Archiv für November 2010

Kein Sketch dürfte so gut passen wie “Dinner for One” von Miss Sophie und ihrem Butler James, wenn es darum geht, die UN-Klimakonferenzen zu karikieren. In einer kaum überschaubaren Folge von Kongressen, Meetings, Tagungen, Besprechungen und Nachbesprechungen wiederholt sich fast bis aufs Haar stets derselbe Ablauf: Die Veranstaltungen werden mit ungeheuren Erwartungen strapaziert, der weitere Verlauf ist desillusionierend, abschließend muss das Null-Ergebnis noch schön geredet werden.

Während bei “Dinner for One” das Fehlen der Hauptdarsteller nur zum Betrinken des Butlers führt, ist die gefühlte Abwesenheit der Hauptverantwortlichen für den Klimawandel auf lange Sicht fatal. Für die neue Party der Paragraphenhengste und Wortklauber im Badeparadies Cancun gibt es inzwischen schon mal eine beeindruckende Agenda, deren wichtigste Punkte auf folgende Kernprobleme reduziert werden können:

  • Schutz des Waldes: Arme Länder sollen Geld erhalten, um ihre Wälder zu schützen. Deren unkontrollierte Abholzung trägt bis zu 17% zum anthropogenen Klimawandel bei.
  • Anpassung an den Klimawandel: Vor allem arme Länder sollen finanzielle Hilfe bei der Linderung der unmittelbaren Foglen erhalten.
  • Ausarbeitrung eines Finanzierungsplans: Woher sollen die 100 Mrd. USD kommen, welche die reichen Länder den ärmeren für die Erreichung ihrer Klimaziele zur Verfügung stellen wollen?
  • Kontrolle und Überprüfung: Wie kann eine allgemeine akzeptierte Kntrollinstanz für die Aktivitäten des Klimaschutzes aussehen?

Mit der Eile hat man es jedenfalls nicht so sehr: Ein Nachfolger für Kyoto wird frühestens in 5 Jahren für möglich gehalten.

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Zu den 175 eindeutig nachgewiesenen Einschlagkratern auf der Erde, die vorwiegend sehr alt sind, gesellte sich jüngst ein neues Mitglied mit Namen Gebel Kamil, welches gleich 2 besondere Eigenschaften auszeichnen. Zum einen wurde es von Vincenzo de Michele bei einer gezielten Suche nach auffälligen geologischen Strukturen über Google Earth in Ägypten entdeckt von einem italienischen Forscherteam um Luigi Folco und Mario Di Martino vor Ort erforscht:

Zum zweiten stammt der Krater mit einem Alter von ca. 5.000 Jahren der jüngsten geologischen Vergangenheit und erreichte als kompakter nickelreicher Eisenmeteorit des Typs Ataxit mit einem erheblichen Teil der kosmischen Eintrittsgeschwindigkeit von ca. 3,5 km/s die Erdoberfläche. Nur so lässt sich bei der kleinen Ausgangsgröße von ca. 1,3 m im Durchmesser die Bildung des gefundenen 45 m großen und 16 m tiefen Explosionskraters erklären:

Der Gebel-Kamil-Krater in Ägypten
Blick auf den Gebel-Kamil-Krater in Ägypten.

Auch wenn die ganze Geschichte nicht mehr ganz frisch ist, sollte ihr in Zeiten, wo die Google-Wogen recht hoch schlagen, besondere Bedeutung zukommen.

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Nicht mehr ganz frisch, aber immer noch gut: Die Erde von den höchsten Bergeshöhen bis hinunter in die tiefsten Meerestiefen zum beinahe endlosen vertikalen Scrollen!

Our Amazing Planet explores Earth from its peaks to it mysterious depths.

Quelle: OurAmazingPlanet.com via And the water seems inviting.

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Der nächste Freitag-Salon findet am 26. November 2010, um 21.00 Uhr im Hotel Elephant (in der Hausbar im ersten Stock) statt.

Das Thema Kunst und Kontext ist angesagt. Marion Piffer, die Präsidentin der Stiftung Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen, hat ihr Kommen für das Novembertreffen zugesagt. Piffer ist keine Neue in der Welt der modernen Kunst. Über Jahre war sie die Leiterin der Museumsgalerie in Bozen. Letzthin arbeitete sie als freiberufliche Ausstellungskuratorin, als Lehrbeauftragte und Kunstpublizistin.

Nach der Froschgeschichte, die in aller Munde war, haben sich die Wogen um das Museum für moderne Kunst wieder geglättet. In der Zwischenzeit wurden auch der Stiftungsrat und die Direktion neu bestellt. Es hat den Anschein, dass das Geschehen in diesem Haus nunmehr zu einem normalen Ablauf gefunden hat.

Ich denke und ich hoffe, dass dieses Haus der Kunst auch in Zukunft mit zeitkritischen und gesellschaftspolitisch brisanten Werken aufhorchen lässt und tiefgreifende Diskussionen auslösen wird, wenn auch vielleicht nicht unbedingt in derselben Form, wie im Zusammenhang mit Kippenbergers gekreuzigtem Frosch. Kann das Museion diesem Anspruch gerecht werden? Wie weit kann es mithalten mit anderen Häusern in größeren Städten oder auch mit dem Mart in Rovereto? Welche Wirkung hat diese Einrichtung auf die Südtiroler Künstler? Werden sie dadurch eine Förderung erfahren? Gelingt es durch das Museion, die zeitgenössische Kunst der Südtiroler Bevölkerung näher zu bringen?

Über all das und so manches mehr werden wir Ende November diskutieren.

Wer daran teilnehmen möchte, kann sich an Konrad Stockner wenden.

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Von Anfang an ist aufgefallen, dass die TeilnehmerInnen sehr unbefangen in diesen Diskussionsabend über Jazz hineingegangen sind. Man war bereit und gespannt darauf, zu hören, was in einem Menschen vorgeht, der Musik macht und man war auch bereit von den eigenen musikalischen Erfahrungen und Erlebnissen zu erzählen. Diese Unbefangenheit, Neugier und Bereitschaft sich selbst mitzuteilen haben uns durch den gesamten Abend begleitet. Das Salontreffen war gekennzeichnet vom Gefühl, es geschafft zu haben, ein klein wenig in die Seele der Welt der Musik und des Jazz vorgedrungen zu sein.

Norbert Dalsass verkörpert einen Musiker, der genau diese Dimension der Musik liebt, für den das Musizieren nicht nur irgendeine Tätigkeit ist, sondern geradezu eine Lebensphilosophie bzw. ein Lebensstil. Jazz eignet sich besonders gut, Musik auf diese Weise auszukosten und zu leben. Improvisation, Lebensgefühl, Kreativität spielen eine ganz besondere Rolle in dieser Musikgattung. Auch das Zusammenspiel läuft viel direkter ab. Auch wenn die Individualität des einzelnen Musikers im Jazz sich viel besser entfalten kann, so hat doch auch gleichzeitig ein gelungenes Zusammenspiel einen ganz großen Stellenwert und stellt einen Wesenszug dieser Musikrichtung dar. Es muss aber nicht immer die absolute Harmonie zwischen den einzelnen Spielern bestehen. Unter Jazzspielern wird sicherlich nicht weniger gestritten als unter anderen Musikern (denken wir z.B. an den streitbaren Keith Jarrett). Irgendwie müssen sie aber immer zusammenfinden und zwar viel mehr und besser als in jeder anderen Musikart.

Improvisation ist ein weiteres unabkömmliches Merkmal des Jazz. Egal um welche Form es sich handelt und es gibt sehr viele verschiedene, äußerst unterschiedliche Stilformen des Jazz, Improvisation ist das verbindende Element.

Jazz ist gelebte Musik. Vielleicht ist vor allem dies der Grund, dass mit Jazz nicht so leicht volle Säle und Konzerthäuser zu haben sind und warum Jazz nicht so stark verbreitet ist. Es geht, wie bei der zeitgenössischen Musik, nicht in erster Linie darum, Unterhaltung zu bieten. Dem Jazzmusiker geht es viel mehr darum, seiner musikalischen Kreativität und seinem Lebensgefühl im Hier und Jetzt Ausdruck zu verleihen. Da jeder Musiker seinen eigenen Background hat, mag wohl dies der Grund sein, warum es so viele verschiedene Stilrichtungen im Jazz gibt. Die äußere Form ist sehr unterschiedlicher Prägung bei den einzelnen Repräsentanten dieser Musikrichtung, die innere Form hingegen ist immer dieselbe. Auch die Tatsache, dass jedes Konzert einer Jazzgruppe viel unterschiedlicher ausfällt als eine Konzertreihe in einer anderen Musikgattung, hat mit dieser inneren Form des Jazz zu tun. Man kann auch in einem gewissen Sinn von anarchischen Zügen sprechen. Norbert hat es folgendermaßen ausgedrückt:

Beim Jazz ist Anarchie nicht als Ergebnis, sondern als Projekt zu verstehen. Jeder weiß was er zu tun hat. Das Ergebnis des Schöpfungsprozesses im Jazz ist nicht wie bei Anarchie das Chaos als Ergebnis des Kampfes gegen die bestehende Ordnung, sondern das Chaos ist das Feld der unbegrenzten Möglichkeiten aus dem jeder etwas schöpft, was nicht nur aus sich selbst heraus kommt. es ist dann eine gemeinsame Reise zu einem gemeinsamen Ziel … ohne Chaos wird kein tanzender Stern geboren (F. Nietsche).

Der Faktor Erleben spielt eine besondere Rolle. Beim Jazz weiß der Zuhörer, aber auch der Musiker selbst, vielfach nicht was auf ihn zukommt, es geht darum sich überraschen zu lassen. Das was dann passiert, was abläuft, ist oft mehr als nur Musik und es kann auch nicht so leicht beschrieben werden. Wer Jazzmusik macht, muss sich einem ständigen Prozess des Werdens und Vergehens hingeben. Er muss viel lernen, erfahren, aufnehmen, um dies im gegebenen Moment in seine Musik einbauen zu können. Dies bedingt aber auch, vergessen zu können, damit wieder Neues seinen Platz einnehmen kann. Der Musiker muss das Seinige suchen und auch finden, dann wird das Spiel wie ein Fluss und es stellt keine Mühe mehr dar. Trotzdem aber ist diese Suche nie abgeschlossen, es gibt bei einem Jazzmusiker keinen Stillstand. Der Vergleich mit einem Seiltänzer, der ebenfalls in ständiger Bewegung ist, damit sein Balanceakt gelingt, ist vielleicht sehr zutreffend. Dazu gesellt sich noch der Faktor Kreativität. Um das kreative Potenzial voll ausschöpfen zu können, muss viel experimentiert und geübt werden. Ein Beispiel sei genannt, das zwar nicht aus der Welt des Jazz stammt, aber in jedem Fall sehr gut unterstreicht, wie ausgezeichnete Musikproduktionen entstehen. Die Rockgruppe Pink Floyd war neun Monate im Studio für die Produktion der Langspielplatte „The dark side of the moon“, die nur so von neuen Effekten und originellen Einlagen strotzt.

Wichtig ist eine enge Verbundenheit mit den Mitspielern (sowie mit dem Publikum). Ist diese vorhanden, weiß er in jeder Situation, wie es weitergehen soll, können eventuelle Fehler gut überbrückt oder sogar als Chancen genutzt werden. Auch ein plötzliches nicht geplantes Innehalten, eine plötzliche Stille kann ausgehalten werden. Nur so, wenn dieses Vertrauen, diese seelische Verbundenheit  vorhanden ist, kann das Spiel dann wieder weitergehen oder auch nicht. Im letzteren Fall heißt das dann eben, dass man bereits alles gesagt hat.

Eine nicht unbedeutende Rolle für das Gelingen eines Jazzkonzerts spielt das Publikum. Das Mitgehen der Zuhörer, deren Begeisterungsfähigkeit und ganz allgemein das Wechselspiel zwischen Musikbühne und Publikum haben einen wesentlichen Anteil an der gebotenen musikalischen Leistung. Bei kaum einer Musikrichtung ist der Anteil, den ich nur live und nicht auf einem Tonträger erleben kann, derart groß, wie beim Jazz. Dabei geht es vor allem um die bereits oben erwähnte innere Form des Jazz.

Als Programmgestalter der Jazzveranstaltungen der Gruppe Dekadenz legt Norbert deshalb ganz viel Wert auf eine für die Musiker und für das Publikum passende Atmosphäre. Diese muss stimmen; die Musiker müssen wissen, dass sie die Kings sind, dann geben sie ihr Bestes. Bei Jazzmusikern handelt es sich oft um sehr sensible, wenn nicht gar fragile Personen, für die ganz wichtig ist, dass das Ambiente passt. Die Merkmale des Lokals tun sicherlich auch noch das Ihrige dazu, dass es zu einer ganz besonderen Stimmung kommt, für die die Konzerte im Anreiterkeller bekannt sind. Amerikanische Musiker haben es schon mal so ausgedrückt: in ganz Amerika gebe es kein derartiges Lokal.

Bei der Auswahl der Musiker für das jeweilige Programm ist das Internet heute von großer Hilfe. YouTube ist eine unerschöpfliche Quelle, wenn man sich auf die Suche nach passenden Musikgruppen begibt. Sehr oft ist es aber besser, einen Musiker und seine Musik zuerst direkt zu erleben, bevor man ihn engagiert.

Wie ist Norbert zum Jazz gekommen?

Der erste Kontakt mit dieser Musikgattung war der Besuch eines Freejazzkonzertes in Bozen. Die erste Gruppe, mit der er Jazz spielte, war Sarabanda mit Michael Lösch. Dann kam Jazz Fantasy, die als Gruppe sehr lange Bestand hatte (15 Jahre). Mit Jazz Fantasy hat Norbert an sehr vielen Musikwettbewerben teilgenommen.

Es gibt aber kein Stehenbleiben. Heute arbeitet Norbert mehr an eigenen Musikprojekten, in denen er zu neuen Melodieführungen findet. Neue Rollen und neue Erfahrungen stehen an.

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