsten Pflegefall übernehmen, dort verbringen können. Im HdS hat sich auf diesem Wege ein richtiger Vermittlungsdienst entwickelt: es werden Listen geführt einerseits von Pflegerinnen, die ihre Dienste anbieten und andererseits von Menschen, die einen Pflegefall in ihrer Familie haben. Diese Vermittlungen laufen sehr gut.

So richtig bekannt geworden ist das Haus der Solidarität erst in jüngster Zeit durch seine Existenzfrage. Diese ergab sich daraus, dass die Comboni-Missionare es sich mittlerweile anders überlegt haben und den Wert des Gebäudes in Milland nutzen möchten. Über die finanziellen Mittel, ein Gebäude anzukaufen oder zu errichten, verfügt man im Haus der Solidarität nicht. Bestehende Gebäude, die für diesen Zweck in Frage kommen, gibt es nicht sehr viele. Ein Gebäude, das in letzter Zeit in die engere Wahl gezogen wurde, ist das Jakob Steiner Haus, das sich ebenfalls in Milland befindet, lediglich einen Steinwurf vom Missionshaus entfernt, wo heute das HdS untergebracht ist. Es bedarf allerdings einiger Umbauarbeiten und Adaptierungen, damit es als Haus der Solidarität verwendet werden kann.

Bleibt zu hoffen, dass die Unterkunftsfrage für diese Einrichtung möglichst bald und zufrieden stellend gelöst und dass deren Bekanntheitsgrad wieder mehr auf andere Gründe zurückgeführt werden kann: auf deren ureigenen Funktion der Soliodarität sowie als Begegnungsstätte der Kulturen. Die jährlichen Zugluft-Feste, die interkulturellen Abendessen jeweils am ersten Freitag des Monats stehen unter diesem Zeichen. Für die Zukunft sind einige weitere Initiativen geplant. Ein Kostnix-Laden soll demnächst in Brixen unter den Lauben eröffnet werden und auch ein Bücherflohmarkt wird angedacht. Die Einrichtung einer Bar oder eines Cafes als interkulturelle Begegnungsstätte konnte bis heute nicht geschaffen werden. Ein solches Unterfangen ist mit erheblichen bürokratischen und organisatorischen Schwierigkeiten verbunden und deshalb nicht so leicht zu realisieren. Die Diskussionsteilnehmer wiesen allerdings gerade auf die Bedeutung solche Orte hin, die Gelegenheiten unverbindlicher Begegnung ermöglichen, außerhalb der eigens für diesen Zweck organisierten Veranstaltungen.