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Freitagsalon Brixen August 2012: In welche Richtung soll sich Brixen entwickeln?

In der Einführungsrunde trat klar zu Tage, dass es sich eigentlich in Brixen relativ gut leben lässt. Verschiedene Vorzüge wurden genannt, u.a. die Überschaubarkeit, Familienfreundlichkeit, generell eine hohe Lebensqualität, tolle Einrichtungen (wobei allerdings auch darauf hingewiesen wurde, dass deren Instandhaltung immer mehr Spesen für die Stadt bedeuten, gleichzeitig aber die zur Verfügung stehenden Mittel ständig geringer werden, weshalb die Gefahr besteht, dass man sich vielleicht doch zu viele Belastungen für die Zukunft aufbürdet, wenn laufend weitere aufwendige Strukturen dazukommen). Lobend hervorgehoben wurde weiters die Tatsache, dass sich Brixen heute als eine sehr lebendige Stadt präsentiert. Durch das Eröffnen verschiedener Gastbetriebe ist Leben in die Stadt eingekehrt, auch noch nach Ladenschluss. Von mehreren Diskussionsteilnehmern wurde der Wunsch geäußert, die neue Bibliothek möglichst bald zu realisieren.

Bei diesen Vorschusslorbeeren hat der Bürgermeister dann angeknüpft. Er hat uns einen guten Überblick darüber gegeben, was alles in der Vergangenheit erreicht werden konnte, was man z.Z. dabei ist, umzusetzen und welche Vorhaben in Zukunft anzugehen sind.

Albert Pürgstaller hat zuallererst einmal darauf hingewiesen, dass man in den vergangenen Jahren viel in Konzept- und Planungsarbeit investiert hat. Zuerst wurde ein Leitbild für die Gemeinde Brixen erstellt, daraufhin hat man einen Masterplan ausarbeiten lassen unter großer Beteiligung der Bevölkerung, und z.Z. ist man dabei den Bauleitplan und den Landschaftsplan zu überarbeiten.

Ein wichtiges Anliegen von Anfang an war die Stärken-Schwächen-Analyse. Vier positive Eigenheiten der Stadt wurden dabei besonders hervorgehoben (z.T. wurden sie auch schon von den Diskussionsteilnehmern eingangs angesprochen):

  • Die Stadt ist gut überschaubar (auch aufgrund deren Größe).
  • Sie ist nach wie vor persönlich (man kennt sich in der Stadt und nimmt sich Zeit füreinander).
  • Es herrscht ein reges Leben und Treiben in der Stadt (diesbezüglich hat Brixen in den vergangenen Jahren viel aufgeholt).
  • Die Stadt ist reich an kultur-historischen Schätzen und Baulichkeiten.

In der Folge sind die wichtigsten Informationen, die uns der Bürgermeister über die verschiedenen Sachbereiche geliefert hat, aufgelistet.

Demographie: In der Gemeinde Brixen leben 20.857 Personen; 78 % in Brixen/Milland und 22 % in den Fraktionen. Jugend und alte Menschen sind im Gleichgewicht (Meran weist im Vergleich zu Brixen eine erblich ältere demographische Struktur auf). Um 170 bis 180 Personen pro Jahr nimmt die Bevölkerung in unserer Gemeinde zu. Brixen weist ein positives Wanderungssaldo auf, das wohl vor allem auf die gute Lebensqualität, eine günstige Mobilität, aber auch auf das Vorhandensein interessanter Arbeitsplätze zurückzuführen ist. Die Bevölkerung ist in jüngster Zeit bunter geworden: 70 Nationen sind hier zu Hause, womit gewisse Herausforderungen, aber auch Chancen verbunden sind.

Bauleitplan: Der heute gültige Plan ist mittlerweile 15 Jahre alt, weshalb es an der Zeit ist, ihn zu überarbeiten. Der neue Bauleitplan sieht ca. 400 neue Wohneinheiten vor. Gemäß zu erwartendem Bevölkerungszuwachs müssten es zwar mehr sein, aber man möchte aus politischer Sicht die Entwicklung in der Verbauung doch etwas einbremsen. All zu wenig Wohnungen dürfen es allerdings auch wieder nicht sein, ansonsten hat dies negative Auswirkungen auf die Preisentwicklung im Immobiliensektor. Die neue Wohnkubatur soll weiters nicht nur auf die Stadt beschränkt werden; es sind auch in den Fraktionen neue Wohnbauzonen vorgesehen. Neue Gewerbezonen sind nicht geplant, da relativ viele freistehende Hallen vorhanden sind.

Wirtschaftliche Entwicklung: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es eine ganze Reihe von gut aufgestellten Betrieben in Brixen gibt. Woran es aber fehlt, sind gut ausgebildete Fachkräfte. Auch die logistische Anbindung lässt zu wünschen übrig. Dem Handwerk gehen Aufträge verloren, weil die vielfach kleinen Betriebe viel zu wenig miteinander arbeiten. Im Handel gibt es eine große Anzahl an Betrieben, die einzelnen Sparten sind allerdings nicht ganz ausgewogen vertreten. Auch bei den Öffnungszeiten hapert es noch ein bisschen: in der Mittagszeit halten zu wenig offen.

Tourismus: Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Betrieben, die im Niedrigpreissegment arbeiten; Pensionen und Garnis mit Preisen von 50-60 € pro Übernachtung. Bei diesen Einkünften bleibt nicht viel Geld übrig für Investitionen. Umso wichtiger ist deshalb für Brixen die Ansiedelung einiger größerer Leitbetriebe. Geplant sind drei neue Hotels am St. Anderer-Berg (eins oberhalb Mellaun in den Kojawiesen, ein anderes bei der Talstation der Plose-Umlaufbahn und ein weiteres in deren Nähe). Auch ein Cityhotel soll entstehen, damit endlich bei größeren Kongressen in der Stadt die Nachfrage nach Unterkünften abgedeckt werden kann. Das Marketing für Stadt und Tourismus gilt es zu verbessern, ebenfalls die Infrastrukturen (Hotels, Seilbahn, Umfahrung, Südspange, Autobahnanschluss, Citybus, Zug/Bahnhof, Fahrradwegenetz, Wanderwegenetz, Hofburggarten). Beim Stadtmarketing ist leider das Interesse und die Beteiligung von Seiten der Wirtschaftstreibenden nicht zufrieden stellend, es fehlt z.T. die notwendige Vernetzung (z.B. wird die Veranstaltung IMS viel zu wenig von den Geschäften unterstützt). Bezüglich Hofburggarten läuft z.Z. ein Gestaltungswettbewerb: die Anlage soll nicht für große Events und Attraktionen ausgerichtet werden, Legenden, Mythen, Ruhe und Mystik sollen im Mittelpunkt stehen.

Energie: Der Ausbau der Fernwärme und auch der Einsatz von Biomasse sind ein wichtiges Ziel. Auch den Energiehaushalt der Häuser gilt es noch zu verbessern (Isolierung). Ein weiteres wichtiges Anliegen der Stadt ist es, eine Beteiligung bei der Stromproduktion zu erreichen (in diesem Zusammenhang läuft ein Rekurs gegen das Land). Die Verlegung der Hochspannungsleitungen aus den Siedlungsgebieten darf schließlich auch nicht aus den Augen verloren werden.

Hochwasserschutz: Der Eisack im Raum Brixen stellt im Falle von großen Niederschlagsereignissen eine erhebliche Gefahr dar. Das Schadenspotential ist heute wegen der zahlreich vorhandenen Infrastrukturen und den ausgedehnten urbanen Bereichen um ein Vielfaches größer. In einem breit angelegten Flussraummanagementprojekt sollen Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz erarbeitet und umgesetzt werden. Neben dem Hochwasserschutzziel soll aber auch die ökologische Seite und der Erholungsaspekt nicht zu kurz kommen.

Familie: Neue Kinderbetreuungsmodelle gilt es neben den bestehenden (Kinderhort Tagesmutter usw.) anzustreben.

Alte Menschen: Die Zunahme der Menschen mit höherem Alter erfordert neue Betreuungsangebote. Gedacht wird neben Altersheimen auch an Wohngemeinschaften für alte Menschen.

Kultur: Nachholbedarf gibt es in der Jugendkultur. Dabei ist ein für alle Sprachgruppen zugängliches Kulturprogramm zu entwickeln. Bezüglich Bibliothek kann nach den Standortdiskussionen und den zähen Verhandlungen zum neuen Standort im Herbst voraussichtlich mit der definitiven Planung gestartet werden (für das Projekt beim ehemaligen Gefängnis). Die Musikschule wollte man ursprünglich mit der Uni zusammenbringen. Dies hat nicht geklappt; nun soll sie im Prielgelände entstehen. Im Schulbereich wurde ganz allgemein darauf verwiesen, dass man in Sachen Investitionen einen guten Stand erreicht hat.

Sport: Das Sportzentrum Süd ist mittlerweile 30 Jahre alt und muss dringend überarbeitet werden.

Getrennte Sporteinrichtungen nach Sprachgruppen soll es in Zukunft nicht mehr geben, das können wir uns nicht leisten. Schlecht steht es auch um die Eishalle, die möglicherweise wohl den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen wird.

Quartiermanagement: In den Fraktionen funktioniert das soziale Netzwerk noch relativ gut, in der Stadt aber weniger. Deshalb ist dort eine gewisse Gefahr gegeben, dass Menschen nicht mehr aufgefangen werden und vereinsamen. Aus diesem Grund bzw. ganz generell um Gemeinschaftsinteressen gegenüber Einzelinteressen voranzustellen, soll ein Quartiermanagement eingeführt werden.

Nach dieser ausführlichen Einführung blieb doch noch einige Zeit für die Diskussion übrig. Es gab verschiedene Anregungen, Kritikpunkte und ganz allgemeine Stellungsnahmen, aber auch Lob für das Erreichte fehlte nicht. (In Klammern und kursiv sind die Antworten des Bürgermeisters zu finden.)

Verkehr: Verbesserungen beim Citybusnetz wurden angesprochen (Verbindungen mit den Fraktionen, Vahrner See, bessere Abstimmung mit Zug). Die geringe Auslastung der Westumfahrung wurde angeprangert, aber auch die Notwendigkeit des Mittelanschlusses angezweifelt genauso wie die Errichtung einer Seilbahn von Brixen nach St. Andrä (bei abnehmenden Skifahrerzahlen und immer unsicher werdenden Schneeverhältnissen). Auch andere Trassen für die Seilbahn wurden vorgeschlagen. Weiters wurde die Frage an den Bürgermeister gerichtet, warum es noch zu keinem Rückbau der Staatsstraße durch die Stadt gekommen ist. (Der Bürgermeister nahm viele Vorschläge positiv auf, gerade bezüglich Citybus sind gewisse Verbesserungen sicher noch möglich, er betonte auch, dass gerade in der Mobilität ein vernetztes Denken von großer Wichtigkeit ist. Die Westumfahrung wird scheinbar immer besser angenommen, nachdem sie mittlerweile im Navigator-Straßennetz aufscheint. Vom Mittelanschluss genauso wie von der Umfahrung in Vahrn erhofft man sich eine weitere spürbare Entlastung der Straße durch die Stadt. Die Seilbahn wird nicht nur für den Skibetrieb errichtet; allein dafür gäbe sie keinen Sinn. Es soll grundsätzlich eine bessere Verbindung der Stadt mit dem Berg geschaffen werden, vor allem auch für den Sommer. Deshalb gibt eine Talstation in Albeins oder in der Industriezone keinen Sinn. Der Bürgermeister verwies schließlich noch darauf, dass es auch in anderen und noch viel größeren Städten ähnliche Bahnen gibt; auch das Geräuschproblem ist zufrieden stellend gelöst: die Kabinen der Seilbahn werden gezogen und bewegen sich nicht auf Rollen.)

Sprachgruppen: Dass man nun gewillt ist, die Sprachgruppen besser zusammenzubringen, wurde positiv gesehen. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass dies in der Vergangenheit nicht so gut geklappt hat, wenn man daran denkt, dass immer wieder Parallelstrukturen für die jeweiligen Sprachgruppen geschaffen wurden (z.B. zwei Jugendzentren). Jetzt aber unter dem Druck des Sparens ist es plötzlich möglich solche Einrichtungen zusammenzuführen. (Für das neue sprachgruppenübergreifende Jugendzentrum wird als Standort das Astrakino angedacht.)

Quartiermanagement: Eine Initiative in diese Richtung wurde begrüßt, aber auch gleichzeitig nachgefragt, wie dies funktionieren soll. (Der Bürgermeister nannte das Beispiel Rosslauf, ein Viertel, das in kurzer Zeit sehr schnell und stark gewachsen ist. Die Menschen dort waren sich lange fremd und es gab wenig Gemeinsames. Mittlerweile hat sich die Situation etwas verbessert. Dazu braucht es gemeinsame Initiativen (z.B. Feste). Das kann aber nicht alles die öffentliche Hand in die Wege leiten, es braucht das Engagement vor Ort. Vereine können diesbezüglich sehr hilfreich sein. Er sprach auch das Wohnprojekt Schenoni an, wo insbesondere auf das Anliegen des Miteinanderwohnens mehrerer Generationen eingegangen werden soll.)

Bibliothek – Finanzierungen: Es zeigte sich, dass diese Einrichtung für viele ein besonderes Anliegen darstellt. Eine konkrete Frage lautete, ob das Gebäude der neuen Bibliothek letztlich der Gemeinde gehören wird oder angemietet werden muss. Wie steht es überhaupt mit der Finanzierung all der verschiedenen Vorhaben der Gemeinde? (Der Bürgermeister versicherte, dass die für die Bibliothek notwendigen Räumlichkeiten auf die Gemeinde übergehen: die Finanzkaserne, das Ex-Gefängnis und eine Kubatur der Diözese. Die Kosten für diese Einrichtung werden auf 5,5 Millionen € geschätzt. Möglicherweise ist dafür der Verkauf anderer gemeindeeigenen Immobilien notwendig. Die Musikschule wird zu 90 % vom Land finanziert. Das Projekt Stadt-Land-Fluss wird mit EU- und Landesgeldern bestritten. Bei der Erneuerung des Sportzentrums hingegen wird es wohl etwas langsam vorangehen, da dafür derzeit die Gelder fehlen. Es wurde auch noch das Priel-Gelände erwähnt, wo die Parkplätze wegkommen und stattdessen ein Stadthotel und die Musikschule geplant sind sowie ein Platz für die Märkte und für Konzerte)

Am längsten ging die Diskussion über die Seilbahn, aber auch zum Hofburggarten gab es konträre Meinungen (allerdings liegen diesbezüglich z.Z. keine konkreten Projekte noch vor). Grundsätzlich konnte angesichts der zahlreichen und teilweise auch groß dimensionierten Infrastrukturprojekte und Vorhaben bei einigen Diskussionsteilnehmern ein gewisses Unbehagen festgestellt werden. Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns mit all diesen Projekten letztlich übernehmen, noch dazu in Anbetracht der Tatsache, dass die Gelder immer weniger werden, jedenfalls im öffentlichen Sektor? Welche Belastungen bürden wir damit den zukünftigen Generationen auf? Wurde nicht immer wieder – und zwar vor allem auch von politischer Seite – betont, in Zukunft mehr in Köpfe anstatt in Beton zu investieren?

Peak Oil: Die Geister die wir riefen

Seit Dienstag ist Peak Oil nicht mehr nur ein Thema für Ökos, Katastrophismusforscher, CO2-Faschisten und IPCC-Freimaurer. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat das Unwort „Peak Oil“ nun salonfähig gemacht und die eigene Prognose des Eintreffens für diesen ungeliebten und beinahe undenkbaren Zustand auf die Zeit nach 2020 deutlich nach unten revidiert. Gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird im World Energy Outlook 2010 eine Grafik gezeigt, die es in sich hat:

Peak Oil: Historische und prognostizierte weltweite Ölproduktion
Peak Oil: Die historische und prognostizierte weltweite Ölproduktion bis 2035.

Man kann den krisenbedingten Einbruch der jüngsten Vergangenheit erkennen, von einer Erholung der Fördermengen kann aber keine Rede sein. Wir werden uns gerade eben mit dem ungefähren aktuellen Niveau bis 2015 durchschlagen können, wenn „noch zu entwickelnde Ölfelder“ bei der Förderung mithelfen. Spätestens ab 2015 wird es aber Einbrüche geben, wenn sich keine neuen Lagerstätten finden lassen.

Diese neue Prognose deckt sich verdächtig gut mit den Vorhersagen von 2007/2008 der Engery Watch Group, deren Empfehlungen sollte sich die IEA zu Herzen nehmen. Inzwischen gibt es „business as usual“, Verbrauch senken und brav isolieren, Elektroautos sind ja auch mobil, aber Elektroschiffe und Elektroflugzeuge? Bei Literpreisen für Treibstoff jenseits der 3 Euro entschärft sich dann auch die Verkehrsbelastung.

Energiemix im Jahre 2020: 47% aus erneuerbaren Energien

47% erneuerbare Energie bis 2020Laut deutschem Bundesverband für Erneuerbare Energie e.V. ist die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien auf globaler Skala ein massiver Wachstumsmarkt: Das Weltmarktvolumen für Erneuerbare-Energien-Kraftwerke wird sich von knapp 60 Mrd. im Jahr 2005 auf rund 275 Milliarden Euro im Jahr 2020 gut vervierfachen.

In einer aktuellen Prognose hält die Branche einen 47%-Anteil an der Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien für machbar. Ein ausgewogener Mix aus Wind, Biomasse, Wasser, Sonne und Geothermie soll bis 2020 auch zur Zeit der höchsten Stromnachfrage genügend Reserven bieten.

Konventionelle Kraftwerke sollen dieses Energieangebot noch bei Bedarf ergänzen, Brennstoffimporte und CO2-Emissionen sind entsprechend reduzierbar. Sogar der Erdgasverbrauch für die Stromerzeugung soll sich um 12% verringern.


Die für 2020 prognostizierten 595 TWh sollen zu 1% aus Kernenergie (9 TWh), zu 11% aus Erdgas (65 TWh), zu 17% aus Braunkohle (99 TWh), zu 19% aus Steinkohle (114 TWh) und zu 5% aus sonstigen Energiequellen (29 TWh) wie Abfall, Mineralöl, Speicherkraftwerken udgl. stammen. Für die verbleibenden 47% würden dann die Erneuerbaren Energien mit Geothermie, regenerativer Wasserkraft, Photovoltaik, Bioenergie, Windenergie auf See und Windenergie auf Land verantwortlich zeichnen:

Der Strommix 2020
Der deutsche Strommix 2020: Erneuerbare Energien sollen 47% der Versorgung sichern.

Kernfusion: Wendelstein 7-X erreicht ersten Meilenstein

Neben Kernspaltung und Sonnenenergie kann die Kernfusion geeignet sein, Kohle, Erdgas und Erdöl zu ersetzen. Die Fusionsforschung möchte den steinigen Weg hin zum energiegewinnenden Kraftwerk mittels zweier grundlegender Konstruktionsprinzipien Tokamak und Stellarator beschreiten.

Schematische Darstellung eines Tokamaks
Schematische Darstellung eines Tokamaks

Ringförmige Magnetfelder sind beiden Typen gemeinsam, Tokamaks erzeugen einen Teil dieses Feldes durch einen im Plasma fließenden elektrischen Strom her. Stellaratoren hingegen bedienen sich ausschließlich äußerer Spulen, um das Magnetfeld aufzubauen.

Schematische Darstellung eines Stellarators
Schematische Darstellung eines Stellarators

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching befindet sich weltweit in der einzigartigen Lage, beide Typen gemeinsam untersuchen zu können und meldete letzte Woche das erfolgreiche Erreichen des ersten Meilensteins für das Stellarator-Experiment Wendelstein 7-X. Mit den ersten beiden Halbmodulen der Fusionsanlage sind zwei Zehntel des inneren Kerns der Anlage damit fertig gestellt und werden nun zusammengefügt.

Erstes Halbmodul
Das fertig gestellte erste Halbmodul auf dem Weg in den zweiten Vormontagestand

Die industrielle Herstellung der wesentlichen Bauteile für Wendelstein 7-X ist nahezu abgeschlossen, bis 2014 soll die komplette Anlage fertig sein und dann die weltweit größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator darstellen. Die Kraftwerkseignung eines solchen Reaktortyps soll mit bis zu 30 Minuten langen Entladungen getestet werden.

15 Methoden zur Reduzierung der Kohlenstoff-Emissionen

Von 1751 bis 2004 sind durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Zement-Produktion ca. 315 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in der irdischen Atmosphäre freigesetzt worden. Die Hälfte dieser Emissionen ist seit Mitte der 1970er-Jahre erfolgt. Die Emissionsrate für 2004 – 7,9 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – stellt erwartungsgemäß ein Allzeithoch dar, allein seit 2003 ist eine Steigerungsrate von 5,4% zu verzeichnen (alle Daten: Carbon Dioxide Information Analysis Center, Oak Ridge Laboratory).

Robert H. Socolow und Stephen W. Pacala vom Oak Ridge National Laboratory zeigen in einer Veröffentlichung von 2004 15 Wege auf, um die jährlichen Kohlenstoff-Emssionen mit aktuellen Technologien um eine Milliarde Tonnen zu verringern und damit dem Damokles-Schwert der extrapolierten Emissionswerte von 16 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in 50 Jahren die Schneide zu nehmen.

Damokles-Schwert
Richard Westall: „Das Schwert des Damokles“

Jede der im Folgenden aufgelisteten Strategien würde innerhalb der nächsten 50 Jahre eine jährliche Reduktion der Kohlenstoff-Emissionen um 1 Milliarde Tonnen bewirken:

Effizienz und Konservierung

Effizienz und Konservierung

  • Verbesserung der Verbrauchswerte von 2 Milliarden Autos bis 2058 um 50%.
  • Reduzierung der jährlichen Fahrleistung für Autos um 50%.
  • Erhöhung der Wirkungsgrades von Heizungen, Kühlungen, Beleuchtung und Geräten um 25%.
  • Erhöhung der Wirkungsgrades von Kohlekraftwerken von 40% auf 60%.
Einfang und Speicherung von Kohlenstoff

Einfang und Speicherung von Kohlenstoff

  • Einführung von Systemen zum Einfang und zur Speicherung von CO2 in der Erde bei 800 großen Kohlekraftwerken oder 1.600 Erdgas-Kraftwerken.
  • Benutzung von CO2-Einfangsystemen bei kohle-basierten Fabriken zur Produktion von Wasserstoff als Treibstoff für 1 Milliarde Autos.
  • Benutzung von CO2-Einfangsystemen bei kohle-basierten Fabriken zur Tages-Produktion von 30 Millionen Barrel synthetischem Treibstoff.
Energiequellen mit niedrigem Kohlenstoffanteil

Energiequellen mit niedrigem Kohlenstoffanteil

  • Ersatz von 1.400 großen Kohlekraftwerken durch Ergaskraftwerke.
  • Vollständiger Ersatz von Kohle durch Verdreifachung der aktuell installierten Basis von Atomkraftwerken.
Erneuerbare Energiequellen

Erneuerbare Energiequellen

  • Erhöhung der aktuellen Kapazität von Windkraftwerken um das 25-fache.
  • Erhöhung der aktuellen Kapazität von Solarkraftwerken um das 700-fache.
  • Erhöhung der aktuellen Kapazität von Solarkraftwerken um das 50-fache, um Wasserstoff für Autos mit Kraftstoffzellen zu erzeugen.
  • Erhöhung der aktuellen Produktion von Ethanol-basierten Biokraftstoffen um das 50-fache. Dazu würde 1/6 des weltweiten Ackerlandes benötigt.
  • Weltweites komplettes Stopp aller Wald-Rodungen.
  • Ausdehnung schonender Bodenbearbeitung auf das weltweit verfügbare Ackerland. Normales Pflügen setzt durch beschleunigte Verwesung organischer Materialien Kohlenstoff frei.