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Artikelserie Homöopathie: Generische Form des Wirkstoffes

Wasser ist ein Homöompathie-Generikum

Die bei Normalbedingungen flüssige chemische Verbindung aus den Elementen Sauerstoff und Wasserstoff mit den chemisch äquivalenten Bezeichungen Wasser, Diwasserstoffmonoxid, Wasserstoffhydroxid, Dihydrogeniumoxid, Hydrogeniumoxid, Hydrogeniumhydroxid, Oxan oder Dihydrogenmonoxid (DHMO) ist in den meisten Fällen ein allzeit verfügbares Homöopathie-Generikum.

(Dieser Artikel gehört zur Artikelserie „Homöopathie“.)

Freitagsalon Brixen September 2011: Die Kneippsche Weltordnung

Die meisten von uns wünschen sich ein gesundes Leben, aber viele tun sich damit schwer. Der oder die eine isst all zu gern (zu viel, zu fett, zu viel Süßigkeiten, nicht regelmäßig), der oder die andere trinkt zu viel, raucht, hat zu wenig Bewegung oder schläft zu wenig. Die Liste der Sünden, die wir gegenüber unserer Gesundheit begehen, lässt sich noch um Einiges fortsetzen. Warum tun wir uns so schwer, auf unsere Gesundheit zu achten? Ist es der innere Schweinehund, ist es ein ungebremster Hedonismus, ist es nur einfach Faulheit oder mangelndes Wissen? Ja, es ließe sich noch eine lange Reihe von weiteren Gründen aufzählen.

Oft ist es erst der Beginn gewisser körperlicher Beschwerden und Gebrechen, die uns in die Bahnen eines achtsameren Lebensstils lenkt. Und da braucht es dann oft noch einen charismatischen Arzt, Heilpraktiker oder Gesundheitsguru, der imstande ist, uns einen gesünderen Lebenswandel zu empfehlen.

Sebastian Kneipp war so eine charismatische Figur. Er konnte Menschen heilen und sie davon überzeugen, dass nur ein ausgeglichener Lebensstil anhaltendes Wohlbefinden gewährleisten kann.

Helene Roschatt erklärte uns ausführlich die wichtigsten Säulen seiner Gesundheitslehre und der Kneippschen Weltordnung. Kneipp wirkte vor ca. 150 Jahren. Als Pfarrer war es ihm kein Leichtes, beide Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen. Von der Kirche wurde er angehalten, sich auf seine seelsorglichen Aufgaben zu konzentrieren. Die Ärzteschaft witterte in ihm bald eine gefährliche Konkurrenz, da seine Methoden Erfolg hatten und so den Ärzten Kunden entzogen wurden. Es half auch nichts, als man ihn in einen entlegenen Ort verbannte. Da er vielen, die mit gewissen Leiden zu ihm kamen, Genesung oder Linderung verschaffen konnte, waren der Zulauf und auch der Zuspruch für ihn aus der Bevölkerung sehr groß, so dass er sein medizinisches Wirken fortsetzen konnte. Sein Fall landete schließlich sogar beim Papst. Dieser – in Kenntnis gesetzt über die Erfolge der Kneippschen Gesundheitslehre – ließ ihn allerdings ebenfalls seine Tätigkeiten im medizinischen Bereich weiter ausüben. Interessant ist bei ihm auch seine soziale Ader. So war seine Tarifgestaltung für die Behandlungen sehr unterschiedlich und abgestimmt auf die Mittel, die jemand zur Verfügung hatte.

Kneipp hatte eine für seine Zeit eine relativ revolutionäre Auffassung von Gesundheit und Heilen. Er versuchte den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen. Sein ganzheitlicher Ansatz beruht auf fünf ineinander wirkende Prinzipien:

  • Wasser
  • Heilkräuter
  • Ernährung
  • Bewegung
  • Lebensordnung

Im Mittelpunkt der Heilmethoden von Sebastian Kneipp steht das Wasser. Die Wasseranwendungen sind es auch, mit denen die breite Bevölkerungsschicht ihn in Verbindung bringt. Am bekanntesten ist das Wassertreten, das Kneippen, wie es nach ihm benannt wird. In der Kneippschen Heilslehre kommen aber noch zahlreiche weitere Methoden auf der Basis von Wasser vor. Im Folgenden die wichtigsten Anwendungen:

  • Wassertreten (im kalten Wasser oder abwechselnd im kalten und warmen Wasser)
  • Tauwandern
  • Güsse (kalte und warme Wassergüsse auf bestimmte Körperteile)
  • Bäder (Arm-, Fuß-, Halbkörper- oder Ganzkörperbäder, auch mit unterschiedlichen Temperaturen)
  • Wickel (kalte, warme, abwechselnd kalte und warme)
  • Bauchwaschen (eine besondere Methode gegen die Schlaflosigkeit: mit einem nassen, kalten Tuch reibt man sich zehnmal im Uhrzeigersinn den Bauch)

Wichtig ist, sofern es sich um kalte Anwendungen handelt, dass sich der Körper danach wieder möglichst rasch erwärmt; sonst könnte es kontraproduktiv sein.

Dazu muss gesagt werden dass, die meisten dieser Wassermethoden in der Zeit, als Kneipp wirkte bereits bekannt waren. Die Bäderkultur hatte sich bereits relativ weit entwickelt. Kneipps Verdienst war es, all diese Wasserkuren zusammenzutragen, sie systematisch zu ordnen, sie mit anderen Heilmethoden in Verbindung zu bringen und sie zu verbreiten. Er reiste viel, stets auf der Suche nach neuen Heilmethoden und immer bestrebt seine Erfahrungen weiterzugeben.

Das zweite Standbein der Kneippschen Gesundheitslehre sind die Kräuter. In dieser Hinsicht konnte Kneipp ebenfalls bereits auf einen großen, bereits vorhandenen Erfahrungsschatz zurückgreifen und es gelang auch bei diesen Heilmethoden die Systematik auszubauen; Ringelblume, Katzenschwanz, Frauenmantel, Johanniskraut um nur einige wichtige Heilpflanzen zu nennen und vor allem natürlich sein Lieblingskraut Arnika, das er sehr vielseitig einsetzte.

Zum Thema Bewegung – die dritte Säule dieser ganzheitlichen Gesundheitsphilosophie – ist folgende Aussage von Sebastian Kneipp bekannt: „Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet.“ So verordnete er seinen Patienten regelmäßiges Holzhacken und Dreschen. Bewegung steigert das Wohlbefinden nachhaltig und stärkt die Körperkräfte.

Bei seinen Ratschlägen zur Ernährung geht es primär um eine ausgewogene Kost und er plädiert für sehr viel Getreide, Gemüse, Obst und Milchprodukte. Auf jeden Fall sollte mehr von der Pflanze als vom Tier kommen. Kneipp hat sich bereits zu seiner Zeit ganz entschieden gegen das weiße Mehl, das damals immer mehr aufkam, ausgesprochen. Wichtig ist bewusst und regelmäßig zu essen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Es geht ihm aber nicht um Askese, der Genuss beim Essen darf nicht zu kurz kommen.

Zur Kneippschen Lebensordnung gehören schließlich noch eine ganze Reihe verschiedener Grundsätze, die alle mit gesundem Leben und Wohlbefinden zu tun haben. In der Folge eine kurze Aufstellung davon:

  • Gesundes Wohnen ist wichtig. Dazu gehören Lüften, Kalken, Aufräumen, Sauberhalten usw.
  • Ausreichend und regelmäßig Schlafen ist auch eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.
  • Kinder sollen nicht den Beruf der Eltern erlernen, es ist deshalb wichtig bei der Berufswahl auf die eigentlichen Fähigkeiten und Eignungen der Kinder zu achten. Kneipp wird ein großes Herz für Kinder nachgesagt.
  • Tiere sollen gut behandelt werden.
  • Werte, wie Nächstenliebe, Großzügigkeit, Zufriedenheit, leben.
  • Grundsätzlich die Ausgeglichenheit suchen und Stress vermeiden.
  • An Gott glauben.

Heute feiert die Kneippsche Gesundheitslehre wieder eine gewisse Renaissance. In Deutschland kommen die verschiedenen Kneippvereine auf 600.000 eingeschriebene Mitglieder. In der Gesundheitserziehung in den Schulen finden deren Grundsätze Eingang. Auch Südtirol hat seinen Kneippverband. Die modernste Kneippanlage Südtirols befindet sich im Kurpark in Niederdorf und es gibt noch zahlreiche weitere Anlagen in verschiedenen Orten unseres Landes: Vahrn, Sand in Taufers, Ahrntal, Sarntal, Altrei, Sulden, Prissian, St. Felix. Wiesen, Meransen.

Ganz wichtig ist der präventive Ansatz bei dieser Gesundheitsphilosophie. Es geht darum durch die verschiedenen Anwendungen die Abwehrkräfte zu stärken, den Körper abzuhärten und bei Erkrankungen den natürlichen Heilungsprozess zu fördern.

In der Diskussion tauchte natürlich auch wieder, wie bei all diesen Themen, bei denen es um Alternativmedizin oder althergebrachten Behandlungsmethoden geht, die Frage auf, wie weit diese Heilungsmethoden wissenschaftlich abgedeckt sind. Dazu ist zu sagen, dass die Wirksamkeit einiger Anwendungen und Methoden mittlerweile sehr wohl wissenschaftlich nachgewiesen ist, allerdings nicht bei allen. Für die Verfechter der Kneippschen Lehre bedeutet dies allerdings noch lange nicht dass sie deshalb verworfen werden müssen. Wichtig ist, dass sie wirken, selbst wenn die Wirkung auf einen Placeboeffekt beruhen sollte. Ganz nach dem Motto „Wer heilt, hat recht.“ Schließlich wurde darauf verwiesen, dass selbst die Schulmedizin mit Placebos arbeitet, wie dies bei sehr vielen Antidepressiva der Fall ist. Weiters wird geschätzt, dass von den schulmedizinischen Methoden nur etwa 40 % wissenschaftlich belegt sind.

 

Wasser, Atomenergie und Referendum 2011: Die politische Verantwortung der Italiener

Italien hat es wieder mal geschafft, all die tragischen Momente der letzten Monate in Fukushima in einem Glanzstück der Narretei kulminieren zu lassen. Mehr als 20 Jahre nach dem per landesweiter Volksabstimmung festgelegten Atomausstieg hat die Regierung Berlusconi in einer Serie von Gesetztesdekreten und Gesetzen eine „nationale Nuklearstrategie“ losgetreten, deren Ziel es sein sollte, passende Orte für Reaktoren, Wiederaufbereitungsanlagen und Endlager festzulegen. Bis heute sind die gesetzten Handlungen aber auf das Gründen der „Agentur für nukleare Sicherheit“ beschränkt geblieben, deren Vorsitzender der Onkologe und Senator Umberto Veronesi ist. Umweltbewewgungen und Opposition haben daraufhin ein Referendum auf die Beine gestellt, welches ein 2. Mal eine Abkehr von der Nuklearenergie zum Thema hatte.

Doch dann kam das Erdbeben in Japan. Sogar die sonst im ausgesprochen moderatem Ausmaß selbstkritische Berlusconi-Regierung konnte die entsetzten Reaktionen in Europa nicht verkennen. Was tun, sprach das Huhn, sorry, der Hahn:

Italienische Führerpersönlichkeiten

„Das ist wie Fußball. Regierung gegen Opposition, jeder auf seinem Spielfeld, Ziel ist das gegnerische Tor. Nur ist jetzt blöderweise unser Fanblock geschrumpft, jener des Gegners schwingt Fahnen mit Totenköpfen. Wenn wir nun einfach vom Platz gehen, kann das Spiel später doch noch gewonnen werden.“

Man kündigte an, den Wiedereinstieg einfach per Gesetztesdekret auf Eis zu legen und leitete den Wind in den Segeln in eine unschädliche Richtung. Zunächst mal waren alle verdattert und schon wurde erstmals in der Geschichte der italienischen Politik von einem Konsens zwischen beiden Regierungslagern gesprochen. Dass sich die „Abkehr“ in einem einjährigem Atommoratorium manifestierte, brachte dann doch Klarheit. Das Referendum solllte gekippt werden, da es nun wegen Fukushima doch sehr gute Aussichten auf Erfolg hatte. Das üble Täuschungsmanöver ward nun offensichtlich, und Berlusconi reichte einen Antrag auf Aussetzung des Nuklear-Referendums ein: Warum das Volk befragen, wenn er doch das Volk ist? Die ungeliebten, weil nicht vom Volk gewählten Richter sahen das anders: Sowohl vor dem Kassationsgericht in Rom als auch dem rasch noch angerufenen Verfassungsgericht blieb sein Ruf ungehört.

Die Themen der Referenden sind bereits ausführlichst behandelt worden. Aber unabhängig von der politischen Gesinnung, der eigenen Einstellung zur Sinnhaftigkeit der nuklearen Renessance, zur Liberalisierung der Wasserversorgung oder gar zu den „Untouchables“ in ihren Palästen im fernen Rom ist es ganz einfach Bürgerpflicht, zur Wahl zu gehen und Präsenz zu zeigen.

In diesem Sinne gilt wohl heute und morgen wie noch niemals zuvor:

Chi non vota è un idiota!

Also, all Ihr knapp 50.000.000 wahlberechtigten LandsmännInnen im In- und Ausland, wählt, was Ihr wollt, aber wählt!