Archiv für März 2008

Vor einiger Zeit haben wir uns auf das Preisausschreiben von Google hin im Bekannten- und Kollegenkreis umgehört, ob der Willen und das Fachwissen im beschaulichen Südtirol wohl reichen würde, um die hochgesteckten Ziele einer Mondlandung mit allen geforderten Nebenbedingungen zu erfüllen. Neben kleineren technischen Problemen kamen zu Recht große Bedenken wegen der Finanzierbarkeit eines derartigen Unterfangens auf, sodass die ganze Geschichte wieder verworfen wurde.

Vielleicht sollte man auch einfach ganz klein anfangen und dann nach höheren Zielen greifen. Für diesen Weg haben sich ganz eindeutig die Gewerbeoberschulen Bozen und Meran sowie die Amateurastronomen Max Valier entschieden, wollen sie doch bis zum Jahr 2010 einen selbst konstruierten Satelliten starten, der den Namen “Max Valier” tragen soll. Als ehemaliger Schüler der Gewerbeoberschule Bozen hat sich Manfred Fuchs der Sache angenommen und will das Vorhaben finanziell und know-how-mäßig unterstützen.

Die Hochschule Bremen hat mehrere Konzepte erarbeitet, im Folgenden ist die Variante “BremSat.nano” skizziert, die offensichtlicherweise für den Satelliten zum Einsatz kommt:

Südtirol-Satellit: Entfaltungs-Konzept
Südtirol-Satellit: Das Entfaltungs-Konzept.

Südtirol-Satellit: Design-Details der Vorderseite
Südtirol-Satellit: Design-Details der Vorderseite.

Südtirol-Satellit: Design-Details der Rückseite
Südtirol-Satellit: Design-Details der Rückseite.

Eckdaten des Satelliten

  • Gewicht: 10 kg - 25 kg.
  • Orbit-Höhe: 400 km.
  • Umlaufzeit: 90 min.
  • Kosten: 200.000 € - 300.000 €.
  • Erwartete Lebensdauer: 5 Jahre.

Aufgaben

  • Gewerbeoberschule Bozen: Elektronik, Programmierung, Mechanik.
  • Gewerbeoberschule Meran: Nachrichtentechnik, Messtechnik, Auswertung von Kamerabildern.
  • Amateurastronomen Max Valier: Röntgen-Astronomie in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik.
  • Provinz Bozen: Datenauswertung für Zivilschutz Raumordnung.

Quelle: Präsentation Satellit der Amateurastronomen Max Valier.

Projektphasen

  • Frühjahr 2008: Projektplanung, Projektstart.
  • Schuljahr 2008/2009: Entwicklung und Test.
  • Herbst 2009: Zusammenbau.
  • Frühjahr 2010: Start mit Trägerrakete.
  • Frühjahr 2010 bis ca. 2015: Betrieb im Orbit, Datenerfassung.

Quelle: LVH-APA-Portal.

Die Gewerbeoberschule Bozen hat eine eigene Projektseite eingerichtet, die laufend aktualisiert werden soll, zur Zeit aber noch dürftige Informationen bietet.

Comments Kein Kommentar »

Google wirft ob seiner 20%-Regelung mittlerweile fast im Wochenrhythmus neue Anwendungen und APIs ins Feld, wobei die vor Kurzem frei gegebene Google AJAX Translation API wohl nicht nur für das mehrsprachige Südtirol sehr interessant sein dürfte. Ben Lisbakken stellte die neue API am 20. März 2008 im entsprechenden Google-Entwickler-Blog vor und gibt eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung, um mit der brandneuen API die erste Anwendung zu erstellen.

Die Javascript-Bibliothek gestattet es, die 2 Hauptbereiche Sprach-Übersetzung und Sprach-Erkennung abzudecken und akzeptiert aktuell 13 Sprachen sowie 29 Übersetzungs-Paare. Auf Grund der niedrigen Versionsnummer lassen sich Fehler und Ungereimtheiten nicht vollständig ausschließen, unsere kurzen Übersichtstests haben jedenfalls keine Unstimmigkeiten aufdecken können.

Zu Beginn muss die API eingebunden werden:

1
<script type="text/javascript" src="http://www.google.com/jsapi"></script>

Als nächster Schritt werden die API-Funktionen über den AJAX API Loader geladen:

1
google.load( "language", "1" );

Vor der Benutzung irgendwelcher Funktionen muss die Seite vollständig geladen sein. Die AJAX-API bietet dazu eine Standardmethode, welche die übergebene Funktion aufruft, wenn die Seite vollständig geladen ist. In dieser Funktion können dann alle notwendigen Initialisierungen und Methodenaufrufe platziert werden:

1
google.setOnLoadCallback( OnLoadCallback );

Innerhalb der Load-Callback-Funktion lassen sich alle Funktionalitäten der API nutzen, ein Übersetzungsaufruf benötigt den zu übersetzenden Text, die Quell- und Zielsprache sowie eine Callback-Funktion, welche das Ergebnis des Aufrufs als Objekt übergeben kriegt:

1
2
3
4
5
6
google.language.translate( 'traduzione', 'it', 'de',
    function( Result )
    {
        alert( Result.translation );
    }
);

Für die verwendbare Sprache gibt es eine Liste von Kürzeln.
Die Nutzung der Spracherkennung erfolgt analog, das Ergebnis des Aufrufs wird wiederum als Objekt an die Callback-Funktion übergeben:

1
2
3
4
5
6
google.language.detect( 'traduzione',
    function( Result )
    {
        alert( Result.language );
    }
);

Einen unbekannten Text könnte man wie folgt übersetzen:

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
strUnknownText = 'lingua sconosciuta';
google.language.detect( strUnknownText,
    function( Result )
    {
        if( !Result.error && Result.language ){
            google.language.translate( strUnknownText, Result.language, 'de',
                function( Result )
                {
                    if( Result.translation ){
                        alert( Result.translation );
                    }
                    else {
                        alert( Result.errror.message );
                    }
                }
            );
        }
        else {
            alert( Result.error.message );
        }
    }
);

Die folgende Beispiel-Anwendung zeigt einen einfachen Keyword-Parser und erlaubt es, die Keywords aus dem Meta-Bereich einer beliebigen Html-Seite auszulesen, deren Sprache zu bestimmen und in 3 verschiedenen Sprachen auszugeben:

Url: http://
Status:
Erkannte Sprache:
Deutsche Keywords:
Italienische Keywords:
Englische Keywords:

Das Beispiel bestimmt zunächst die native Sprache der Keywords und übersetzt diese dann an Hand der gültigen Übersetzungspaare in die fehlenden Sprachen. Ist die Spracherkennung unzuverlässig, wird entweder die Seitensprache verwendet oder aber ‘deutsch’ als Default-Sprache.

Die komplette API-Referenz mit hilfreichen Zusatzinfos und Beispielen kann hier gefunden werden, das obige Beispiel basiert auf dem Mootools-Framework.

Comments 1 Kommentar »

Für eine Auflistung der größten wissenschaftlichen Leistungen des 20. Jahrhunderts würde sicher auch die Entdeckung von Strukturen in der kosmischen Hintergrundstrahlung herhalten müssen, 1996 wurden die daran beteiligten Forscher sogar mit den Nobelpreis ausgezeichnet.

Im frühen heißen Plasma des Universums konnten aus dem Urknall stammende Photonen nicht allzuweit reisen, ohne von Elektronen gestreut zu werden. Erst ca. 380.000 Jahre nach dem Urknall rekombinierten die freien Elektronen mit Protonen zu neutralen Wasserstoffatomen, Licht konnte sich somit über weite Strecken frei ausbreiten, ohne gestreut zu werden. Wegen des Expansion des Universums wurde die Wellenlänge der Photonen gedehnt, es entstand die kosmische Hintergrundstrahlung, eine zeitlich eingefrorene Karte der Struktur des frühen Universums.

Die Daten des COBE-Satelliten aus dem Jahr 1993 sowie mit größerer Detailschärfe auch jene des WMAP-Satelliten aus dem Jahr 2003 zeigen kleine Temperaturschwankungen, welche die kosmische Hintergrundstrahlung durchsetzen.

Satellit COBE: Hintergrundstrahlung
Hintergrundstrahlung aufgenommen durch den Satelliten COBE.

Satellit WMAP: Hintergrundstrahlung
Hintergrundstrahlung aufgenommen durch den Satelliten WMAP.

Diese Daten sollen zeigen, dass die Massenverteilung im frühen Universum keineswegs gleichförmig sondern von Regionen unterschiedlicher Dichte durchsetzt war, aktuellen kosmologischen Modellen zu Folge die Ursache für Galaxien und andere großräumige Strukturen des heutigen Universums.

Nun rüttelt Gerrit L. Verschuur von University of Memphis in Tennessee kräftig am Gedankengebäude des Urknalls. Er untersuchte die Messdaten des Leiden-Argentina-Bonn-Surveys (LAB), der ersten vollständigen Himmelsdurchmusterung der Verteilung von neutralem Wasserstoff und entdeckte Ähnlichkeiten mit den Strukturen der Verteilung neutralen Wasserstoffs in der Milchstraße. Mit anderen Worten: Die mit den Satelliten gemessenen Fluktuationen könnten überhaupt kein Bestandteil der kosmischen Hintergrundstrahlung sein. Alle aus den vermeintlichen Dichteschwankungen (direkt oder indirekt) erhaltenen Kuriosa wie Dunkle Energie und Dunkle Materie würden dadurch in Frage gestellt.

Dass einigen Wissenschaftlern derart radikale Erkenntnisse sauer aufstoßen, dürfte klar sein. Kate Land von der University of Oxford in England und Anže Slosar von der University of Ljubljana in Slowenien verglichen verschiedene Karten des LAB- und WMAP-Surveys in verschiedenen Frequenzbändern und auf verschiedenen Skalen mit Monte-Carlo-Methoden, haben aber keine statistisch relevanten Korrelationen gefunden.

Comments Kein Kommentar »

Laut UNEP-Direktor (United Nations Environment Programme) Achim Steiner sendet der Klimawandel viele Alarmsignale aus, das UNEP will dafür sorgen, dass diese auch gehört werden. Darunter seien die Gletscher

…unter denen, die besonders laut sind, und jeder sollte aufmerken und hinhören.

Die weltweite Gletscherschmelze legt laut einer Untersuchung des Gletscherüberwachungszentrums der Universität Zürich jedes Jahr einen Zahn zu und hat mittlerweile ein alarmierendes Tempo erreicht: In den letzten 2 Jahrzehnten bis zur Jahrtausendwende haben demnach die 30 Referenz-Gletscher der Studie durchschnittlich 30 Zentimeter Dicke pro Jahr verloren, seit 2000 stieg der Verlust auf 50 cm pro Jahr, in den letzten Jahren war gar eine jährliche Abnahme von 70 cm zu verzeichnen.

Eisverlust: Mittlere kumulative spezifische Netto-Balance
Eisverlust: Mittlere kumulative spezifische Netto-Balance in mm Wasser-Äquivalent für den Zeitraum 1980 bis 2006.

Es folgt das Übliche: Der aktuell sichtbare Trend lässt kein Ende erahnen, das Phänomen kann Auswirkungen haben auf Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie und Wasserkraftwerke nach sich ziehen - wenn bei der nächsten Klima-Konferenz 2009 in Kopenhagen die Regierungen keine verbindliche Reduktion der Emissionen vereinbaren können, werden uns die Handlungsoptionen buchstäblich davonschmelzen.

Vergleich: Grinnel Glacier 1938 und 2005
Vergleich: Grinnel Glacier 1938 und 2005.

Vergleich: McCarthy Glacier 1909 und 2004
Vergleich: McCarthy Glacier 1909 und 2004.

Vergleich: Aletsch-Gletscher 1979 und 2002
Vergleich: Aletsch-Gletscher 1979 und 2002.

Sollten am Ende der Zukunft noch Klimaforscher übrig sein, werden sie wohl frei nach Leó Szilárd

We told you so you damned fools!

auf den Grabstein der Erde schreiben.

Comments Kein Kommentar »

Der Khumbu-Gletscher in der Khumbu-Region Nepals wird von den Hängen des Mount Everest, Lhotse und Nuptse gespeist und beginnt im Tal des Schweigens. Passenderweise fußt eine aktuelle Studienarbeit von Tino Pieczonka am Institut für Kartographie der TU Dresden auf den Bilddaten eines der ersten amerikanischen Spionagesatelliten und widmet sich der Erfassung und der Berechnung von Volumenänderungen der dortigen Gletscher.

Khumbu-Region
Lage des Khumbu-Gletschers und des Khumbu-Eisbruchs westlich des Mount Everest.

Auf der Basis von Satelliten-Aufnahmen aus den Jahren 1962 und 2002 wurden zwei digitale Geländemodelle erstellt, um Änderungen im Gletscheraufbau im Laufe der dazwischen liegenden 40 Jahre zu erkennen. Für das Modell des Jahres 2002 standen Aufnahmen fertig zur Verfügung, die Erstellung des Modelles aus dem Jahre 1962 ist mit Bestandteil der Studienarbeit. Als einer der ersten Spionagesatelliten sollte CORONA das Gebiet der ehemaligen UdSSR erforschen und stellte die erhaltenen Analog-Bilder mittels einer Wiedereintrittskapsel zur Verfügung. Nachdem die ersten Missionen aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich waren (Fehlbelichtungen und -fokussierungen, Blendenprobleme, Fehlfunktion des Bremsfallschirms, …), ging man dazu über, die Filme noch an Bord des Satelliten zu entwicklen, einzuscannen und anschließend zur Erde zu funken.
Erwartungsgemäß konnte ein starker Gletscherschwund nachgewiesen werden, in der beobachteten Zeit kam ein Eisverlust von insgesamt 68 Mio. m3 zu Stande, welcher sich auf eine durchschnittliche Reduzierung der Eisdicke um 18 m ummünzen lässt.

Auf der 23. Internationalen Polartagung an der Universität Münster vom 10. bis 14. März 2008 stellt der Autor seine Ergenbisse erstmals vor.

Tal des Schweigens Khumbu-Eisbruch

Comments Kein Kommentar »