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Freitagsalon Brixen August 2012: In welche Richtung soll sich Brixen entwickeln?

In der Einführungsrunde trat klar zu Tage, dass es sich eigentlich in Brixen relativ gut leben lässt. Verschiedene Vorzüge wurden genannt, u.a. die Überschaubarkeit, Familienfreundlichkeit, generell eine hohe Lebensqualität, tolle Einrichtungen (wobei allerdings auch darauf hingewiesen wurde, dass deren Instandhaltung immer mehr Spesen für die Stadt bedeuten, gleichzeitig aber die zur Verfügung stehenden Mittel ständig geringer werden, weshalb die Gefahr besteht, dass man sich vielleicht doch zu viele Belastungen für die Zukunft aufbürdet, wenn laufend weitere aufwendige Strukturen dazukommen). Lobend hervorgehoben wurde weiters die Tatsache, dass sich Brixen heute als eine sehr lebendige Stadt präsentiert. Durch das Eröffnen verschiedener Gastbetriebe ist Leben in die Stadt eingekehrt, auch noch nach Ladenschluss. Von mehreren Diskussionsteilnehmern wurde der Wunsch geäußert, die neue Bibliothek möglichst bald zu realisieren.

Bei diesen Vorschusslorbeeren hat der Bürgermeister dann angeknüpft. Er hat uns einen guten Überblick darüber gegeben, was alles in der Vergangenheit erreicht werden konnte, was man z.Z. dabei ist, umzusetzen und welche Vorhaben in Zukunft anzugehen sind.

Albert Pürgstaller hat zuallererst einmal darauf hingewiesen, dass man in den vergangenen Jahren viel in Konzept- und Planungsarbeit investiert hat. Zuerst wurde ein Leitbild für die Gemeinde Brixen erstellt, daraufhin hat man einen Masterplan ausarbeiten lassen unter großer Beteiligung der Bevölkerung, und z.Z. ist man dabei den Bauleitplan und den Landschaftsplan zu überarbeiten.

Ein wichtiges Anliegen von Anfang an war die Stärken-Schwächen-Analyse. Vier positive Eigenheiten der Stadt wurden dabei besonders hervorgehoben (z.T. wurden sie auch schon von den Diskussionsteilnehmern eingangs angesprochen):

  • Die Stadt ist gut überschaubar (auch aufgrund deren Größe).
  • Sie ist nach wie vor persönlich (man kennt sich in der Stadt und nimmt sich Zeit füreinander).
  • Es herrscht ein reges Leben und Treiben in der Stadt (diesbezüglich hat Brixen in den vergangenen Jahren viel aufgeholt).
  • Die Stadt ist reich an kultur-historischen Schätzen und Baulichkeiten.

In der Folge sind die wichtigsten Informationen, die uns der Bürgermeister über die verschiedenen Sachbereiche geliefert hat, aufgelistet.

Demographie: In der Gemeinde Brixen leben 20.857 Personen; 78 % in Brixen/Milland und 22 % in den Fraktionen. Jugend und alte Menschen sind im Gleichgewicht (Meran weist im Vergleich zu Brixen eine erblich ältere demographische Struktur auf). Um 170 bis 180 Personen pro Jahr nimmt die Bevölkerung in unserer Gemeinde zu. Brixen weist ein positives Wanderungssaldo auf, das wohl vor allem auf die gute Lebensqualität, eine günstige Mobilität, aber auch auf das Vorhandensein interessanter Arbeitsplätze zurückzuführen ist. Die Bevölkerung ist in jüngster Zeit bunter geworden: 70 Nationen sind hier zu Hause, womit gewisse Herausforderungen, aber auch Chancen verbunden sind.

Bauleitplan: Der heute gültige Plan ist mittlerweile 15 Jahre alt, weshalb es an der Zeit ist, ihn zu überarbeiten. Der neue Bauleitplan sieht ca. 400 neue Wohneinheiten vor. Gemäß zu erwartendem Bevölkerungszuwachs müssten es zwar mehr sein, aber man möchte aus politischer Sicht die Entwicklung in der Verbauung doch etwas einbremsen. All zu wenig Wohnungen dürfen es allerdings auch wieder nicht sein, ansonsten hat dies negative Auswirkungen auf die Preisentwicklung im Immobiliensektor. Die neue Wohnkubatur soll weiters nicht nur auf die Stadt beschränkt werden; es sind auch in den Fraktionen neue Wohnbauzonen vorgesehen. Neue Gewerbezonen sind nicht geplant, da relativ viele freistehende Hallen vorhanden sind.

Wirtschaftliche Entwicklung: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es eine ganze Reihe von gut aufgestellten Betrieben in Brixen gibt. Woran es aber fehlt, sind gut ausgebildete Fachkräfte. Auch die logistische Anbindung lässt zu wünschen übrig. Dem Handwerk gehen Aufträge verloren, weil die vielfach kleinen Betriebe viel zu wenig miteinander arbeiten. Im Handel gibt es eine große Anzahl an Betrieben, die einzelnen Sparten sind allerdings nicht ganz ausgewogen vertreten. Auch bei den Öffnungszeiten hapert es noch ein bisschen: in der Mittagszeit halten zu wenig offen.

Tourismus: Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Betrieben, die im Niedrigpreissegment arbeiten; Pensionen und Garnis mit Preisen von 50-60 € pro Übernachtung. Bei diesen Einkünften bleibt nicht viel Geld übrig für Investitionen. Umso wichtiger ist deshalb für Brixen die Ansiedelung einiger größerer Leitbetriebe. Geplant sind drei neue Hotels am St. Anderer-Berg (eins oberhalb Mellaun in den Kojawiesen, ein anderes bei der Talstation der Plose-Umlaufbahn und ein weiteres in deren Nähe). Auch ein Cityhotel soll entstehen, damit endlich bei größeren Kongressen in der Stadt die Nachfrage nach Unterkünften abgedeckt werden kann. Das Marketing für Stadt und Tourismus gilt es zu verbessern, ebenfalls die Infrastrukturen (Hotels, Seilbahn, Umfahrung, Südspange, Autobahnanschluss, Citybus, Zug/Bahnhof, Fahrradwegenetz, Wanderwegenetz, Hofburggarten). Beim Stadtmarketing ist leider das Interesse und die Beteiligung von Seiten der Wirtschaftstreibenden nicht zufrieden stellend, es fehlt z.T. die notwendige Vernetzung (z.B. wird die Veranstaltung IMS viel zu wenig von den Geschäften unterstützt). Bezüglich Hofburggarten läuft z.Z. ein Gestaltungswettbewerb: die Anlage soll nicht für große Events und Attraktionen ausgerichtet werden, Legenden, Mythen, Ruhe und Mystik sollen im Mittelpunkt stehen.

Energie: Der Ausbau der Fernwärme und auch der Einsatz von Biomasse sind ein wichtiges Ziel. Auch den Energiehaushalt der Häuser gilt es noch zu verbessern (Isolierung). Ein weiteres wichtiges Anliegen der Stadt ist es, eine Beteiligung bei der Stromproduktion zu erreichen (in diesem Zusammenhang läuft ein Rekurs gegen das Land). Die Verlegung der Hochspannungsleitungen aus den Siedlungsgebieten darf schließlich auch nicht aus den Augen verloren werden.

Hochwasserschutz: Der Eisack im Raum Brixen stellt im Falle von großen Niederschlagsereignissen eine erhebliche Gefahr dar. Das Schadenspotential ist heute wegen der zahlreich vorhandenen Infrastrukturen und den ausgedehnten urbanen Bereichen um ein Vielfaches größer. In einem breit angelegten Flussraummanagementprojekt sollen Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz erarbeitet und umgesetzt werden. Neben dem Hochwasserschutzziel soll aber auch die ökologische Seite und der Erholungsaspekt nicht zu kurz kommen.

Familie: Neue Kinderbetreuungsmodelle gilt es neben den bestehenden (Kinderhort Tagesmutter usw.) anzustreben.

Alte Menschen: Die Zunahme der Menschen mit höherem Alter erfordert neue Betreuungsangebote. Gedacht wird neben Altersheimen auch an Wohngemeinschaften für alte Menschen.

Kultur: Nachholbedarf gibt es in der Jugendkultur. Dabei ist ein für alle Sprachgruppen zugängliches Kulturprogramm zu entwickeln. Bezüglich Bibliothek kann nach den Standortdiskussionen und den zähen Verhandlungen zum neuen Standort im Herbst voraussichtlich mit der definitiven Planung gestartet werden (für das Projekt beim ehemaligen Gefängnis). Die Musikschule wollte man ursprünglich mit der Uni zusammenbringen. Dies hat nicht geklappt; nun soll sie im Prielgelände entstehen. Im Schulbereich wurde ganz allgemein darauf verwiesen, dass man in Sachen Investitionen einen guten Stand erreicht hat.

Sport: Das Sportzentrum Süd ist mittlerweile 30 Jahre alt und muss dringend überarbeitet werden.

Getrennte Sporteinrichtungen nach Sprachgruppen soll es in Zukunft nicht mehr geben, das können wir uns nicht leisten. Schlecht steht es auch um die Eishalle, die möglicherweise wohl den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen wird.

Quartiermanagement: In den Fraktionen funktioniert das soziale Netzwerk noch relativ gut, in der Stadt aber weniger. Deshalb ist dort eine gewisse Gefahr gegeben, dass Menschen nicht mehr aufgefangen werden und vereinsamen. Aus diesem Grund bzw. ganz generell um Gemeinschaftsinteressen gegenüber Einzelinteressen voranzustellen, soll ein Quartiermanagement eingeführt werden.

Nach dieser ausführlichen Einführung blieb doch noch einige Zeit für die Diskussion übrig. Es gab verschiedene Anregungen, Kritikpunkte und ganz allgemeine Stellungsnahmen, aber auch Lob für das Erreichte fehlte nicht. (In Klammern und kursiv sind die Antworten des Bürgermeisters zu finden.)

Verkehr: Verbesserungen beim Citybusnetz wurden angesprochen (Verbindungen mit den Fraktionen, Vahrner See, bessere Abstimmung mit Zug). Die geringe Auslastung der Westumfahrung wurde angeprangert, aber auch die Notwendigkeit des Mittelanschlusses angezweifelt genauso wie die Errichtung einer Seilbahn von Brixen nach St. Andrä (bei abnehmenden Skifahrerzahlen und immer unsicher werdenden Schneeverhältnissen). Auch andere Trassen für die Seilbahn wurden vorgeschlagen. Weiters wurde die Frage an den Bürgermeister gerichtet, warum es noch zu keinem Rückbau der Staatsstraße durch die Stadt gekommen ist. (Der Bürgermeister nahm viele Vorschläge positiv auf, gerade bezüglich Citybus sind gewisse Verbesserungen sicher noch möglich, er betonte auch, dass gerade in der Mobilität ein vernetztes Denken von großer Wichtigkeit ist. Die Westumfahrung wird scheinbar immer besser angenommen, nachdem sie mittlerweile im Navigator-Straßennetz aufscheint. Vom Mittelanschluss genauso wie von der Umfahrung in Vahrn erhofft man sich eine weitere spürbare Entlastung der Straße durch die Stadt. Die Seilbahn wird nicht nur für den Skibetrieb errichtet; allein dafür gäbe sie keinen Sinn. Es soll grundsätzlich eine bessere Verbindung der Stadt mit dem Berg geschaffen werden, vor allem auch für den Sommer. Deshalb gibt eine Talstation in Albeins oder in der Industriezone keinen Sinn. Der Bürgermeister verwies schließlich noch darauf, dass es auch in anderen und noch viel größeren Städten ähnliche Bahnen gibt; auch das Geräuschproblem ist zufrieden stellend gelöst: die Kabinen der Seilbahn werden gezogen und bewegen sich nicht auf Rollen.)

Sprachgruppen: Dass man nun gewillt ist, die Sprachgruppen besser zusammenzubringen, wurde positiv gesehen. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass dies in der Vergangenheit nicht so gut geklappt hat, wenn man daran denkt, dass immer wieder Parallelstrukturen für die jeweiligen Sprachgruppen geschaffen wurden (z.B. zwei Jugendzentren). Jetzt aber unter dem Druck des Sparens ist es plötzlich möglich solche Einrichtungen zusammenzuführen. (Für das neue sprachgruppenübergreifende Jugendzentrum wird als Standort das Astrakino angedacht.)

Quartiermanagement: Eine Initiative in diese Richtung wurde begrüßt, aber auch gleichzeitig nachgefragt, wie dies funktionieren soll. (Der Bürgermeister nannte das Beispiel Rosslauf, ein Viertel, das in kurzer Zeit sehr schnell und stark gewachsen ist. Die Menschen dort waren sich lange fremd und es gab wenig Gemeinsames. Mittlerweile hat sich die Situation etwas verbessert. Dazu braucht es gemeinsame Initiativen (z.B. Feste). Das kann aber nicht alles die öffentliche Hand in die Wege leiten, es braucht das Engagement vor Ort. Vereine können diesbezüglich sehr hilfreich sein. Er sprach auch das Wohnprojekt Schenoni an, wo insbesondere auf das Anliegen des Miteinanderwohnens mehrerer Generationen eingegangen werden soll.)

Bibliothek – Finanzierungen: Es zeigte sich, dass diese Einrichtung für viele ein besonderes Anliegen darstellt. Eine konkrete Frage lautete, ob das Gebäude der neuen Bibliothek letztlich der Gemeinde gehören wird oder angemietet werden muss. Wie steht es überhaupt mit der Finanzierung all der verschiedenen Vorhaben der Gemeinde? (Der Bürgermeister versicherte, dass die für die Bibliothek notwendigen Räumlichkeiten auf die Gemeinde übergehen: die Finanzkaserne, das Ex-Gefängnis und eine Kubatur der Diözese. Die Kosten für diese Einrichtung werden auf 5,5 Millionen € geschätzt. Möglicherweise ist dafür der Verkauf anderer gemeindeeigenen Immobilien notwendig. Die Musikschule wird zu 90 % vom Land finanziert. Das Projekt Stadt-Land-Fluss wird mit EU- und Landesgeldern bestritten. Bei der Erneuerung des Sportzentrums hingegen wird es wohl etwas langsam vorangehen, da dafür derzeit die Gelder fehlen. Es wurde auch noch das Priel-Gelände erwähnt, wo die Parkplätze wegkommen und stattdessen ein Stadthotel und die Musikschule geplant sind sowie ein Platz für die Märkte und für Konzerte)

Am längsten ging die Diskussion über die Seilbahn, aber auch zum Hofburggarten gab es konträre Meinungen (allerdings liegen diesbezüglich z.Z. keine konkreten Projekte noch vor). Grundsätzlich konnte angesichts der zahlreichen und teilweise auch groß dimensionierten Infrastrukturprojekte und Vorhaben bei einigen Diskussionsteilnehmern ein gewisses Unbehagen festgestellt werden. Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns mit all diesen Projekten letztlich übernehmen, noch dazu in Anbetracht der Tatsache, dass die Gelder immer weniger werden, jedenfalls im öffentlichen Sektor? Welche Belastungen bürden wir damit den zukünftigen Generationen auf? Wurde nicht immer wieder – und zwar vor allem auch von politischer Seite – betont, in Zukunft mehr in Köpfe anstatt in Beton zu investieren?

Freitagsalon Brixen März 2012: Es lebe der Sport

Sport begeistert zwar einerseits zahlreiche Gemüter, andererseits gibt es aber auch viele Menschen, für die Sport keinerlei Bedeutung hat und deshalb dafür wohl auch kaum ein Interesse dafür aufbringen. Ich hatte deshalb schon ein paar Zweifel, ob Sport ein abendfüllendes Thema für unsere Diskussionsrunde sein kann. Meine Zweifel wurden nicht bestätigt, im Gegenteil, das Thema bescherte uns einen besonders lebendigen Diskussionsabend, der uns aufzeigte, wie vielschichtig die Thematik rund um den Sportbetrieb ist und wie tief der Sport unser Gesellschaftssystem durchdringt. So mancher, der sich denkt, damit habe er ganz sicher gar nichts zu tun, kann von heute auf morgen plötzlich eines ganz anderen belehrt werden.

Mit Peter Perez haben wir sicherlich keinen klassischen Sportfunktionär zu unserem Treffen eingeladen, aber dennoch jemanden, der einen guten Einblick in das Sportgeschehen hat und zwar nicht nur aus der Warte eines passiven Zuschauers und Beobachters, sondern auch als jemand, der mitten im Sportgeschehen steht. Er ist selbst kein aktiver Leistungssportler und war es auch nie, kriegte aber als Bruder von Bibiana Perez, für die er auch zeitweise die PR-Arbeit leistete, Einiges von der Welt des Sports mit, vor allem auch wie das Leben einer Leistungssportlerin aussieht. Bibiana Perez konnte immerhin einige stolze Ergebnisse im alpinen Skiweltcup erzielen. Insgesamt sechsmal fuhr sie aufs Podest, darunter gab es auch einen ersten Platz in der Kombination.

Heute ist Peter über den Damenfußball mit dem Sport verbunden. Er ist als Pressesprecher für die PR-Arbeit des Damenfußballvereines CF SÜDTIROL VINTL DAMEN zuständig, nachdem er mehrere Jahre auch dessen Vizepräsident war.

Der Damenfußball ist eine Sportwelt für sich und hat nicht viel mit dem Herrenfußball zu tun; man kann sie fast als zwei verschiedene Sportarten betrachten. Frauen spielen wesentlich langsamer, aber eleganter. Das kraftvolle Spiel der Männer wirkt völlig anders. Eine Frauenmannschaft wird gegen eine Männermannschaft kaum eine Chance haben. Auch ein Erstligist in der nationalen Frauenfußballmeisterschaft wird mit großer Wahrscheinlichkeit gegen eine Herrenmannschaft einer Amateurliga kaum eine Chance haben. So mancher eingefleischter Fußballfan, der gewohnt ist Herrenfußball zu sehen, wird möglicherweise Damenfußball gar nicht schön und interessant finden. Die Zuschauerzahlen bei den Spielen halten sich in Grenzen und eine Profiwelt (wie dies bei den Männern schon ab der zweiten Division zutrifft) gibt es beim Damenfußball so gut wie nicht (jedenfalls bis heute nicht, wobei gesagt werden muss, dass es sich um eine sehr junge Disziplin handelt). Was Peter noch beobachtet hat, ist, dass bei uns der Stellenwert der Frau ein höheres Niveau erreicht hat als im restlichen Italien. Nichtsdestotrotz muss gesagt werden, dass auf rein sportlicher Ebene der Frauenfußball in den norditalienischen Metropolen weiter entwickelt ist als in Südtirol (diesen Mannschaften stehen einfach mehr Mittel zur Verfügung als bei uns). Der CF SÜDTIROL VINTL DAMEN ist leider nach einer Saison in der ersten nationalen Liga wieder in die zweite Liga abgestiegen.

Wieso spielen Frauen überhaupt Fußball?

Peter ist überzeugt, dass das Spielen mit einem Ball etwas ganz Natürliches ist. Buben wie Mädchen können daran Freude finden. Wenn man einem Kind  einen Ball gibt, wird es sich damit zu unterhalten wissen (egal ob Mädchen oder Bub), wenn auch vielleicht nicht ganz auf derselben Art und Weise.

Für Peter steht der soziale, pädagogische und ganz allgemein der gesellschaftliche Aspekt beim Sport im Vordergrund. Mannschaftssportarten spielen diesbezüglich eine besonders wichtige Rolle. Es kann dadurch das Gemeinschaftsleben und ganz allgemein das soziale Verhalten gefördert werden. Sport dient der Vorbeugung Bezug auf Gewalt gegen Frauen und trägt mit dazu bei dem Alkoholproblem, das bei gewissen Gruppen von Jugendlichen und in zunehmendem Maße auch bei Mädchen ein gewisses Problem darstellt, Herr zu werden.

Es gab in diesem Zusammenhang aber auch einige kritische Bemerkungen von Seiten der Diskussionsteilnehmer. Unter gewissen Umständen kann es passieren, dass gerade bei Sportgruppen sich die Gewohnheit, Alkohol zu trinken, einschleicht und durch die Gruppendynamik noch verstärkt wird. Die Regel wird es aber wohl nicht sein, denn wer Leistungen im Sport erbringen will, kann es sich wahrscheinlich nicht leisten, regelmäßig tief ins Glas zu schauen.

Für die persönliche Entwicklung, auf die der Sport einwirken kann, sind noch eine Reihe anderer Aspekte anzuführen. Z.B. lernen Kinder, durch die regelmäßige Ausübung einer Sportart, sich für etwas durchzukämpfen, auf andere Dinge zu verzichten, um ein sportliches Ziel zu erreichen, sowie ganz allgemein zielgerichtet und strebsam zu sein. Im Leistungssport werden allerdings einige dieser positiven Eigenschaften auf die Spitze getrieben und die sportliche Tätigkeit selbst kann geradezu Suchtcharakter erhalten. Dies ist wohl der Grund, warum so mancher erfolgreicher Leistungssportler (z.B. Ex-Skirennläufer Peter Runggaldier) seinen Kindern nicht empfiehlt, diese Laufbahn einzuschlagen.

Sport ist auch oft mit Niederlagen verbunden, deshalb wird eine weitere Tugend herausgefordert, nämlich die Fähigkeit verlieren zu können.

Schließlich kann Sport einen wichtigen und interessanten Ausgleich anbieten für den Stress, den leider auch in zunehmendem Maße Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind durch Schule und verschiedene andere Verpflichtungen. Kinder haben heute vielfach einen kaum weniger dichten Stundenplan als die Erwachsenen. Damit Sport diese Ausgleichsfunktion erfüllen kann, müssen die sportlichen Aktivitäten unter möglichst wenig Leistungsdruck betrieben werden, ansonsten werden Stress und Belastung der Kinder nur noch verstärkt. Kein Zweifel besteht jedenfalls darüber, dass ausreichend Bewegung dazu beiträgt, Körper und Geist in ein gutes Gleichgewicht zu bringen (mens sana in corpore sano).

Beim Leistungssport stehen diese Dinge nicht im Vordergrund: es geht um den Wettkampf und ums Business. Sportfunktionäre stehen unter Erfolgszwang, denn nur Erfolge lassen sich verkaufen und sie lassen sich in unserer Zeit sogar sehr gut verkaufen. D.h. wer im Sport Erfolge erzielt, kann darauf ein gutes Business aufbauen. Ab diesem Moment aber gelten für die betreffenden Sportler und Vereinsfunktionäre ganz andere Gesetzes, wirtschaftliche Interessen und Gesetzmäßigkeiten werden bestimmend.

Beim Fußball z.B. geraten erfolgsversprechende Talente schon im zarten Kindesalter in diesen Strudel. Die Verbände sichern sich ab. Kein Fußballclub bildet gerne Fußballer für andere Vereine aus. Die jungen Fußballer gehören in einem gewissen Sinn dem Verein und zwar jenem, von dem sie ausgebildet werden. Sie dürfen bei anderen Vereinen nur spielen, wenn von diesen eine vereinbarte Summe auf dem Tisch gelegt wird. Mit dieser ökonomischen Sicht mit einher geht auch die Tatsache, dass die Verbände in der Regel nur jene Kinder fördern, die gewisse Resultate erzielen. Diese Kinder haben dann vielfach ein Trainingsprogramm zu absolvieren, das neben der Schule nicht viel Spielraum für andere Aktivitäten übrig lässt, die allerdings für die Entwicklung des Kindes nicht weniger wichtig wären.

Um im Leistungssport in den vordersten Reihen mithalten zu können, braucht es nicht nur Talent, sondern auch die notwendige Charakterstärke dazu und die Fähigkeit, sich für ein sportliches Ziel voll und ganz einzusetzen, die Kräfte dafür zu bündeln. Druck von Außen, z.B. von den Eltern, ist diesbezüglich nicht immer förderlich, kann unter Umständen sogar kontraproduktiv sein. Dies heißt nicht, dass Eltern deren Kinder in ihrer sportlichen Laufbahn nicht auch unterstützen und sie für bestimmte Sportarten begeistern können.

Bei gewissen Massensportarten, wie Fußball, ist es schwer, an die Spitze zu kommen. Einmal dort angelangt, spielen die Leistungsträger eine wichtige Rolle, stehen aber auch unter einem großen Druck. Die großen Sportler ziehen viele Menschen mit und heizen das Geschäft an. Denken wir an den italienischen Skistar Alberto Tomba und welche Bedeutung er für die Skiindustrie sowie insgesamt für den Skisport in Italien hatte.

Genau diese ökonomische Seite des Sports wurde in der Diskussionsrunde auch immer wieder kritisiert. Das Sportbusiness und die damit verbundenen Auswüchse nehmen Ausmaße an, die nur mehr schwer gerechtfertigt werden können. Spitzenfußballer z.B. verdienen Millionen, gigantische Summen fließen in die Werbung, die letztlich der Konsument durch den Kauf gewisser Produkte zu finanzieren hat. Die Wirtschaft braucht also die Spitzensportler, damit das Interesse für gewisse Sportarten aufrechterhalten bleibt. Sportler sind Mittel zum Zweck nicht nur für die jeweiligen Sportvereine, sondern auch für ganze Wirtschaftszweige. Solange die Leistungen stimmen, werden sie gefeiert, fallen die Leistungen ab, sind sie meistens relativ schnell weg von der Bildfläche. Diesem Leistungsdruck können nicht alle standhalten. In vielen Sportarten ist Doping an der Tagesordnung (wobei zur Verteidigung der Sportler zu sagen ist, dass sie in vielen Fällen gar nicht wissen, dass sie gedopt werden). Bei einem nicht unerheblichen Teil der Leistungssportler sind gesundheitliche Schäden die Folge und in regelmäßigen Abständen kommt es zu Todesfällen. Das ist der Tribut, den der Sportzirkus zu zollen hat, weshalb die Sportler oft als die Gladiatoren unserer Zeit bezeichnet werden. Das Sportgeschehen selbst dient ja vor allem auch der Unterhaltung und der Ablenkung des Volkes, ganz nach dem Motto, das im alten Rom herrschte: „panem et circensem“.

Sport wird mitunter mit einem modernen Krieg gleichgesetzt. Das mag in gewisser Hinsicht auch zutreffen, aber der Krieg in der Sportwelt wird mit Sicherheit nie die Ausmaße des heute grassierenden ökonomischen Krieges erreichen.

Viele Diskussionsteilnehmer wünschen sich deshalb, dass der Sport wieder auf ein menschlicheres Niveau gebracht wird. Dies kann nur gelingen, wenn die ökonomischen Verstrickungen abnehmen, denn überall dort wo das Geld regiert, spielt der Mensch nur eine untergeordnete Rolle.

Dabei handelt es sich wohl um ein gesellschaftliches Problem. Unzufriedenheiten aber auch der Ehrgeiz, besser zu sein als der andere (gerade dieser Ehrgeiz stellt im Sport eine ganz wichtige Triebfeder dar) oder auch nur besser dazustehen als der andere, sind weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Welche die Hintergründe für dieses Verhalten sind, ist nicht so leicht zu ergründen. Fakt ist jedenfalls, dass ohne diese Unzufriedenheiten unsere Konsum- und Wirtschaftswelt gar nicht funktionieren würde: einem glücklichen Mönch wird man nämlich kaum imstande sein, einen Mercedes zu verkaufen.

Ankündigung Freitagsalon März 2012: „Es lebe der Sport“

Der nächste Freitag-Salon findet am 30. März 2012, um 21.00 Uhr im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock) statt.

Das Thema lautet: „Es lebe der Sport“

Sport übt eine große Faszination auf viele Menschen aus. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe für die Ausmaße, die der Sportbetrieb mittlerweile angenommen hat. Dahinter steht weiters ein großes Business, das keine geringere Triebfeder darstellt.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die beanstanden, dass die Leistungssportler einem geradezu unmenschlichen Druck ausgesetzt sind, dass sie ihre Kindheit und Jugend opfern usw. Wie weit ist die wirtschaftliche Dimension in diesem Bereich gerechtfertigt? Auch die hohen Gehälter und Werbeeinnahmen, die gewisse Spitzensportler kassieren, werden in einer Zeit wie dieser immer häufiger in Frage gestellt.

Peter Peres, Pressesprecher des Damenfussballvereins CF Südtirol Fussball Damen und Bruder einer Ex-Skirennläuferin (Bibiana Peres, Siegerin von fünf Weltcuprennen), wird uns auf all diese Fragen Einiges zu berichten wissen.