Archiv für März 2010

Es war ein sehr angenehmer Abend, mit Theodor Rifesser über die ladinische Schule zu plaudern. Eins ist dabei wohl den meisten von uns bewusst geworden: wir wissen relativ wenig über die kleinste Sprachgruppe in unserem Land und deren kultureller Entwicklung. Aber die Neugier war groß und Theodor schöpfte aus seinem reichen Erfahrungsschatz, den er sich im Laufe der Zeit über die ladinische Schule und insgesamt über die ladinische Sprachgruppe angeeignet hat; er ließ kaum eine Frage offen.

Theodor Rifessers Arbeitsleben war und ist mehr oder weniger zur Gänze mit der Schule verbunden. Zuerst war er Lehrer, dann arbeitete er als Schulpsychologe und seit 20 Jahren leitet er nun das ladinische pädagogische Institut.

Zuerst schilderte uns Theodor die Geschichte der ladinischen Schule; er ging dabei bis in das 19. Jahrhundert zurück. Ende des 19. Jahrhunderts gab es den so genannten Enneberger Schulstreit. Für viele war die Schule in jener Zeit in den ladinischen Tälern zu „deutschlastig“. Es gab keinen Italienischunterricht. Vor allem aus kirchlichen Kreisen wurde diese Kritik angebracht. In der Kirche wurde nämlich Italienisch gesprochen. Die ladinischen Priester studierten allesamt in Trient. Sie vermissten aber genügende Italienischkenntnisse bei der ladinischen Bevölkerung. Daraufhin wurde, zuerst in den Gadertaler und dann auch in den Grödnern Schulen, neben Deutsch auch Italienisch gelehrt.

Im 20. Jahrhundert hat es dann Zeiten gegeben, in denen einmal die deutsche und einmal die italienische Sprache vorherrschte. Während des I. Weltkriegs wurde nur in Deutsch gelehrt, in der Zeit des Faschismus daraufhin nur Italienisch. In den ladinischen Tälern hat es kaum Katakombenschulen gegeben, wohl auch aus dem Grund, weil das Ladinische nicht so verboten war, wie das Deutsche. Als dann im Jahre 1943 Norditalien dem Hitlerdeutschland einverleibt wurde, war die Unterrichtssprache wiederum Deutsch.

Nach Ende des II. Weltkrieges ging ein Streit (der ca. drei Jahre dauerte) darüber los, welche Sprache in der ladinischen Schule vor allem zum Zuge kommen soll: Deutsch oder Italienisch. Das Ladinische zu favorisieren kam für kaum jemanden in Frage, scheinbar war damals das ladinische Selbstbewusstsein dafür zu schwach ausgeprägt, auch wenn Inspektor Ferrari für das Ladinische eintrat.

Schließlich traf Minister Gonella im Jahre 1948 die salomonische Entscheidung, die Hälfte des Unterrichts auf Deutsch und die andere Hälfte auf Italienisch abzuhalten. Pädagogische Überlegungen spielten dabei keine Rolle.

Es gab dann Bemühungen, bei der Alphabetisierung die ladinische Sprache zu benutzen. Aber das konnten sich die Eltern der Schüler nicht vorstellen und schickten deshalb kurzerhand ihre Kinder nicht mehr in die Schule. Es herrschte in den ladinischen Tälern die Meinung vor, dass es vor allem wichtig sei, möglichst gut und möglichst früh Deutsch und Italienisch zu lernen; das Ladinische lernen sie eh von zu Hause aus. Man einigte sich schließlich darauf, dass die Alphabetisierung auf Italienisch erfolgte. Später in den Siebziger Jahren dann wurde die Möglichkeit geschaffen, die Alphabetisierung auch auf Deutsch abwickeln zu können. Die Grödner Grundschulen schwenkten daraufhin der Reihe nach auf die deutsche Alphabetisierung um, so dass heute in sämtlichen Grundschulklassen in Gröden im ersten Schuljahr die deutsche Sprache vorherrscht. Im Gadertal hingegen erfolgt die Alphabetisierung zur Gänze auf Italienisch.

Bezüglich des Artikels 19 und dem Recht auf Schule in der Muttersprache wird in den ladinischen Tälern auch für die Deutschsprachigen befunden, dass die deutsche Sprache genügend gelehrt wird.

Die paritätische Schule in den ladinischen Tälern

Mit Ausnahme des ersten Schuljahres (siehe oben) erfolgt der Unterricht zur Hälfte auf Deutsch und zur Hälfte in Italienisch. Daneben wird auch noch Ladinisch unterrichtet: in der Grundschule zwei Stunden in der Woche und in der Mittel- und Oberschule eine Stunde. Weiters kann das Ladinische auch immer als Erklärungssprache genutzt werden. Grundsätzlich wollen die Lehrer aber möglichst wenig von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, wenn auch im Gadertal, dies eher der Fall ist. Vor allem in Gröden gilt Deutsch als eine Prestigesprache, die es wichtig ist zu lernen und die auch schwerer zu lernen ist, weshalb man möglichst früh und möglichst intensiv damit beginnen soll.

In der Grundschule wird in der Regel eine Woche lang in der einen Sprache und in der nächsten Woche dann in der anderen unterrichtet. Dies kann immer derselbe Lehrer oder dieselbe Lehrerin sein oder es wechseln sich die LehererInnen von verschiedenen Klassen ab. In diesem Fall gibt es dann von einer Woche auf die andere nicht nur einen Sprachenwechsel sondern auch einen Lehrerwechsel. Im Teamunterricht heute kann die Aufteilung auch anders aussehen, nämlich, dass ein/e LehrerIn nur auf deutsch und die/der andere LehrerIn nur auf italienisch spricht.

LehrerInnen müssen die Dreisprachigkeitsprüfung A ablegen, sonst darf man nicht unterrichten in der ladinischen Schule. Weiters müssen sie die ladinische Muttersprachenerklärung machen; dies ist einmal zu tun und kann auch ad hoc erfolgen. Eine normale Sprachgruppen-zugehörigkeitserklärung reicht nicht aus, um in die Stammrolle zu kommen.

In der Mittelschule hingegen wird die Hälfte der Fächer auf Deutsch und die andere Hälfte auf Italienisch unterrichtet: die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer in Deutsch und die geisteswissenschaftlichen auf Italienisch, mit Ausnahme Geschichte. Dieses Fach wird auf Deutsch absolviert, da die Italiener die Tiroler Geschichte nicht kennen. Der Religionsunterricht erfolgt in allen drei Sprachen.

In den Oberschulen (in den ladinschen Tälern gibt es zwei Handelsoberschulen, ein Lyzeum und die Kunstschule) ist die Aufteilung der Fächer von Schule zu Schule verschieden.

Auf der Universität gibt es in der Fakultät für Bildungswissenschaften in Brixen (Ausbildung der GrundschullehrerInnen und KindergärtnerInnen) neben der deutschen und italienischen auch eine ladinische Abteilung, in der die Geschichte, Kultur und der Werdegang der ladinischen Täler gelehrt wird.

In den Kindergärten des Grödner- und Gadertales wird vor allem Ladinisch gesprochen. Es werden die Kinder aber auch auf spielerischer Weise in die anderen beiden Sprachen eingeführt.

In Graubünden gibt es bereits seit 1980 eine Amtssprache (neben den fünf Idiomen).

Die Gemeinden haben die Schulautonomie und können grundsätzlich selbst darüber befinden, wie die Schule ausgerichtet sein soll.

Es gibt aber eine Schulgrundform, in der in den ersten vier Schuljahren nur Romanisch unterrichtet wird und ab der fünften Klasse auf Deutsch umgestellt wird mit Ausnahme des Faches Naturkunde, das weiter in Romanisch unterrichtet wird. Darüber hinaus bleiben auch noch zwei Wochenstunden Romanischunterricht. In einigen Schulen werden die Fächer aber auch paritätisch auf die beiden Sprachen Deutsch und Romanisch aufgeteilt.

Insgesamt gibt es in Graubünden ca. 60.000 Romanischsprechende und in den Dolomitentälern 35.000 Ladinischsprechende, davon 20.000 in Südttirol.

In Südtirol ist es noch nicht gelungen eine Amtssprache einzuführen (ausgearbeitet wäre sie bereits). Bei der Erstellung der Amtssprache werden die häufigsten, typischsten und regelmäßigsten Formen verwendet. Gegen diese Amtssprache, das Ladin Dolomitan, gibt es gewisse Widerstände, sie wird jedenfalls politisch nicht unterstützt. U.a. wird oft angeführt, dass mit dieser Amtssprache die Idiome verloren gehen könnten. Dies stimmt aber ganz sicher nicht, eher das Umgekehrte wäre wahrscheinlich der Fall, wie dies auch das Beispiel Graubünden unter Beweis stellt.

Eine gewisse Schulform, wie z.B. die paritätische Schule der Ladiner, kann nicht einfach auf andere Realitäten, wie z.B. die deutsche Schule in Südtirol übertragen werden. Die verschiedenen Volksgruppen in unserem Land haben eine unterschiedliche Geschichte hinter sich: Auch die unterschiedliche Bedeutung des Tourismus wird in diesem Zusammenhang eine gewisse Rolle spielen. Es mehren sich allerdings die Stimmen dazu, dass wenigstens einige Fächer in der anderen Sprache unterrichtet werden. Im Zusammenhang mit dem Clillsystem hat man vor, zumindest ein Fach in englischer Sprache zu unterrichten. Dies stünde nicht im Widerspruch zum Artikel 19 des Autonomiestatutes.

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Glaubt man den Aussagen der Touristiker, so ist das submediterrane Klima Südtirols mit seinen milden Frühjahrstemperaturen und warmen Herbsttagen Hauptverantwortlicher für die ungeschlagene Beliebtheit der “Sonnenseite der Alpen” als Urlaubsziel. Das Südtirol-Wetter trägt dabei mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr entscheidend dazu bei, dass das kleine Land südlich des Brenners in der Beliebtheitsskala zahlreicher europäischer Erholungssuchender ganz oben rangiert.
Nichtsdestotrotz ist das aktuelle Wetter in Südtirol der letzten Tage alles andere als ein milder Vorgeschmack des Frühlings, der meteorologisch am 1. März Einzug gehalten haben soll. Temperaturen bis -20 °C und Windgeschwindigkeiten um 100 km/h lassen jeden Wetter-Bericht schlecht aussehen, auch der Wetterbericht für Südtirol der nächsten Tage verspricht keine großartigen Verbesserungen und prophezeit immer noch unterdurchschnittliche Werte. Erst die Südtirol-Wetterprognose für die nächste Woche sagt den Frühling voraus.

Warum kommt es uns so vor, als wäre der Winter wieder zurückgekehrt?

Die menschlichen Sinne sind in Vergleich zu technischen Sensorensystemen schlechter geeignet, physikalische Messgrößen zuverlässig und reproduzierbar zu bestimmen. Dies mag im Alltagsleben von Vorteil sein (konstante Sinnesreize werden auf Dauer abgeschwächt, starke Reize lösen Sättigungsverhalten aus), im Falle von niedrigen Temperaturen bei starkem Wind ist die “Messanordnung Mensch” jedenfalls eine eindeutige Fehlkonstruktion, zumindest aber kein Intelligent Design. Es ist sicher jedem bereits aufgefallen, dass die bloße Temperatur im Freien anders empfunden wird, als sie tatsächlich vorliegt. Parallel auftretende Wetterfaktoren spielen keine unbedeutende Rolle. Beschränken wir uns zunächst auf Temperaturen unter 10 °C, wo der Massenanteil der absoluten Luftfeuchtigkeit in der Umgebungsluft weniger als 1% zur Gesamtmasse beiträgt und somit eine vernachlässigbaren Einfluss auf die Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität ausübt.

Der Windchill

Der englische Begriff Windchill steht für Windkühle bzw. Windfrösteln und beschreibt anschaulich das Gefühl des verstärkten Kälteeindruckes, der dann entsteht, wenn hautnahe, relativ warme Luft durch Wind konvektiv abgeführt wird und somit die Verdunstungsrate erhöht. Die für die Verdunstung notwendige Energie wird dem Körper entzogen, weshalb das Kältempfinden potenziert wird.
Erste Bemühungen, dieses qualitative Empfinden zu quantifizieren, gehen bereits auf den 2. Weltkrieg zurück, wo es amerikanisches Anliegen war, die eigenen Truppen für die Widrigkeiten des Europäischen Winters zu rüsten. Die aktuell gültige empirische Formel für die Berechnung des Windchill sieht wie folgt aus:

T_{WC} = 13{,}12 + 0{,}6215 \cdot T_L – 11{,}37 \cdot v_W^{0{,}16} + 0{,}3965 \cdot T_L \cdot v_W^{0{,}16} \!

Die Windchill-Temperatur ergibt sich dabei bei einer Windgeschwindigkeit, die 10 m über Grund gemessen wird und entspricht der äquivalenten Temperatur bei schwachem Wind von 1,34 m/s (”Winstille”), welche bei Wind zur selben Wärmeverlustrate auf der dem Wind ausgesetzten Hautfläche führt. Trägt man die Windchill-Temperatur TWC (°C) gegen die Windgeschwindigkeit vW (km/h) für verschiedene Luft-Temperaturen TL (°C) auf, so ergibt sich folgendes Diagramm:

Windchill-Temperatur in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit
Die Windchill-Temperatur in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit bei verschiedenen Lufttemperaturen.

Beispiel: Eine Luft-Temperatur von -20 °C würde bei einer Windgeschwindigkeit von 100 km/h als knapp -40 °C empfunden.

Bei Temperaturen über 10 °C kommen neue Effekte ins Spiel. Der Körper gleicht zu hohe Temperaturen durch vermehrte Schweißabsonderung aus, durch die Verdunstung wird dem Körper Wärme entzogen. Dieser Effekt verursacht bei niedrigen Temperaturen den unerwünschten Windchill, bei hohen ist er essentiell für das Funktionieren des körpereigenen Wärmehaushaltes. Wenn nun die umgebende Luft bereits Wasserdampf in erheblichen Mengen enthält, ist der Verdunstungseffekt kompromittiert.

Der Heat Index

Der englische Begriff Heat Index steht für Wärmeindex bzw. Hitzeindex und trägt der reduzierten Verdunstung bei hoher Luftfeuchtigkeit Rechnung. Basierend auf detaillierten Betrachtungen zum Hitzehaushalt im menschlichen Körper kann folgende Näherungsformel für die Berechnung des Hitze-Index angegeben werden:

\begin{eqnarray*}
T_{HI} &=& 2{,}211732 \cdot 10^{-3} \cdot T_L^2 \cdot \varphi – 3{,}582 \cdot 10^{-6} \cdot T_L^2 \cdot \varphi^2 – 1{,}2308094 \cdot 10^{-2} \cdot T_L^2 + \\
&& + 7{,}2546 \cdot 10^{-4} \cdot T_L \cdot \varphi^2 – 0{,}14611605 \cdot T_L \cdot \varphi + 1{,}61139411 \cdot T_L – \\
&& + 1{,}6424828 \cdot 10^{-2} \cdot \varphi^2 + 2{,}338549 \cdot \varphi-8{,}784695
\end{eqnarray*}\!

Die Heat-Index-Temperatur ergibt sich dabei bei bei niedriger Windgeschwindigkeit und moderater Sonneneinstrahlung und entspricht der äquivalenten Temperatur bei einem Partialdruck des Wasserdampfes von 1,6 kPa. Trägt man die Heat-Index-Temperatur THI (°C) gegen die relative Luftfeuchtigkeit \varphi (%) für verschiedene Luft-Temperaturen TL (°C) auf, so ergibt sich folgendes Diagramm:

Heat-Index-Temperatur in Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchtigkeit
Die Heat-Index-Temperatur in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit bei verschiedenen relativen Luftfeuchtigkeiten.

Beispiel: Eine Luft-Temperatur von 30 °C würde bei einer relativen Luftfeuchte von 70% als knapp 35 °C empfunden.

Über Sinn oder Unsinn des Windchill bzw. des Heat Index lässt sich jedenfalls vortrefflich streiten. Schmächtigere Menschen kühlen leichter aus, Eskimos empfinden -20 °C wohl auch bei starkem Wind als warm, Konvektion ist stark vom Luftdruck abhängig, bei Windstille konvergiert die Näherungsformel nicht zur Umgebungstemperatur. Schließlich hat auch die Luftfeuchtigkeit einen Einfluss auf das Kälteempfinden. Trotzdem stellt der Windchill-Ansatz einen de-facto-Standard dar und ist vor allem in Nordamerika massiv im Einsatz.
Nimmt die Luftfeuchtigkeit zu, steigt neben der Bewölkung auch die Niederschlagswahrscheinlichkeit, die Sonneneintrahlung und damit auch die Lufttemperatur sinken, was wiederum die relative Luftfeuchtigkeit erhöht. Diese negative Rückkopplung begrenzt die maximal mögliche Luftfeuchtigkeit bei einer gewissen Temperatur. Der Heat Index berücksichtigt weiters auch keine Windgeschwindigkeit oder Strahlungsintensität der Sonne, obige Näherungsformel ist zudem für extreme Werte sehr ungenau.

In den nächsten Tagen werden die aktuelle Wetterwerte für Südtirol auf dem Südtiroler Wetterportal mit einem Wert für die gefühlte Temperatur ergänzt.

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Prinzipiell ist die Idee ja gut: Der klassische Einschreibebrief soll durch eine Variante in elektronischer Form mit automatischer Rückantwort ersetzt werden. Zum einen will der italienische Staat dadurch Geld sparen, um seine zahllosen mehr oder weniger sinnvollen Einschreiben durch eine spürbar günstigere Variante zu ersetzen. Zum anderen möchte man so wohl auch die (italienischen) Unzulänglichkeiten des Einschreibebriefes umgehen, der alles andere als ein zuverlässiges Mittel ist, um den Transport einer wichtigen Nachricht vom Absender zum Empfänger zu gewährleisten. Der klassische Einschreibebrief der Schneckenpost leidet unter den bekannten Problemen, die in der fehlenden ultimativen Garantie für den erfolgten Empfang, für die Ablehnung desselben, für die Bestätigung des Inhaltes oder für den genauen Zeitpunkt der erfolgten Zustellung ihren Ursprung haben. Sendung oder Empfangsbestätigung können beide verloren gehen, kriminelle Naturen finden auch Wege, mit dem Inhalt Schindluder zu treiben.

Die sogenannte “posta elettronica certificata”, kurz PEC, soll genau diese Probleme an der Wurzel entfernen und volle rechtliche Relevanz haben. Auch wenn dem Empfänger die Empfangsbestätigung “abhanden” kommen sollte, zieht sich die Spur der zertifizierten Mitteilung durch eigene Logfiles, die per Gesetz für einen Zeitraum von 30 Monaten aufzubewahren sind. Ein eigenes digitales Zertifikat, das für jedes Postfach ausgestellt wird, soll die Validität des Inhaltes gewährleisten. Schlussendlich fußt das Ganze auf dem E-Mail-Protokoll, weshalb auch das Zeitproblem im Griff zu sein scheint.

Die für den Informatiksektor im öffentlichen Bereich zuständige Behörde “Centro Nazionale per l’Informatica nella Pubblica Amministrazione” (CNIPA) wurde mit der Betreuung des zugehörigen Regelwerkes beauftragt. Dazu gehört auch die Verwaltung der akkreditierten Dienstanbieter, die wegen der sehr restriktiven Aufnahmebedinungen aktuell auf 24 begrenzt sind. Zudem bestehen von Seiten dieser Institution auch Anstrengungen, das vollumfängliche PEC-Regelwerk und damit die zertifizierte elektronische Post des italienischen Staates zu standardisieren.

PEC- posta elettronica certificata

Genau darin findet sich eigentlich der Hauptkritikpunkt: PEC oder die “posta elettronica certificata” ist aktuell kein internationaler Standard, er stellt ausschließlich ein Sammelsurium italienischer Regeln dar. Zu allem Überdruss gibt es für die tradizionelle E-Mail bereits seit Jahren Alternativen wie die RFC 3798, welche an den Verantwortlichen scheinbar spurlos vorüber gegangen sind. Einer der Kommentatoren der zugehörigen italienischen Wikipedia-Seite bringt die Sache auf den Punkt:

Perche’ non inserire il PGP come sistema di protezioni delle email?

Frei übersetzt: “Warum kann nicht PGP als System zum Schutz von E-Mails eingeführt werden?”

Zudem erschwert das Chaos der italienischen Gesetzgebung eine transparente Anwendung neuer Regeln, die ganze Sache könnte spätestens mit dem nächsten Regierungswechsel wieder hinfällig sein.

Schließlich gehen im allgemeinen Fall auf einem PEC-Postfach keine unzertifizierten E-Mails ein, zumindest nicht in der Default-Konfiguration. Jedenfalls wird jeder Anwender seine Standardpostfächer weiter benutzen wollen, weshalb auch ein nicht unbeträchtlicher Mehraufwand auf dieser Seite besteht.

Das aktuell gültige Gesetz schreibt es Gesellschaften und Freiberuflern vor, auf den PEC-Zug aufzuspringen. Bei Neugründungen greift die Regelung sofort, bestehende Betriebe haben bis November 2011 Zeit, Freiberufler bis November 2009. Einzelfirmen und Privatpersonen sind vorerst von der PEC-Pflicht ausgenommen. Hier die einzelnen Etappen im Detail:

  • Seit August 2006 ist die öffentliche Verwaltung mit PEC-Postfächern ausgestattet und muss diese seit November 2008 für die Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern und anderen Bereichen der Verwaltung nutzen.
  • Seit 30. Juni 2009 müssen die PEC-Adressen der öffentlichen Verwaltung auf deren Internetseiten mitgeteilt werden.
  • Seit 29. November 2008 müssen alle neuen Betriebe in Gesellschaftsform eine PEC-Adresse besitzen und diese bei der Eintragung mitteilen.
  • Bis 29. November 2011 müssen alle zum 29. November 2008 bereits bestehenden Gesellschaften ein PEC-Postfach nachreichen und bei der Handelskammer eintragen lassen.
  • Innerhalb 29. November 2009 müssen alle Freiberufler mit Einschreibung in Kammern oder Berufsalben ein PEC-Postfach besitzen und kommunizieren.

Als Hosting-Anbieter finden sich auch bei Safog.com Angebote rund um das Thema PEC oder “posta elettronica certificata”. Im Bereich “Zertifizierte E-Mail PEC” sind alle diesbezügliche Angebote gelistet, die von einem einfachen PEC-Postfach ohne eigene Domain (Paket PECMail) bis zum Paket PECDomain mit eigener zertifizierter PEC-Domain reichen und alle Notwendigkeiten abdecken sollten. Der Vergleich der PEC-Pakete sollte schließlich einen Überblick über die Möglichkeiten geben, den ganzen bürokratischen PEC-Moloch vom eigenen Betrieb zu entkoppeln und in erfahrene Hände zu legen.

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