Archiv für die Kategorie “Natur & Umwelt”

Italien hat es wieder mal geschafft, all die tragischen Momente der letzten Monate in Fukushima in einem Glanzstück der Narretei kulminieren zu lassen. Mehr als 20 Jahre nach dem per landesweiter Volksabstimmung festgelegten Atomausstieg hat die Regierung Berlusconi in einer Serie von Gesetztesdekreten und Gesetzen eine “nationale Nuklearstrategie” losgetreten, deren Ziel es sein sollte, passende Orte für Reaktoren, Wiederaufbereitungsanlagen und Endlager festzulegen. Bis heute sind die gesetzten Handlungen aber auf das Gründen der “Agentur für nukleare Sicherheit” beschränkt geblieben, deren Vorsitzender der Onkologe und Senator Umberto Veronesi ist. Umweltbewewgungen und Opposition haben daraufhin ein Referendum auf die Beine gestellt, welches ein 2. Mal eine Abkehr von der Nuklearenergie zum Thema hatte.

Doch dann kam das Erdbeben in Japan. Sogar die sonst im ausgesprochen moderatem Ausmaß selbstkritische Berlusconi-Regierung konnte die entsetzten Reaktionen in Europa nicht verkennen. Was tun, sprach das Huhn, sorry, der Hahn:

Italienische Führerpersönlichkeiten

“Das ist wie Fußball. Regierung gegen Opposition, jeder auf seinem Spielfeld, Ziel ist das gegnerische Tor. Nur ist jetzt blöderweise unser Fanblock geschrumpft, jener des Gegners schwingt Fahnen mit Totenköpfen. Wenn wir nun einfach vom Platz gehen, kann das Spiel später doch noch gewonnen werden.”

Man kündigte an, den Wiedereinstieg einfach per Gesetztesdekret auf Eis zu legen und leitete den Wind in den Segeln in eine unschädliche Richtung. Zunächst mal waren alle verdattert und schon wurde erstmals in der Geschichte der italienischen Politik von einem Konsens zwischen beiden Regierungslagern gesprochen. Dass sich die “Abkehr” in einem einjährigem Atommoratorium manifestierte, brachte dann doch Klarheit. Das Referendum solllte gekippt werden, da es nun wegen Fukushima doch sehr gute Aussichten auf Erfolg hatte. Das üble Täuschungsmanöver ward nun offensichtlich, und Berlusconi reichte einen Antrag auf Aussetzung des Nuklear-Referendums ein: Warum das Volk befragen, wenn er doch das Volk ist? Die ungeliebten, weil nicht vom Volk gewählten Richter sahen das anders: Sowohl vor dem Kassationsgericht in Rom als auch dem rasch noch angerufenen Verfassungsgericht blieb sein Ruf ungehört.

Die Themen der Referenden sind bereits ausführlichst behandelt worden. Aber unabhängig von der politischen Gesinnung, der eigenen Einstellung zur Sinnhaftigkeit der nuklearen Renessance, zur Liberalisierung der Wasserversorgung oder gar zu den “Untouchables” in ihren Palästen im fernen Rom ist es ganz einfach Bürgerpflicht, zur Wahl zu gehen und Präsenz zu zeigen.

In diesem Sinne gilt wohl heute und morgen wie noch niemals zuvor:

Chi non vota è un idiota!

Also, all Ihr knapp 50.000.000 wahlberechtigten LandsmännInnen im In- und Ausland, wählt, was Ihr wollt, aber wählt!

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Ein harmloser Versuch hätte es vor 25 Jahren werden sollen, um den Nachweis zu erbringen, dass nach einer Reaktorabschaltung wegen Stromausfall eine ausreichende Stromversorgung immer noch gewährleistet ist. Anatoli Stepanowitsch Djatlow ging als Versuchsleiter aber mit dem Kopf durch die Wand. Der betroffene Reaktor vom Typ RBMK-1000 mit seinem stark positiven Void-Koeffizienten wurde in einem unzulässig niedrigen Leistungsbereich betrieben, nachdem während des Versuches schwerwiegende Verstöße gegen geltende Sicherheitsvorschriften erfolgten.

Von den insgesamt 600.000 bis 800.000 im Einsatz befindlichen Aufräumarbeitern (Liquidatoren) waren 400.000 offiziell registriert und erhielten für Ihre Dienste die Liquidator-Medaille:

Liqudiator-Medaille

Laut WHO-Bericht von 2006 sind dem Tschnernobyl-Unfall weniger als 50 unmittelbare Todesopfer geschuldet. Andere Schätzungen liegen um einen Faktor 1.000 höher. Empfehlenswert und ausdrucksstark sind in diesem Zusammenhang die Foto-Essays von Paul Fusco.

Die Auswirkungen des Supergaus waren in ganz Europa messbar und sind heute noch spürbar.

Passend zum 25. Jahrestag hat die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) eine Tschernobyl-Themenseite online gestellt, welche umfassende Informationen zum Unglücksfall bietet.

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Die letzten Tage nach dem Erdbeben in Japan und der Havarie im AKW Fukushima haben weltweit zahlreichen Menschen sorgenvolle Tage bereitet. Die Unklarheit ist nach wie vor groß, nur zu gerne wird Angst geschürt und Panikmache vor objektive Information gestellt.

Jörg Rings von Science Blogs hat sich schon bei Zeiten die Mühe gemacht, seriöse Quellen zu listen und weißt jüngst auf eine Infografik von xkcd hin, die an dieser Stelle nicht vorenthalten werden soll:

Strahlenbelastung im Vergleich

Das Diagramm zeigt Äquivalentdosen in Sievert (Sv), Milli-Sievert (mSv) und Mikro-Sievert (μSv), also die vom Körper aufgenommene Energiedosis durch Strahlung multipliziert mit einem Strahlungswichtungsfaktor.

Ein paar der gelisteten Werte sind im folgenden aufgeführt:

0,05 μSv Neben jemandem schlafen.
0,09 μSv 1 Jahr lang innnerhalb 80 km um ein Atomkraftwerk leben.
0,1 μSv 1 Banane essen.
0,3 μSv 1 Jahr lang innnerhalb 80 km um ein Kohlekraftwerk leben.
1,0 μSv Röntgen des Arms.
1,0 μSv Einen CRT-Monitor 1 Jahr lang benutzen.
1,2 μSv 1 Jahr lang in einer Gegend mit erhöhter Untergrundstrahlung leben.
3,5 μSv Innerhalb eines Tages aufgenommene Extra-Dosis in einer durchschnittlichen Stadt in der Nähe von Fukushima.
5,0 μSv Zahn- oder Hand-Röntgen.
10 μSv Pro Tag aufgenommene durchschnittliche Untergrund-Dosis.
20 μSv Brust-Röntgen.
30 μSv Jährliche Ziel-Belastung durch ein Kernkraftwerk (.U.S. Environmental Protection Agency (EPA)).
70 μSv 1 Jahr lang in einem Gebäude aus festen Baustoffen leben.
80 μSv Durchschnittliche Totalbelastung für einen Anwohner des Thre-Mile-Island-Unfalls innerhalb 16 km.
250 μSv Maximale zulässige jährliche Belastung durch ein Kernkraftwerk (.U.S. Environmental Protection Agency (EPA)).
390 μSv Jährliche Belastung durch körpereigenes natürliches Kalium.
1.000 μSv (1 mSv) Maximale zulässige jährliche Belastung für ein Einzelindividuum (.U.S. Environmental Protection Agency (EPA)).
1.000 μSv (1 mSv) Maximale externe Belastung durch den Thre-Mile-Island-Unfall.
3.000 μSv (3 mSv) 1 Mammographie.
3.600 μSv (3,6 mSv) 1-Tages-Dosis an 2 Orten 50 km NW von Fukushima am 16.03.2011 und 17.02.2011.
3.650 μSv (3,65 mSv) Normale jährliche Hintergrundosis. 85% davon stammen aus natürlichen Quellen, der Rest ist medizinisch bedingt.
5.800 μSv (5,8 mSv) CT-Scan der Brust.
6.000 μSv (6,0 mSv) Stundendosis am Boden in der Umgebung des Tschernobyl-Kraftwerks 2010.
50.000 μSv (50,0 mSv) Jährlich zulässige Maximaldosis für US-Strahlenpersonal.
100,0 mS Niedrigste Jahresdosis, die klar mit erhöhtem Krebsrisiko verbunden werden kann.
400,0 mS Symptome einer Strahlenvergiftung, wenn innerhalb kurzer Zeit aufgenommen.
2.000 mS (2 Sv) Schwere Strahlenvergiftung, in einigen Fällen tödlich.
4.000 mS (4 Sv) Extrem schwere Strahlenvergiftung, Überleben in einigen Fällen durch schnelle Behandlung möglich.
8.000 mS (8 Sv) Tödliche Dosis, selbst bei medizinischer Behandlung.

Schaut man sich die aktuellen Strahlungswerte in Südtirol der Landesagentur für Umwelt an, fällt der gelbe Bereich mit “erhöhten Werten” ab 0,25 μSv/h auf:

Abzock-Domain Fukushima2011.com

Aktuell muss man nicht mal 2 Bananen essen und befindet sich schon in diesem Bereich.

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Besonders zur Winterzeit quellen die Wartesäle der Arztpraxen und Krankenhäuser über vor wartenden Patienten, die ungeduldig die spärliche und lieblose Auswahl an Zeitschriften durchwühlen und sich irgendwann frustriert mit dem Handy beschäftigen, in die Luft starren, den Nachbarn mit Belanglosigkeiten überhäufen oder mit dem mageren Angebot an Lesestoff Vorlieb nehmen.

Auf den Missstand angesprochen verweisen viele Verantwortliche auf die hohen Kosten, die das konstante Besorgen von Frauenlesestoff wie “Anna”, “Bella”, “Bild der Frau”, “Brigitte”, “Burda Style”, “Cosmopolitan”, “Elle”, “Elle Decoration”, “Emma”, “Frau im Leben”, “Freundin”, “Für Sie”, “Glamour”, “InStyle”, “Joy”, “Lena”, “Lisa”, “Madame”, “Maxi”, “myself”, “Petra”, “Plus”, “Sabrina”, “Shape”, “Tina”, “Vital”, “Vogue”, “Bunte”, “Das Goldene Blatt”, “Das Neue”, “Das Neue Blatt”, “Die Aktuelle”, “Die neue Frau”, “Echo der Frau”, “Frau Aktuell”, “Frau im Spiegel”, “Frau mit Herz”, “Freizeit Revue”, “Gala”, “Heim und Welt”, “in – Das Star-Magazin”, “InTouch”, “Lea”, “Life & Style”, “Neue Post”, “Neue Welt”, “Neue Woche”, “Sieben Tage”, “Super Illu”, “Woche der Frau” oder Männermaterial wie “Coupe”, “GQ”, “Auto Bild”, “Auto Motor und Sport”, “Auto Zeitung” oder “PS” verursachen würde. Interessanterweise sind dann die lokalen Bildungsschleudern “Die Südtirolerin” und “in Südtirol” doch recht konstant vertreten.

Wenn nun ein Friseursalon für seine Kunden keinen Bildungsauftrag verspürt, kann man das ja hinnehmen, möchte man doch einem heißgeföhnten Gehirn nur Leichtes und Bekömmliches zumuten. Für öffentliche Wartesäle in den Sanitätsbetrieben und in Arztpraxen ist diese Einstellung aber absolut nicht zu verstehen.

Um dem Kostenargument den Wind aus den Segeln zu nehmen, sei an dieser Stelle eine Auflistung von deutschen kostenlosen wissenschaftlichen und technischen Zeitschriften genannt, welche dem entsprechenden Blog-Artikel von Florian Freistetter entnommen ist:

  • Forschungsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft
  • research.eu, das Magazin des Europäischen Forschungsraums
  • GENOMXPRESS, das Magazin verschiedener Genomforschungsnetzwerke
  • weiter.vorn, das Magazin der Fraunhofer-Gesellschaft
  • Maßstäbe der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt
  • DLR-Magazin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
  • Einblick des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg

Kostenlose naturwissenschaftliche und technische Zeitschriften

Also all ihr Ärzte da draußen, ihr Schwestern, ihr Friseusen und Einkauf-Spezialisten, tut etwas für die naturwissenschaftlich-technische Bildung des Landes, es ist kostenlos und wirkt garantiert!

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Es wurde schon vor einiger Zeit erkannt, dass viele der Naturkonstanten ein biophiles Finetuning aufweisen und damit Leben oder gar das Entstehen eines Beobachters im Universum favorisieren.
Eine Erklärung für diesen Befund wäre etwa das rein zufällige Auftreten der physikalischen Konstanten in der aktuell vorliegenden Konfiguration.
Einen befriedigeren Ansatz liefert der Umweg über ein noch zu entdeckendes Naturgesetz, welcher die Konstanten passend konfiguriert. Ein weiteres Erklärungskonzept bringt das Multiversum mit beinahe beliebigen Einzeluniversen ins Spiel, welche dann auch in jeder denkbaren Konfiguration vorliegen. Basierend auf dem Schwachen Anthropischen Prinzip musste dann genau jenes Universum Beobachter hervorbringen, welches biophil ist.
Die vierte mögliche Erklärung führt ein übergeordnetes “Prinzip” ins Spiel, welches die Feineinstellung der Konstanten in Bezug auf die Maximierung der Biophilie vornimmt. An dieser Stelle wird oft ein höheres, omnipotentes Wesen zitiert, das eine Optimierung der Physik des Universums für die Entstehung von Leben durchführt.

Der erste Erklärungs-Kandidat ist wohl schwer zu widerlegen oder zu beweisen, außer jemand fände starke Hinweise für die anderen Ansätze. Die Variante mit dem noch zu entdeckenden Naturgesetz steht und fällt mit der Feststellung eines passenden Kandidaten. Option drei scheint elegant, ist aber wegen der bislang unmöglichen Zugangs zu anderen Universen nicht weiter einzugrenzen. Einzig für die vierte Variante mit dem kosmischen Zensor und seinem biophilen Prinzip glaubt Don N. Page vom Department of Physics der University of Alberta ein Gegenindiz gefunden zu haben (arXiv:1101.2444v1).

Michelangelos Hand Gottes

In seinem Paper versucht er zu widerlegen, dass die aktuelle Konfiguration der Naturkonstanten eine Maximierung der Baryonen zur Folge hat, welche Teil von lebenden Organismen werden. Seine Argumentation: Bei einer niedrigeren Kosmologischen Konstante würde das Kondensieren von Materie erleichtert, was sich wiederum in einer optimaleren Bildung von Galaxien und anderer Strukturen niederschlägt, welche dann eventuell lebende Sub-Strukturen ausbilden.

Interessant erscheinen vor allem Pages Ausführungen am Ende seiner Arbeit:

It could be taken as negative evidence for theists who expect God to fine tune the constants of physics optimally for life. However, for other theists, such as myself, it may simply support the hypothesis that God might prefer a multiverse as the most elegant way to create life and the other purposes He has for His Creation.

Das Paper könnte als negative Evidenz für Theisten dienen, welche erwarten, dass Gott für physikalische Konstanten zur Entstehung von Leben eine Feineinstellung vorgenommen hat. Für andere Theisten, wie ich selber, könnte es einfach die Hypothese unterstützen, dass Gott das Multiversum als elegantesten Weg vorziehen könnte, um Leben zu schaffen und den Zwecken Seiner Schöpfung zu dienen.

Damit schlägt der Indizienbeweis gegen einen Gott eines einzelnen Universums in einen für einen Gott des Multiversums um.

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