Archiv für die Kategorie “Allgemein”
Der nächste Freitag-Salon findet am 28. Oktober 2011, um 21.00 Uhr statt und zwar treffen wir uns wieder im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock).
Das Thema lautet: „Grenzen der Medizin – Medizin ohne Grenzen“.
Dies war auch das Thema bei den Akademiegesprächen der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin im September dieses Jahres. Grundsatzfrage bei dieser Tagung war, ob es für die moderne Medizin angesichts der großen Fortschritte, die in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen wurden (Diagnostikverfahren, Therapien, modernste Technik, ausgezeichnete Sanitätsstrukturen, hoch spezialisierte Ärzteschaft) überhaupt noch Grenzen gibt und weiters, ob in gewissen Fällen bewusst Grenzen gezogen werden sollen. Soll alles medizinisch Machbare in jedem Fall zur Anwendung kommen? Auch in Hinblick auf die immer spärlicher werdenden Finanzmittel der öffentlichen Hand erhalten diese Fragen eine immer größere Aktualität und Brisanz.
Gast des Abends ist Adolf Engl, Hausarzt in Brixen und Vorsitzender des Vereins der Allgemeinmediziner in Südtirol.
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Die meisten von uns wünschen sich ein gesundes Leben, aber viele tun sich damit schwer. Der oder die eine isst all zu gern (zu viel, zu fett, zu viel Süßigkeiten, nicht regelmäßig), der oder die andere trinkt zu viel, raucht, hat zu wenig Bewegung oder schläft zu wenig. Die Liste der Sünden, die wir gegenüber unserer Gesundheit begehen, lässt sich noch um Einiges fortsetzen. Warum tun wir uns so schwer, auf unsere Gesundheit zu achten? Ist es der innere Schweinehund, ist es ein ungebremster Hedonismus, ist es nur einfach Faulheit oder mangelndes Wissen? Ja, es ließe sich noch eine lange Reihe von weiteren Gründen aufzählen.
Oft ist es erst der Beginn gewisser körperlicher Beschwerden und Gebrechen, die uns in die Bahnen eines achtsameren Lebensstils lenkt. Und da braucht es dann oft noch einen charismatischen Arzt, Heilpraktiker oder Gesundheitsguru, der imstande ist, uns einen gesünderen Lebenswandel zu empfehlen.
Sebastian Kneipp war so eine charismatische Figur. Er konnte Menschen heilen und sie davon überzeugen, dass nur ein ausgeglichener Lebensstil anhaltendes Wohlbefinden gewährleisten kann.
Helene Roschatt erklärte uns ausführlich die wichtigsten Säulen seiner Gesundheitslehre und der Kneippschen Weltordnung. Kneipp wirkte vor ca. 150 Jahren. Als Pfarrer war es ihm kein Leichtes, beide Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen. Von der Kirche wurde er angehalten, sich auf seine seelsorglichen Aufgaben zu konzentrieren. Die Ärzteschaft witterte in ihm bald eine gefährliche Konkurrenz, da seine Methoden Erfolg hatten und so den Ärzten Kunden entzogen wurden. Es half auch nichts, als man ihn in einen entlegenen Ort verbannte. Da er vielen, die mit gewissen Leiden zu ihm kamen, Genesung oder Linderung verschaffen konnte, waren der Zulauf und auch der Zuspruch für ihn aus der Bevölkerung sehr groß, so dass er sein medizinisches Wirken fortsetzen konnte. Sein Fall landete schließlich sogar beim Papst. Dieser – in Kenntnis gesetzt über die Erfolge der Kneippschen Gesundheitslehre – ließ ihn allerdings ebenfalls seine Tätigkeiten im medizinischen Bereich weiter ausüben. Interessant ist bei ihm auch seine soziale Ader. So war seine Tarifgestaltung für die Behandlungen sehr unterschiedlich und abgestimmt auf die Mittel, die jemand zur Verfügung hatte.
Kneipp hatte eine für seine Zeit eine relativ revolutionäre Auffassung von Gesundheit und Heilen. Er versuchte den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen. Sein ganzheitlicher Ansatz beruht auf fünf ineinander wirkende Prinzipien:
- Wasser
- Heilkräuter
- Ernährung
- Bewegung
- Lebensordnung
Im Mittelpunkt der Heilmethoden von Sebastian Kneipp steht das Wasser. Die Wasseranwendungen sind es auch, mit denen die breite Bevölkerungsschicht ihn in Verbindung bringt. Am bekanntesten ist das Wassertreten, das Kneippen, wie es nach ihm benannt wird. In der Kneippschen Heilslehre kommen aber noch zahlreiche weitere Methoden auf der Basis von Wasser vor. Im Folgenden die wichtigsten Anwendungen:
- Wassertreten (im kalten Wasser oder abwechselnd im kalten und warmen Wasser)
- Tauwandern
- Güsse (kalte und warme Wassergüsse auf bestimmte Körperteile)
- Bäder (Arm-, Fuß-, Halbkörper- oder Ganzkörperbäder, auch mit unterschiedlichen Temperaturen)
- Wickel (kalte, warme, abwechselnd kalte und warme)
- Bauchwaschen (eine besondere Methode gegen die Schlaflosigkeit: mit einem nassen, kalten Tuch reibt man sich zehnmal im Uhrzeigersinn den Bauch)
Wichtig ist, sofern es sich um kalte Anwendungen handelt, dass sich der Körper danach wieder möglichst rasch erwärmt; sonst könnte es kontraproduktiv sein.
Dazu muss gesagt werden dass, die meisten dieser Wassermethoden in der Zeit, als Kneipp wirkte bereits bekannt waren. Die Bäderkultur hatte sich bereits relativ weit entwickelt. Kneipps Verdienst war es, all diese Wasserkuren zusammenzutragen, sie systematisch zu ordnen, sie mit anderen Heilmethoden in Verbindung zu bringen und sie zu verbreiten. Er reiste viel, stets auf der Suche nach neuen Heilmethoden und immer bestrebt seine Erfahrungen weiterzugeben.
Das zweite Standbein der Kneippschen Gesundheitslehre sind die Kräuter. In dieser Hinsicht konnte Kneipp ebenfalls bereits auf einen großen, bereits vorhandenen Erfahrungsschatz zurückgreifen und es gelang auch bei diesen Heilmethoden die Systematik auszubauen; Ringelblume, Katzenschwanz, Frauenmantel, Johanniskraut um nur einige wichtige Heilpflanzen zu nennen und vor allem natürlich sein Lieblingskraut Arnika, das er sehr vielseitig einsetzte.
Zum Thema Bewegung – die dritte Säule dieser ganzheitlichen Gesundheitsphilosophie – ist folgende Aussage von Sebastian Kneipp bekannt: „Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet.“ So verordnete er seinen Patienten regelmäßiges Holzhacken und Dreschen. Bewegung steigert das Wohlbefinden nachhaltig und stärkt die Körperkräfte.
Bei seinen Ratschlägen zur Ernährung geht es primär um eine ausgewogene Kost und er plädiert für sehr viel Getreide, Gemüse, Obst und Milchprodukte. Auf jeden Fall sollte mehr von der Pflanze als vom Tier kommen. Kneipp hat sich bereits zu seiner Zeit ganz entschieden gegen das weiße Mehl, das damals immer mehr aufkam, ausgesprochen. Wichtig ist bewusst und regelmäßig zu essen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Es geht ihm aber nicht um Askese, der Genuss beim Essen darf nicht zu kurz kommen.
Zur Kneippschen Lebensordnung gehören schließlich noch eine ganze Reihe verschiedener Grundsätze, die alle mit gesundem Leben und Wohlbefinden zu tun haben. In der Folge eine kurze Aufstellung davon:
- Gesundes Wohnen ist wichtig. Dazu gehören Lüften, Kalken, Aufräumen, Sauberhalten usw.
- Ausreichend und regelmäßig Schlafen ist auch eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.
- Kinder sollen nicht den Beruf der Eltern erlernen, es ist deshalb wichtig bei der Berufswahl auf die eigentlichen Fähigkeiten und Eignungen der Kinder zu achten. Kneipp wird ein großes Herz für Kinder nachgesagt.
- Tiere sollen gut behandelt werden.
- Werte, wie Nächstenliebe, Großzügigkeit, Zufriedenheit, leben.
- Grundsätzlich die Ausgeglichenheit suchen und Stress vermeiden.
- An Gott glauben.
Heute feiert die Kneippsche Gesundheitslehre wieder eine gewisse Renaissance. In Deutschland kommen die verschiedenen Kneippvereine auf 600.000 eingeschriebene Mitglieder. In der Gesundheitserziehung in den Schulen finden deren Grundsätze Eingang. Auch Südtirol hat seinen Kneippverband. Die modernste Kneippanlage Südtirols befindet sich im Kurpark in Niederdorf und es gibt noch zahlreiche weitere Anlagen in verschiedenen Orten unseres Landes: Vahrn, Sand in Taufers, Ahrntal, Sarntal, Altrei, Sulden, Prissian, St. Felix. Wiesen, Meransen.
Ganz wichtig ist der präventive Ansatz bei dieser Gesundheitsphilosophie. Es geht darum durch die verschiedenen Anwendungen die Abwehrkräfte zu stärken, den Körper abzuhärten und bei Erkrankungen den natürlichen Heilungsprozess zu fördern.
In der Diskussion tauchte natürlich auch wieder, wie bei all diesen Themen, bei denen es um Alternativmedizin oder althergebrachten Behandlungsmethoden geht, die Frage auf, wie weit diese Heilungsmethoden wissenschaftlich abgedeckt sind. Dazu ist zu sagen, dass die Wirksamkeit einiger Anwendungen und Methoden mittlerweile sehr wohl wissenschaftlich nachgewiesen ist, allerdings nicht bei allen. Für die Verfechter der Kneippschen Lehre bedeutet dies allerdings noch lange nicht dass sie deshalb verworfen werden müssen. Wichtig ist, dass sie wirken, selbst wenn die Wirkung auf einen Placeboeffekt beruhen sollte. Ganz nach dem Motto „Wer heilt, hat recht.“ Schließlich wurde darauf verwiesen, dass selbst die Schulmedizin mit Placebos arbeitet, wie dies bei sehr vielen Antidepressiva der Fall ist. Weiters wird geschätzt, dass von den schulmedizinischen Methoden nur etwa 40 % wissenschaftlich belegt sind.
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Der arabische Frühling hat weltweit für großes Aufsehen gesorgt. Er hat uns auch in Erinnerung gerufen, dass viele arabische Länder von eisernen Diktatoren regiert worden sind bzw. nach wie vor werden. Dieser so genannte arabische Frühling scheint Auswirkungen auch auf den Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu haben. Bei den Teilnehmern der Diskussionsrunde stieß die gesamte Thematik auf ein großes und sehr lebendiges Interesse.
Georg Mischì berichtete uns, dass es mit Obama zu einem neuen Verhältnis zwischen den USA und der arabischen Welt gekommen ist. Obama befindet sich nicht mehr im Krieg mit den Arabern. Der Großteil der arabischen Bevölkerung kann schließlich nicht den fundamentalistischen Islamisten zugerechnet werden (in Ägypten z.B. liegt die Schätzung bei ca. 20 %). Nun scheint sich jene Schicht in den verschiedenen arabischen Ländern in den Vordergrund zu schieben, die gegen die Bevormundung durch die diktatorischen Regimes ankämpfen und vor allem um Verbesserungen der Lebensqualität bemüht sind. Große Teile der Jugend sind an den Aufständen beteiligt, denn in erster Linie sind es die jungen Menschen in diesen Ländern, die von einer ausgesprochenen Perspektivelosigkeit betroffen sind. In den Aufständen entlädt sich deren Wut.
Bei diesen Demonstrationen gibt es nicht die sonst üblichen Fahnenverbrennungen (vor allem der amerikanischen Fahne). Ein Beweis dafür, dass es sich eben nicht um Proteste gegen das Ausland handelt, sondern dass es sich um interne Konflikte geht. Amerika versucht diese Bewegungen zu unterstützen. Es geht darum, dass diese Kräfte in den einzelnen Ländern mitbestimmen und mitregieren, dass sie ihr Gewicht, das sie eigentlich haben, einbringen können.
Amerika also bemüht sich, alles zu tun, dass diese jungen Bewegungen nicht bereits im Keim von den jeweiligen Staatskräften erstickt werden. Dies führte soweit, dass sie in Libyen sogar von der Nato direkte militärische Unterstützung erhielten, nachdem Gaddafi, sie mit größter Härte und Waffengewalt niederkämpfen wollte und vor keiner Gräueltat zurückschreckte. Gaddafi will nämlich, im Gegensatz zu seinen Präsidentschaftskollegen in Tunesien und Ägypten nicht die Macht im Staat abgeben. Folge ist allerdings, dass die militärischen Auseinadersetzungen weiter anhalten und wohl wahrscheinlich noch lange andauern werden. Anders verhält es sich in Syrien, wo der Machthaber Assad ebenfalls nicht zurücktreten will, und deshalb auch die Protestbewegungen mit Gewalt niederschlägt. Mit einem Eingreifen von Seiten der Nato wird allerdings in Syrien im Gegensatz zu Libyen nicht zu rechnen sein. Eine Intervention in Syrien ist mit großen und unberechenbaren Gefahren verbunden. Assad ist in der arabischen Welt nicht so isoliert wie Gaddafi, d.h. die anderen arabischen Länder würden im Falle eines Fremdangriffs nicht umhinkommen, Syrien zu unterstützen, der Konflikt zwischen Israel und arabischer Welt würde eine neue Dimension erhalten und sogar ein nuklearer Kriegsakt könnte nicht völlig ausgeschlossen werden.
Es rumort allerdings auch in anderen Ländern, vor allem in Jemen und Bachrain. Hier ist es Saudi Arabien, das alles unternimmt, um die bestehenden Regimes zu unterstützen, damit sich diese halten. Die Saudis wissen nur all zu gut, was auf dem Spiel steht; in Saudi Arabien besteht nämlich eines der totalitärsten Staatsgebilde der arabischen Welt. Als sehr gefährlich sind Unruhen in Algerien einzuschätzen. Das Land hat mit großen sozialen Problemen zu kämpfen (große Arbeitslosigkeit), es agieren äußerst gegensätzliche politischen Kräfte, so dass zu befürchten ist, dass ein politischer Umsturz, dieses Land wohl für sehr lange Zeit nicht mehr zur Ruhe kommen ließe. In anderen gemäßigteren Ländern, wie Marokko oder Jordanien, wird mit politischen Reformen versucht, den Protestbewegungen entgegenzuwirken.
Was hat dies alles mit Israel zu tun? Sehr viel. Israel kommt durch diese neuen politischen Kräfteverhältnisse unter Druck. Es müsste eigentliche auf diese Entwicklungen reagieren. Was es aber nicht tut. Die Juden sind so stark in ihrem Status quo verstrickt, weshalb sie sich äußerst schwer tun, auf derartige Ereignisse eine passende Reaktion zu finden. Georg Mischì möchte allerdings vorausschicken, dass es schon sehr schwierig ist, die Israelis zu kritisieren, welche Politik sie auch immer vorantreiben (wie z.B ihre Siedlungspolitik). Nach fast weltweiter Verfolgung und Holocaust, ist der Westen (vor allem auch Deutschland) sehr bestrebt, dem noch jungen Judenstaat den Fortbestand zu garantieren.
In einer Zeit, in der sich so viel in der arabischen Welt bewegt, müsste allerdings auch Israel handeln. Vielleicht müsste Israel das eine oder andere Zugeständnis machen. Aber es fährt gleich weiter in seiner Politik. Gegenüber diesen neuen Kräften in der arabischen Welt wäre es angebracht, sich gesprächsbereit zu zeigen und nicht weiterhin die Schiene des Kalten Krieges fahren. Eine Schiene, die, solange der Judenstaat sich gegenüber radikalen islamischen Gottesstaaten behaupten muss, eine gewisse Zustimmung erhält. Aber wenn die arabischen Staaten in Demokratien oder ähnlichen Staatsgebilden mutieren, dann müssten auch die Positionen Israels sich verändern.
Die Situation in Israel-Palästina präsentiert sich äußerst vertrackt. Es ist ein Land, in dem es zwei Völker gibt, die beide dasselbe Land für sich beanspruchen. Die Israelis haben den Staat und das Recht auf ihrer Seite, die Palästinenser, denen dieses Recht vorenthalten ist, antworten mit Terror. Sie beanspruchen auch einen eigenen Staat. Damit haben die Juden zwar das Recht auf ihrer Seite, aber nicht den Frieden, den dieses ihnen garantieren sollte. Im Jahre 1947 ist den Israelis der Staat zuerkannt worden (Das Land haben sie bereits vor 90 Jahren von den Engländern erhalten). Auch den Palästinensern wurde im Jahre 1967 durch eine UNO-Resolution ein Staat angeboten, sie lehnten damals aber ab, weil sie die Existenz des Judenstaates nicht akzeptierten.
Die Palästinenser leben heute vor allem in folgenden Gebieten: West-Jordanland, Gazastreifen und Golan Höhen. Sie besitzen keine Staatsbürgerschaft und keinen Pass. Es gibt dann noch weitere Millionen Palästinenser verstreut in Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt und ca. 1-2 Millionen Palästinenser im eigentlichen Staat Israel, die auch eine Staatsbürgerschaft haben. Nun möchten sie ein eigenes Staatsgebilde in den drei genannten Gebieten. Das Problem ist allerdings, dass diese alle voneinander getrennt sind, dass auch in diesen Zonen die Juden eigene Siedlungen angelegt haben: in West-Jordanland leben ca. 300.000 Juden. Weiters bestehen beide, sowohl Israelis als auch Palästinenser, auf dieselbe Hauptstadt: Jerusalem.
Die Palästinenser arbeiten auf Zeit, ihr Trumpf ist die demographische Entwicklung. Sie sind den Israelis numerisch überlegen. Die Israelis hingegen haben die politische Macht, unterstützt von einer der bestausgerüsteten Armeen der Welt, die auch über die Atombombe verfügt. Sie sind gegen einen Palästinenserstaat oder würden ihn nur akzeptieren unter Bedingungen, die wiederum für die Palästinenser nie und nimmer annehmbar sind; nämlich:
- Der Palästinenserstaat muss entmilitarisiert sein.
- Die Grenzen sind vage zu halten, jedenfalls müssen die Siedlungen in den Palästinensergebieten weiterhin bestehen bleiben.
- Die Stadt Jerusalem kommt als Ganzes zu Israel.
Damit wird Israel weiterhin einen Palästinenserstaat verhindern. Zwei Drittel der UNO-Staaten würden nämlich auf jeden Fall Ja zu einem Palästinenserstaat sagen. Aber die USA und somit auch England sowie Frankreich, und mit Sicherheit auch Deutschland werden einen solchen Staat nur befürworten, wenn auch die Israelis dafür sind. Andererseits, einen einzigen Staat in dem Juden und Palästinenser vereint und mit denselben Rechten leben, akzeptieren die Israelis auch nicht: sie wären in einem solchen Saat nämlich in der Minderheit.
Die geschilderte Lage spiegelte nur z.T. die effektive Situation wieder, Juden sind nicht gleich Juden und Palästinenser sind nicht gleich Palästinenser. Die offizielle Politik der Israelis bestimmt die rechte, orthodoxe Gruppe. Eine andere fortschrittliche Schicht von Juden, die vor allem in Tel Aviv lebt, interessiert dieser Konflikt kaum. Auch bei den Palästinensern gibt es radikale und weniger radikale Gruppen, die auch ganz unterschiedliche Verhandlungspositionen einnehmen. Die radikalen Fatahs leben vor allem im Gaza Streifen, die gemäßigten Hamas in West-Jordanland und die Hisbollah auf den Golan Höhen.
In der Diskussion konnten zwei unterschiedliche Positionen betreffend die Lösbarkeit des Problems festgestellt werden: Eine Seite vertrat die Meinung, dass dieser Konflikt nicht lösbar sei und eine Verschärfung wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Krieg mit nicht absehbaren Folgen und Verstrickungen führen. Andere hingegen konnten sich durchwegs auch bessere Lösungen vorstellen als die Situation, die sich heute präsentiert, die für die Palästinenser auf Dauer nicht annehmbar ist. Vor allem bei geänderten Machtverhältnissen auf der Welt, insbesondere auch in den arabischen Ländern, können neue Herangehensweisen an die Problematik eine Chance bekommen.
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Italien hat es wieder mal geschafft, all die tragischen Momente der letzten Monate in Fukushima in einem Glanzstück der Narretei kulminieren zu lassen. Mehr als 20 Jahre nach dem per landesweiter Volksabstimmung festgelegten Atomausstieg hat die Regierung Berlusconi in einer Serie von Gesetztesdekreten und Gesetzen eine “nationale Nuklearstrategie” losgetreten, deren Ziel es sein sollte, passende Orte für Reaktoren, Wiederaufbereitungsanlagen und Endlager festzulegen. Bis heute sind die gesetzten Handlungen aber auf das Gründen der “Agentur für nukleare Sicherheit” beschränkt geblieben, deren Vorsitzender der Onkologe und Senator Umberto Veronesi ist. Umweltbewewgungen und Opposition haben daraufhin ein Referendum auf die Beine gestellt, welches ein 2. Mal eine Abkehr von der Nuklearenergie zum Thema hatte.
Doch dann kam das Erdbeben in Japan. Sogar die sonst im ausgesprochen moderatem Ausmaß selbstkritische Berlusconi-Regierung konnte die entsetzten Reaktionen in Europa nicht verkennen. Was tun, sprach das Huhn, sorry, der Hahn:

“Das ist wie Fußball. Regierung gegen Opposition, jeder auf seinem Spielfeld, Ziel ist das gegnerische Tor. Nur ist jetzt blöderweise unser Fanblock geschrumpft, jener des Gegners schwingt Fahnen mit Totenköpfen. Wenn wir nun einfach vom Platz gehen, kann das Spiel später doch noch gewonnen werden.”
Man kündigte an, den Wiedereinstieg einfach per Gesetztesdekret auf Eis zu legen und leitete den Wind in den Segeln in eine unschädliche Richtung. Zunächst mal waren alle verdattert und schon wurde erstmals in der Geschichte der italienischen Politik von einem Konsens zwischen beiden Regierungslagern gesprochen. Dass sich die “Abkehr” in einem einjährigem Atommoratorium manifestierte, brachte dann doch Klarheit. Das Referendum solllte gekippt werden, da es nun wegen Fukushima doch sehr gute Aussichten auf Erfolg hatte. Das üble Täuschungsmanöver ward nun offensichtlich, und Berlusconi reichte einen Antrag auf Aussetzung des Nuklear-Referendums ein: Warum das Volk befragen, wenn er doch das Volk ist? Die ungeliebten, weil nicht vom Volk gewählten Richter sahen das anders: Sowohl vor dem Kassationsgericht in Rom als auch dem rasch noch angerufenen Verfassungsgericht blieb sein Ruf ungehört.
Die Themen der Referenden sind bereits ausführlichst behandelt worden. Aber unabhängig von der politischen Gesinnung, der eigenen Einstellung zur Sinnhaftigkeit der nuklearen Renessance, zur Liberalisierung der Wasserversorgung oder gar zu den “Untouchables” in ihren Palästen im fernen Rom ist es ganz einfach Bürgerpflicht, zur Wahl zu gehen und Präsenz zu zeigen.
In diesem Sinne gilt wohl heute und morgen wie noch niemals zuvor:
Chi non vota è un idiota!
Also, all Ihr knapp 50.000.000 wahlberechtigten LandsmännInnen im In- und Ausland, wählt, was Ihr wollt, aber wählt!
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Die letzten 6 Tage haben die Welt in Atem gehalten, zahllose Menschen bangen und hoffen mit den Bettroffenen in Japan. Es finden sich aber immer wieder Zeitgenossen, die selbst die größte Hoffnungslosigkeit und Not für ihren eigenen Profit ausnutzen und dabei auch noch unverschämt werden. Die Zeit schreibt in ihrem News-Blog von heute um 13:01 Uhr:
Schon erstaunlich, mit welcher Schamlosigkeit einzelne Menschen jetzt versuchen, aus der Katastrophe in Fukushima ein schnelles Geschäft zu machen. Soeben erreicht uns eine E-Mail, in der die Domain www.fukushima2011.com meistbietend zum Verkauf angeboten wird. Ein Herr Lungauer aus Deutschland schreibt: “Ergreifen Sie noch heute diese einmalige Möglichkeit, eine eigene Domain für dieses besondere Thema zu besitzen. Ein Thema, welches die Menschheit, weltweit, noch Wochen, Monate und Jahre, beschäftigen wird.” Der Herr wünscht sich für die Domain 250.000 Euro und hat sein Angebot an viele deutsche Medienunternehmen geschickt. (wb)
Bald darauf hat Herr Gabriel Christian Lungauer sein Begleitschreiben zur Domain Fukushima2011.com adaptiert und verspricht 50% des Verkaufserlöses den Erdbebenopfern in Japan. Mit der anderen Hälfte will er eine Firma gründen, von deren “Gewinn” dann wieder Spenden finanziert werden sollen. Mittlerweile hat er diese steuerrechtlich unsinnige Variante nochmals entschärft und macht gar keine Aussagen mehr zu seinem Vorhaben:

Die Reihe der Trittbrettfahrer wird länger und länger, etliche Nachahmer sind auf den Plan getreten und wollen ein Stück des Kuchens.
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