Der nächste Freitag-Salon findet am 27. April 2012, um 21.00 Uhr im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock) statt.

Das Thema lautet: „Wie funktioniert das Haus der Solidarität“

Das Haus der Solidarität ist nicht gerade eine alltägliche Einrichtung, die man in jedem x-beliebigen Ort findet.

Warum ist gerade in Brixen eine solche Einrichtung entstanden? Gibt es auch in anderen Ortschaften ähnliche Angebote? Sollte das Brixner Projekt Schule machen?

Wichtig wäre aber auch, dass die Brixner das Haus der Solidarität besser kennenlernen. Wir versuchen es jedenfalls bei unserem Freitagsalon-Treffen in dieser Woche. Nur was man kennt, kann man unterstützen und Unterstützung hätte das Haus zur Zeit dringend notwendig. Wenn die Suche nämlich nach einer passenden neuen Bleibe nicht erfolgreich verläuft, schaut die Zukunft dieser Einrichtung trüb aus.

Mit all unseren Fragen, Zweifel, Unklarheiten aber möglicherweise auch Kritiken können wir uns am Freitag an Karl Leiter und Miriam Zenorini wenden, die beide im Haus der Solidarität hauptamtlich beschäftigt sind..

 

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Sport begeistert zwar einerseits zahlreiche Gemüter, andererseits gibt es aber auch viele Menschen, für die Sport keinerlei Bedeutung hat und deshalb dafür wohl auch kaum ein Interesse dafür aufbringen. Ich hatte deshalb schon ein paar Zweifel, ob Sport ein abendfüllendes Thema für unsere Diskussionsrunde sein kann. Meine Zweifel wurden nicht bestätigt, im Gegenteil, das Thema bescherte uns einen besonders lebendigen Diskussionsabend, der uns aufzeigte, wie vielschichtig die Thematik rund um den Sportbetrieb ist und wie tief der Sport unser Gesellschaftssystem durchdringt. So mancher, der sich denkt, damit habe er ganz sicher gar nichts zu tun, kann von heute auf morgen plötzlich eines ganz anderen belehrt werden.

Mit Peter Perez haben wir sicherlich keinen klassischen Sportfunktionär zu unserem Treffen eingeladen, aber dennoch jemanden, der einen guten Einblick in das Sportgeschehen hat und zwar nicht nur aus der Warte eines passiven Zuschauers und Beobachters, sondern auch als jemand, der mitten im Sportgeschehen steht. Er ist selbst kein aktiver Leistungssportler und war es auch nie, kriegte aber als Bruder von Bibiana Perez, für die er auch zeitweise die PR-Arbeit leistete, Einiges von der Welt des Sports mit, vor allem auch wie das Leben einer Leistungssportlerin aussieht. Bibiana Perez konnte immerhin einige stolze Ergebnisse im alpinen Skiweltcup erzielen. Insgesamt sechsmal fuhr sie aufs Podest, darunter gab es auch einen ersten Platz in der Kombination.

Heute ist Peter über den Damenfußball mit dem Sport verbunden. Er ist als Pressesprecher für die PR-Arbeit des Damenfußballvereines CF SÜDTIROL VINTL DAMEN zuständig, nachdem er mehrere Jahre auch dessen Vizepräsident war.

Der Damenfußball ist eine Sportwelt für sich und hat nicht viel mit dem Herrenfußball zu tun; man kann sie fast als zwei verschiedene Sportarten betrachten. Frauen spielen wesentlich langsamer, aber eleganter. Das kraftvolle Spiel der Männer wirkt völlig anders. Eine Frauenmannschaft wird gegen eine Männermannschaft kaum eine Chance haben. Auch ein Erstligist in der nationalen Frauenfußballmeisterschaft wird mit großer Wahrscheinlichkeit gegen eine Herrenmannschaft einer Amateurliga kaum eine Chance haben. So mancher eingefleischter Fußballfan, der gewohnt ist Herrenfußball zu sehen, wird möglicherweise Damenfußball gar nicht schön und interessant finden. Die Zuschauerzahlen bei den Spielen halten sich in Grenzen und eine Profiwelt (wie dies bei den Männern schon ab der zweiten Division zutrifft) gibt es beim Damenfußball so gut wie nicht (jedenfalls bis heute nicht, wobei gesagt werden muss, dass es sich um eine sehr junge Disziplin handelt). Was Peter noch beobachtet hat, ist, dass bei uns der Stellenwert der Frau ein höheres Niveau erreicht hat als im restlichen Italien. Nichtsdestotrotz muss gesagt werden, dass auf rein sportlicher Ebene der Frauenfußball in den norditalienischen Metropolen weiter entwickelt ist als in Südtirol (diesen Mannschaften stehen einfach mehr Mittel zur Verfügung als bei uns). Der CF SÜDTIROL VINTL DAMEN ist leider nach einer Saison in der ersten nationalen Liga wieder in die zweite Liga abgestiegen.

Wieso spielen Frauen überhaupt Fußball?

Peter ist überzeugt, dass das Spielen mit einem Ball etwas ganz Natürliches ist. Buben wie Mädchen können daran Freude finden. Wenn man einem Kind  einen Ball gibt, wird es sich damit zu unterhalten wissen (egal ob Mädchen oder Bub), wenn auch vielleicht nicht ganz auf derselben Art und Weise.

Für Peter steht der soziale, pädagogische und ganz allgemein der gesellschaftliche Aspekt beim Sport im Vordergrund. Mannschaftssportarten spielen diesbezüglich eine besonders wichtige Rolle. Es kann dadurch das Gemeinschaftsleben und ganz allgemein das soziale Verhalten gefördert werden. Sport dient der Vorbeugung Bezug auf Gewalt gegen Frauen und trägt mit dazu bei dem Alkoholproblem, das bei gewissen Gruppen von Jugendlichen und in zunehmendem Maße auch bei Mädchen ein gewisses Problem darstellt, Herr zu werden.

Es gab in diesem Zusammenhang aber auch einige kritische Bemerkungen von Seiten der Diskussionsteilnehmer. Unter gewissen Umständen kann es passieren, dass gerade bei Sportgruppen sich die Gewohnheit, Alkohol zu trinken, einschleicht und durch die Gruppendynamik noch verstärkt wird. Die Regel wird es aber wohl nicht sein, denn wer Leistungen im Sport erbringen will, kann es sich wahrscheinlich nicht leisten, regelmäßig tief ins Glas zu schauen.

Für die persönliche Entwicklung, auf die der Sport einwirken kann, sind noch eine Reihe anderer Aspekte anzuführen. Z.B. lernen Kinder, durch die regelmäßige Ausübung einer Sportart, sich für etwas durchzukämpfen, auf andere Dinge zu verzichten, um ein sportliches Ziel zu erreichen, sowie ganz allgemein zielgerichtet und strebsam zu sein. Im Leistungssport werden allerdings einige dieser positiven Eigenschaften auf die Spitze getrieben und die sportliche Tätigkeit selbst kann geradezu Suchtcharakter erhalten. Dies ist wohl der Grund, warum so mancher erfolgreicher Leistungssportler (z.B. Ex-Skirennläufer Peter Runggaldier) seinen Kindern nicht empfiehlt, diese Laufbahn einzuschlagen.

Sport ist auch oft mit Niederlagen verbunden, deshalb wird eine weitere Tugend herausgefordert, nämlich die Fähigkeit verlieren zu können.

Schließlich kann Sport einen wichtigen und interessanten Ausgleich anbieten für den Stress, den leider auch in zunehmendem Maße Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind durch Schule und verschiedene andere Verpflichtungen. Kinder haben heute vielfach einen kaum weniger dichten Stundenplan als die Erwachsenen. Damit Sport diese Ausgleichsfunktion erfüllen kann, müssen die sportlichen Aktivitäten unter möglichst wenig Leistungsdruck betrieben werden, ansonsten werden Stress und Belastung der Kinder nur noch verstärkt. Kein Zweifel besteht jedenfalls darüber, dass ausreichend Bewegung dazu beiträgt, Körper und Geist in ein gutes Gleichgewicht zu bringen (mens sana in corpore sano).

Beim Leistungssport stehen diese Dinge nicht im Vordergrund: es geht um den Wettkampf und ums Business. Sportfunktionäre stehen unter Erfolgszwang, denn nur Erfolge lassen sich verkaufen und sie lassen sich in unserer Zeit sogar sehr gut verkaufen. D.h. wer im Sport Erfolge erzielt, kann darauf ein gutes Business aufbauen. Ab diesem Moment aber gelten für die betreffenden Sportler und Vereinsfunktionäre ganz andere Gesetzes, wirtschaftliche Interessen und Gesetzmäßigkeiten werden bestimmend.

Beim Fußball z.B. geraten erfolgsversprechende Talente schon im zarten Kindesalter in diesen Strudel. Die Verbände sichern sich ab. Kein Fußballclub bildet gerne Fußballer für andere Vereine aus. Die jungen Fußballer gehören in einem gewissen Sinn dem Verein und zwar jenem, von dem sie ausgebildet werden. Sie dürfen bei anderen Vereinen nur spielen, wenn von diesen eine vereinbarte Summe auf dem Tisch gelegt wird. Mit dieser ökonomischen Sicht mit einher geht auch die Tatsache, dass die Verbände in der Regel nur jene Kinder fördern, die gewisse Resultate erzielen. Diese Kinder haben dann vielfach ein Trainingsprogramm zu absolvieren, das neben der Schule nicht viel Spielraum für andere Aktivitäten übrig lässt, die allerdings für die Entwicklung des Kindes nicht weniger wichtig wären.

Um im Leistungssport in den vordersten Reihen mithalten zu können, braucht es nicht nur Talent, sondern auch die notwendige Charakterstärke dazu und die Fähigkeit, sich für ein sportliches Ziel voll und ganz einzusetzen, die Kräfte dafür zu bündeln. Druck von Außen, z.B. von den Eltern, ist diesbezüglich nicht immer förderlich, kann unter Umständen sogar kontraproduktiv sein. Dies heißt nicht, dass Eltern deren Kinder in ihrer sportlichen Laufbahn nicht auch unterstützen und sie für bestimmte Sportarten begeistern können.

Bei gewissen Massensportarten, wie Fußball, ist es schwer, an die Spitze zu kommen. Einmal dort angelangt, spielen die Leistungsträger eine wichtige Rolle, stehen aber auch unter einem großen Druck. Die großen Sportler ziehen viele Menschen mit und heizen das Geschäft an. Denken wir an den italienischen Skistar Alberto Tomba und welche Bedeutung er für die Skiindustrie sowie insgesamt für den Skisport in Italien hatte.

Genau diese ökonomische Seite des Sports wurde in der Diskussionsrunde auch immer wieder kritisiert. Das Sportbusiness und die damit verbundenen Auswüchse nehmen Ausmaße an, die nur mehr schwer gerechtfertigt werden können. Spitzenfußballer z.B. verdienen Millionen, gigantische Summen fließen in die Werbung, die letztlich der Konsument durch den Kauf gewisser Produkte zu finanzieren hat. Die Wirtschaft braucht also die Spitzensportler, damit das Interesse für gewisse Sportarten aufrechterhalten bleibt. Sportler sind Mittel zum Zweck nicht nur für die jeweiligen Sportvereine, sondern auch für ganze Wirtschaftszweige. Solange die Leistungen stimmen, werden sie gefeiert, fallen die Leistungen ab, sind sie meistens relativ schnell weg von der Bildfläche. Diesem Leistungsdruck können nicht alle standhalten. In vielen Sportarten ist Doping an der Tagesordnung (wobei zur Verteidigung der Sportler zu sagen ist, dass sie in vielen Fällen gar nicht wissen, dass sie gedopt werden). Bei einem nicht unerheblichen Teil der Leistungssportler sind gesundheitliche Schäden die Folge und in regelmäßigen Abständen kommt es zu Todesfällen. Das ist der Tribut, den der Sportzirkus zu zollen hat, weshalb die Sportler oft als die Gladiatoren unserer Zeit bezeichnet werden. Das Sportgeschehen selbst dient ja vor allem auch der Unterhaltung und der Ablenkung des Volkes, ganz nach dem Motto, das im alten Rom herrschte: „panem et circensem“.

Sport wird mitunter mit einem modernen Krieg gleichgesetzt. Das mag in gewisser Hinsicht auch zutreffen, aber der Krieg in der Sportwelt wird mit Sicherheit nie die Ausmaße des heute grassierenden ökonomischen Krieges erreichen.

Viele Diskussionsteilnehmer wünschen sich deshalb, dass der Sport wieder auf ein menschlicheres Niveau gebracht wird. Dies kann nur gelingen, wenn die ökonomischen Verstrickungen abnehmen, denn überall dort wo das Geld regiert, spielt der Mensch nur eine untergeordnete Rolle.

Dabei handelt es sich wohl um ein gesellschaftliches Problem. Unzufriedenheiten aber auch der Ehrgeiz, besser zu sein als der andere (gerade dieser Ehrgeiz stellt im Sport eine ganz wichtige Triebfeder dar) oder auch nur besser dazustehen als der andere, sind weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Welche die Hintergründe für dieses Verhalten sind, ist nicht so leicht zu ergründen. Fakt ist jedenfalls, dass ohne diese Unzufriedenheiten unsere Konsum- und Wirtschaftswelt gar nicht funktionieren würde: einem glücklichen Mönch wird man nämlich kaum imstande sein, einen Mercedes zu verkaufen.

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Der nächste Freitag-Salon findet am 30. März 2012, um 21.00 Uhr im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock) statt.

Das Thema lautet: „Es lebe der Sport

Sport übt eine große Faszination auf viele Menschen aus. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe für die Ausmaße, die der Sportbetrieb mittlerweile angenommen hat. Dahinter steht weiters ein großes Business, das keine geringere Triebfeder darstellt.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die beanstanden, dass die Leistungssportler einem geradezu unmenschlichen Druck ausgesetzt sind, dass sie ihre Kindheit und Jugend opfern usw. Wie weit ist die wirtschaftliche Dimension in diesem Bereich gerechtfertigt? Auch die hohen Gehälter und Werbeeinnahmen, die gewisse Spitzensportler kassieren, werden in einer Zeit wie dieser immer häufiger in Frage gestellt.

Peter Peres, Pressesprecher des Damenfussballvereins CF Südtirol Fussball Damen und Bruder einer Ex-Skirennläuferin (Bibiana Peres, Siegerin von fünf Weltcuprennen), wird uns auf all diese Fragen Einiges zu berichten wissen.

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Bereits in der Einführungsrunde wurde von den Diskussionsteilnehmern vor allem die langen Prozessdauern gebrandmarkt. Wenn jemand mit der Justiz zu tun kriegt und seine Lage von einem Gerichtsurteil abhängt, dann ist er arm dran. Andererseits ist dieses System für jene von Vorteil, die sich womöglich effektiv etwas zu Schulden haben kommen lassen, aber durch Verjährung sich aus der Affäre ziehen können. Die Sache hat nur einen Hacken; die Verjährung kommt nur jenen zu Gute, die sich lange Prozesse leisten können und über das nötige Kleingeld verfügen, um eine Schar exzellenter Rechtsanwälte durchzufüttern und bei guter Stimmung zu halten. Es herrscht die Meinung vor, dass letztlich derjenige Recht bekommt, der sich die besten Rechtsanwälte leisten kann und dass Änderungen in diesem eingefahrenen System nicht in Sicht sind. Möglicherweise braucht es auch im Justizwesen eine übergeordnete Instanz (wie es bei den Staatsfinanzen die EU ist), um notwendige Reformen und Verbesserungen in der italienischen Gerichtsbarkeit voran zu bringen.

Axel Bisignano, stellvertretender Staatsanwalt beim Gericht in Bozen, widersprach diesen Ausführungen nicht. Er wies weiters auf so manch anderen Misstand hin; Probleme die auf Missfunktionen im Justizsystem selbst zurückzuführen sind und die teilweise in der Bevölkerung weniger bekannt sind.

 

Zuallererst hat Bisignano uns die wichtigsten Merkmale des italienischen Justizsystems beschrieben.

In Italien herrscht vollkommene Gewaltenteilung, die Gerichtsbarkeit ist unabhängig von der Politik und dies ist in der Verfassung so verankert. Die Richter verwalten sich selbst durch den Obersten Richterrat, dessen Zusammensetzung nicht die Politik, sondern die Richter selbst bestimmen. Die Karrieren der Richter und Staatsanwälte sind nicht getrennt. Der Staatsanwalt ermittelt und beantragt daraufhin die Einleitung des Verfahrens oder auch nicht. Im Verfahren hat dann der Richter die Aufgabe, über den Fall zu urteilen an Hand der Informationen und Eingaben von Seiten des Staatsanwaltes und des Verteidigers.

Darauf hin ging Bisignano über, die wichtigsten Gründe auszuführen, warum das Justizsystem in Italien eher schlecht funktioniert:

  • Die relativ niedrige Anzahl der Richter trägt wesentlich zur Verschleppung der Gerichtsverfahren bei. In Italien gibt es ca. 60 Millionen Einwohner und nur 10.000 Richter. Verglichen mit Deutschland sind das wenig, wo es bei einer Bevölkerungszahl von ca. 80 Millionen ungefähr 20.000 Richter gibt. Es sind allerdings die Richtern selbst, die sehr darauf Acht geben, dass die Anzahl der Richter und Staatsanwälte nicht all zu sehr zunimmt. Sie wissen sehr gut ihre Standesinteressen zu vertreten. Bei einer größeren Anzahl, könnte es nämlich dazu kommen, dass ihr Gehalt niedriger ausfällt. Die Gerichtsbarkeit verfügt nun mal nur über genau fest gelegte Finanzmittel, die nicht größer werden, wenn die Anzahl der Richter zunimmt. Es sind dies ca. 1-2 % des Sozialprodukts (ähnlich wie in anderen Ländern Europas); davon verschlingen einen großen Teil die Gefängnisse, die Gerichtspolizei und das Kanzleipersonal.
  • Ein weiterer Schwachpunkt im System ist die Tatsache, dass die wirtschaftliche Karriere bei Staatsanwälten und Richtern von der eigentlichen Karriere getrennt ist. Alle vier Jahre steht eine Gehaltsverbesserung an (aufgrund einer Leistungsbewertung durch die jeweiligen Vorgesetzten und verschiedenen anderen übergeordneten Gerichtsinstanzen) und zwar bis zum 28. Dienstjahr. Führungspositionen werden nicht bezahlt. Jedenfalls handelt es sich um relativ konsistente Erhöhungen, womit sich schlussendlich ein stattlicher Gehalt ergibt.
  • Italien hat bezüglich der Prozessordnung (sowohl für das Straf- als auch für das Zivilgericht) Ende der achtziger Jahre das so genannte amerikanische System übernommen (Kreuzverhör, alles wird schriftlich abgewickelt, der Richter ist blind – er kennt die Ermittlungsakte nicht schon im Voraus). Das amerikanische System hat klare Vorteile; es ist aber auch dazuzusagen, dass in Amerika nur ca. 10 % der Verfahren nach diesem aufwendigen System abgewickelt werden.
  • In Italien ist der Drang zum Hauptverfahren viel größer und zwar wegen der Möglichkeit der Verjährung, die es in Amerika gar nicht gibt. Der Grund warum die Verjährung eingeführt wurde ist, dass wenn im Laufe des Prozesses, der oft sehr lange dauern kann, der Angeklagte nicht rückfällig wird, von einer Bestrafung abgesehen und das Verfahren eingestellt wird. Was eigentlich als Entgegenkommen gegenüber den Angeklagten gedacht war, ist mittlerweile vielfach zu einer Strategie verkommen, um einer Verurteilung zu entgehen. Es geht also darum, sich einen guten Anwalt zu leisten, dem es gelingt, das Verfahren derart in die Länge zu ziehen, um die Verjährung zu erreichen. Auf dem Gericht in Brescia reicht es einen gewissen Geldbetrag zu berappen und die Verjährung ist gesichert. Die Verjährungsfristen stehen im direkten Verhältnis zu der Schwere der Straftat. Unter der Regierung Berlusconi wurden diese Fristen erheblich herabgesetzt. In Deutschland und Österreich hat man bezüglich der Prozessordnung einen Mittelweg gewählt. Eine Verjährung gibt es in beiden Ländern nicht.
  • Die italienische Richterschaft fordert das österreichische oder deutsche System und vor allem auch die Abschaffung der Verjährung. Der Verfassungsgerichtshof ist aber nicht befugt, diese Änderungen durchzuführen, das kann nur die Politik. Die Rechtsanwälte sind gegen derartige Änderungen im italienischen Rechtssystem. Schließlich und endlich profitieren sie nicht unerheblich von den langen und aufwendigen Verfahren. Es bleibt also abzuwarten, wie viel die derzeitige Regierung durchsetzen kann. Die heutige Justizministerin ist jedenfalls auch eine Anwältin.
  • Es wird auch viel von einer Überlastung der Gefängnisse gesprochen. Dabei muss in vielen Fällen die verhängte Gefängnisstrafe nicht abgesessen werden. Bei Strafen bis zu drei Jahren landet man erst gar nicht im Gefängnis und auch der letzte Teil einer Gefängnisstrafe muss normalerweise nicht hinter Schloss und Riegel verbracht werden. Die elektronische Fußfessel hat leider in Italien nicht funktioniert.

In der Diskussion kamen zu den von Bisignano angesprochenen Punkten noch weitere Aspekte hinzu.

  • Kleinere Delikte, wie das Beschmieren von Wänden mit Hackenkreuzen oder Fahrraddiebstähle, können von der Staatsanwaltschaft nicht weiter verfolgt werden, es sei denn es liegen klare Indizien über die Täter vor.
  • Oft wird angeführt, dass die Untersuchungshaft zur Überlastung der Gefängnisse führt. Dem ist aber nicht so. Jemand der aus diesem Grund im Gefängnis sitzt ist entweder bereits vorbestraft oder es handelt sich um schwere Straftaten (Mord, unter Umständen auch Korruption).
  • Wie weit spielen Formfehler eine Rolle beim Ausgang des Prozesses? Für Bisignano ist es gerechtfertigt, dass bei einem Formfehler im Verfahren der Angeklagte nicht belangt werden kann. Z.B. wenn eine Abhöraktion unrechtmäßig war. Dies stellt einen wichtigen Schutz für den Angeklagten dar. Nicht alle Diskussionsteilnehmer konnten sich damit anfreunden, dass aufgrund von Formfehler Verbrecher nicht ihre gerechte Strafe erhalten.
  • Ein weiteres Problem stellt die Gutachtertätigkeit für das Gericht dar, die dermaßen schlecht bezahlt wird, so dass deren Qualität darunter leidet und diese Tätigkeit schließlich für die Gutachter völlig uninteressant wird.
  • Der Kontakt zu den Medien ist mittlerweile genauestens geregelt. Für die Medienarbeit ist grundsätzlich nur der Oberstaatsanwalt zuständig. Die jeweiligen Staatsanwälte geben keine Interviews, es sei denn sie werden eigens vom Oberstaatsanwalt ermächtigt.
  • Beim Prozess bezüglich der Wählbarkeit Durnwalders, ist dem Anwalt der klagenden Partei ein schwerwiegendes Versäumnis unterlaufen. Den Klägern ist es aber nicht gelungen, den Anwalt dafür haftbar zu machen. Bisignano verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass in Zukunft die diesbezügliche disziplinarrechtliche Zuständigkeit nicht mehr bei der Kammer der Rechtsanwälte liegen soll sondern bei einer unabhängigen Instanz.
  • Die große Anzahl von Rechtsanwälten in Italien an sich ist schon mit gewissen Problemen verbunden und mit ein Grund, dass viel zu viele Prozessen angestrengt werden, bei denen es oft nur um Lappalien geht.
  • Schließlich fiel noch das Stichwort Mediation. Kann dadurch das Gericht entlastet werden oder wird nur ein zusätzlicher Schritt eingeführt, wodurch alles nur noch komplizierter und noch langwieriger wird? Es gibt dazu kaum Erfahrungen, weshalb es auch keine klare Antwort auf diese Frage gibt. Die Anwälte sprechen sich eher dagegen aus. Sie sagen, die Rolle des Vermittlers wir eh schon von ihnen wahrgenommen.

Das Gespräch mit unserem Gast, Staatsanwalt Bisgnano, war sehr aufschlussreich. Trotzdem ist es den meisten lieber, nicht Gegenstand seiner beruflichen Tätigkeit zu werden. Er selbst sieht darin allerdings keinen Grund sich zurückzuziehen, wie dies so mancher seiner Kollegen macht. Im Gegenteil er sucht den Kontakt zu den Bürgern und ist deshalb auch gern zum Freitasalon gekommen.

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Dass ansteigende Meere Kosten verursachen, wissen wir spätestens seit den Griechen, die etliche Ausleger von Küstenstädten am Mittelmeer räumen mussten, weil sich der Meeresspiegel erhöht hatte. Das Stockholm Environment Institute in Schweden hat den Versuch gewagt, den Schaden zu beziffern, welchen der Klimawandel in den Ozeanen anrichten wird. Ausgehend von einem Temperaturanstieg von 4 °C bis 2100 würden demnach Kosten von 2 Billionen Dollar (1.000.000.000.000 = 1012) entstehen. Diese beinahe unvorstellbar hohe Schadenssumme errechnet sich aus den wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Fischerei, den Tourismus und die Küsten ebenso wie aus der kompromittierten Fähigkeit des Meeres, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu absorbieren und damit dem Klimawandel entgegenzuwirken.

5 Billionen Mark

Nach Kevin Noone, einem Ko-Autor des Berichtes, ist dieser Betrag noch lange nicht der zu erwartende Schaden des Worst-Case-Szenarios. Andere Auswirkungen wie Arten, die aussterben werden, wenn ihre Lebensräume verloren gehen, lassen sich monetär nicht unmittelbar abschätzen. Vom obigen Betrag ließen sich 1,4 Billionen Dollar retten, wenn wir die Temperaturerhöhung auf 2 °C bis 2100 beschränken könnten.

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