Mit “IPCC” getaggte Einträge

In Asien wütet eine Kältewelle, in Europa frieren neben den Menschen auch die Gehirnzellen, auf dem amerikanischen Kontinent leidet das wärmeverwöhnte Florida unter dem Schneefall, andernorts einige Querdenker unter den Zuschüssen der Öl-Lobby. Wirf man einen Blick auf die aktuell veröffentlichten globalen Temperatur-Daten 2009 des NASA Goddard Institute for Space Studies (GISS), scheint für einige Zeitgenossen die Verschwörung perfekt zu sein.

Kurz zusammengefasst ergibt sich ein ähnliches Bild wie schon 2009:

Das Jahr 2009 ist seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren das zweitwärmste Jahr, auf gleicher Höhe mit 2007, einzig getoppt vom bisherigen Rekordjahr 2005. Bezogen auf die Südhalbkugel geht 2009 als Rekordjahr in die Geschichte ein: Es ist das wärmste Jahr überhaupt.

Jährliche Entwicklung der globalen Durchschnittstemperaturen
Wo bleibt die Stagnation: Jährliche Entwicklung der globalen Durchschnittstemperaturen.

Es ergeben sich unmittelbar ein Haufen Fragen:

Wo ist sie nun, die Klimapause, welche seit 1998 dem Klimawandel eine Auszeit zuschanzt?
War nicht 1998 das wärmste Jahr überhaupt?
Hat es in der letzten Dekade nicht eine Abkühlung gegeben?

Streicht man das “Don’t” aus dem Google-Motto, lassen sich die Fragenden in 3 prinzipielle Klassen einteilen:

  1. Der Unwissende: Der einfache Bürger von der Straße, welcher von den teils widersprüchlichen Aussagen der Medien hin und her gerissen wird, mit seiner Meinung einfach dem Zeitgeist und damit dem aktuellen Filterblick der Medien folgt und oft um seine paar Privilegien fürchtet.

    Alles Schmarrn mit dem Klimawandel, warum ist mir dann so kalt?

  2. Der Halb-Wissende: Eine Untergruppe der Spezies Klimatroll, die als selbsternannte Vereinigung der Skeptiker und Wissenschaftsfeinde unzureichende und in vielen Fällen längst widerlegte Argumente gegen vermeintliche Schwächen bei den wissenschaftlichen Methoden der Klimaforscher ins Feld führt.

    Globale Klimaerwärmung soll durch das Spurengas CO2 hervorgerufen werden?

  3. Der bewusst Falsch-Wissende: Die zweifellos gefährlichste Gruppierung mit der meisten Macht, welche sich selbst verharmlosend als Skeptiker bezeichnet, rekrutiert ihre Anhänger aus Querdenkern, Neinsagern und Leugnern und kriegt dafür bezahlt, dass sie ihre Irrlehren verbreitet und mit allen Mitteln untermauert.

    Emissions-Beschränkungen sind ein Abgriff auf die persönliche Freiheit, diese kommunistischen Brillenschlangen mit der großen Nase werden die Weltwirtschaft zerstören und uns zurück ins Mittelalter katapultieren.

Kurzum: Der Unwissende verwechselt Wetter mit Klima, der Halb-Wissende reitet auf den HadCRUT-Daten des britischen Meteorological Office und Climate Research Unit (CRU) herum und vergisst dabei das Arktisloch, der Falsch-Wissende will kein Geld für ein Problem zahlen, das nach seinem Dafürhalten gar nicht existiert.

Die Daten beweisen es mehr als eindeutig: Wir liegen voll im Trend, wetten?

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Wie groß sind die Anforderungen an neue Technologien, um die Kohlendioxid-Emissionen in den Griff zu kriegen? In ihrem Nature-Artikel (Dangerous assumptions, Nature 452, 531-532) fürchten Roger Pielke Jr., Tom Wigley und Christopher Green, dass diese größer sein könnten, als allgemein angenommen.

Auf der UNO-Klimakonferenz 2007 in Bali wurde eine Nachfolgeprotokoll zu Kyoto gefordert, welches innerhalb 2 Jahren zu verabschieden sei. Nicht einmal der blauäugigste Delegierte hätte geleugnet, dass die Stabilisierung der CO2>-Konzentration in der Erdatmosphäre eine ernomes Unterfangen ist. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat in seine Referenz-Szenarios keine expliziten Klimaschutzmaßnahmen eingebaut, da es mit eingebauten Effizienzfaktoren kalkuliert, die eine automatische Reduktion der Treibhausgas-Emissionen implizieren.

Gemäß den Autoren des Artikels sind bereits mehr als zwei Drittel aller sich automatisch manifestierenden Verbesserungen in die Referenz-Szenarios eingebaut, wodurch sich die Vorhersagen bestenfalls als optimistisch, schlimmstenfalls als unerreichbar beschreiben lassen. Eine Neuberechnung der Szenarios unter Berufung auf eine “festgefrorene” Technologie des Jahres 1990 (“frozen technology”) gibt dann auch ein neues Bild:

Kumulative Emissionen bis 2100
Kumulative Emissionen für verschiedene IPCC-Szenarios bis 2100 mit eingefrorener Technologie:
Blau: Anteil der “eingebauten” Emissions-Reduktionen der IPCC-Szenarios.
Rot: Emissions-Reduktion durch aktive Klimaschutzmaßnahmen.
Gelb: Errlaubte Emissions-Schwelle für einen atmosphärischen CO2-Anteil von 500 ppm.

Zweifellos ist technologischer Fortschritt notwendig, die Frage ist, inwieweit Klimaschutzmaßnahmen darauf hinaus laufen sollen. Jedenfalls könnte es für das IPCC empfehlenswert sein, Bedingungen für spontane Evolution in der Technologie zu schaffen.

Wie auch immer: Die Spezies Klimaskeptiker dürfte neues Futter bekommen, die Gefahr wird immer größer, also lasst uns doch zweifeln und versagen!

Fazit frei nach einem diesbezüglichen Kommentar auf Heise Telepolis:

“Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.”
Ich glaub kein Regenbogenkrieger der 80er hat jemals ernsthaft daran geglaubt, daß es wirklich so kommen könnte. Welch Treppenwitz der Geschichte, dass es nun danach aussieht, als könnte sich dieser Satz in ähnlicher Form bewahrheiten.

Und weiter:

Macht aber nichts, denn die Erde wird sich von den Menschen wieder erholen. Nur Haie und Krokodile werden sich eine kurze Zeit an die seltsamen Wesen erinnern, die versucht haben, Gott zu spielen.

Klingt alles nach einem alten Witz

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